Auf den Spuren der berühmten Klavierbauerfamilie

Autor Dirk Stroschein führte in die Ausstellung ein. Im Hintergrund: der Chor „Fugenmasse“, der unter anderem „All mein’ Gedanken“ von Williams Zeitgenossen Johannes Brahms sang.
 
„Spurensuche“ im StädtischenMuseum Seesen. Noch bis zum 30. September ist hier die Ausstellung „William Steinway in New York“ zu sehen.

Autor Dirk Stroschein hat sich auf Spurensuche begeben – Steinway-Sohn William im Fokus der Ausstellung

William Steinway, im Jahr 1835 in Seesen als Wilhelm Steinweg geboren, war einer der Söhne des Klavierbauers Heinrich Engelhard Steinweg, der in der Harzstadt seine ersten Instrumente baute, bevor die Familie im Jahr 1850 nach New York auswanderte. Dort begann ab 1853 mit der Gründung von „Steinway and Sons“ die Erfolgsgeschichte einer Familiendynastie, die mit ihren Qualitätsprodukten seitdem alle Welt „überflügelt“.
Steinway zu Ehren, in diesem Fall eben William und nicht seinem berühmten Vater Heinrich, hat sich der Bilderläher Autor DirkStroschein auf „Spurensuche“ begeben. Das Ergebnis dieser Suche ist aktuell im Städtischen Museum zu sehen, wo die Ausstellung „William Steinway in New York“ in der vergangenenWoche im Beisein zahlreicher interessierter Bürger eröffnet wurde.
Wie Stroschein betont, komme die Spurensuche ganz ohne Anlass eines Jahrestages und Zurückgreifen auf einen Denkmalführer aus. Stroschein erklärt: „Es gibt nur weniges im öffentlichen Raum, das an William Steinway ganz persönlich erinnert, also nicht an die Klavierbauerfamilie und ihr Unternehmen im allgemeinen.“
Sowieso verschmelzen in vielen Darstellungen gerne der Stammvater Heinrich mit seinen Söhnen zu einem „Mythos-Zwitterwesen“, in dem alle Familienordnung und Individualität der Beteiligten aufgehoben wird: Mal sind Heinrich Engelhard und William sowie Theodor allesamt Brüder, mal wird einer der Söhne zum Vater der anderen, und mal nur einem von ihnen alle im Familienverbund versammelten genialen Eigenschaften und Begabungen zugeschrieben.
Dabei ist es ganz einfach: Der, auf dessen Spuren man sich in dieser Ausstellung begibt ist William Steinway, einer der Söhne des Firmengründers, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine besondere Rolle in und für die Firma „Steinway & Sons" spielen sollte.
Die Spurensuche begibt sich aber nur zum Teil auf diese mannigfaltig beschrittenen Pfade der Firmengeschichte, sondern wendet sich eben der Persönlichkeit Williams zu, seinem Privatleben, dem gesellschaftlichen Engagement sowie seinen vielen „Seitenunternehmungen“, - und das alles an seinem Lebensmittelpunkt für fast fünfzig Jahre, im Großraum New York an der Ostküste der USA.
William Steinway war 15 Jahre alt, als er mit seinen Eltern und sechs Geschwistern im Jahr 1850 im New Yorker Hafen an Land ging. Der rasante Aufstieg des wenig später gegründeten Familienunternehmens „Steinway & Sons“ prägten sein junges Leben in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht.
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts stand William unangefochten an der Spitze der Firma, hatte die höchsten Weihen der New Yorker Gesellschaft inne und tat sich in dieser Kombination als rastloser Unternehmertyp auch jenseits des Kerngeschäfts als Klavierbauer hervor. Er gründete eine Stadt: „Steinway Village“ mit Wohnhäusern, Schule, Kindergarten, Post und Bücherei. Er war früh beteiligt an den ersten Planungen für die New Yorker U-Bahn, und er besaß das amerikanische Patent für die neuen Daimler-Motoren und errichtete den damals größten Vergnügungspark in New York.
Ein fotografischer Spaziergang über die Insel Manhattan und den heutigen Stadtteil Queens, von Süd nach Nord, lädt im Museum zur Besichtigung jener Orte ein, denen eines gemeinsam ist: Sie sind – mal historisch erkennbar, mal nur noch als Leerstelle – schlicht Plätze, „wo William war“.
Die Ausstellung im Museum ist auch eine Leseausstellung: die fotografisch dokumentierten Orte und was dort anzutreffen ist, werden auf Texttafeln erzählerisch eingebettet in ihre historischen Zusammenhänge.
Es gibt begleitend ein Quiz. Belohnung für das viele Lesen sind Bücher, also wieder etwas zu lesen. Am Quiz können Interessierte bis zum 19. August teilnehmen, die Preisverleihung erfolgt beim Hörtheater im Steinway-Park am 25. August.
Wer lieber zuhört, statt zu lesen, der ist richtig bei dem Hörtheater im Steinway-Park am 25. August, das als Begleitveranstaltung zur Ausstellung veranstaltet wird. Dort können die Zuhörer Stroscheins NDR-Hörfunk-Feature zur Geschichte der Familie und Firma „Von Steinweg zu Steinway“ anhören. Die Austellung im Museum ist dort zu sehen bis zum 30. September.