Auf den Spuren Wilhelm Buschs

Das jüngste Lesecafé fand jetzt im Wilhelm-Busch-Haus statt.

Lesecafé in Mechtshausen / Verleger Richter lehnt „Max-und-Moritz“-Manuskript ab

Mechtshausen (bo). Im Wilhelm-Busch-Haus Mechtshausen fand jetzt ein Lesecafé statt, in dem man dem Geist des großen Humoristen begegnen konnte. Schließlich war ja an diesem Tag nicht sein Geburtstag – da „haute er immer ab“, weil er kein „Gedöns“ um seine Person wollte. Sogar zu einem Interview mit Siebtklässlern war er bereit.
Am 15. April 1832 erblickte er in Wiedensahl das Licht der Welt. Bei seinen Eltern, die Krämer waren und insgesamt sechs Kinder aufziehen mussten, lebte er nur bis Herbst 1841. Nach der Geburt von Bruder Otto wurde es zu eng im Elternhaus. Sein Vater wollte auch eine bessere Bildung für ihn als sie in der Dorfschule in Wiedensahl möglich war. Also zog Busch zu Pfarrer Georg Kleine nach Ebergötzen – sein Onkel mütterlicherseits – der ihn auch zusammen mit seinem Freund Erich Bachmann unterrichtete. „Wie war denn aufgrund dieser religiösen Erziehung Ihr Verhältnis zur Religion?“ Etwas zwiespältig, was sich im Gedicht „Wie schad, daß ich kein Pfaffe bin“ ausdrückt, das ein Schüler vorlas.
Im Jahr 1847 begann seine Studienzeit am Polytechnikum in Hannover, wo er es vier Jahre beim Maschinenbaustudium aushielt. Ihn zog es zur Kunst, doch die Kunststudien an der Kunstakademie Düsseldorf, der Académie Royale des Beaux-Arts in Antwerpen und in München behagten ihm nicht – er brach sie alle ab. Das letzte Kunststudium finanzierte sein Vater auch nicht mehr. Erstmalig von seiner Kunst leben und seine Schulden bezahlen konnte er dank des Künstlervereins „Jung München“, für dessen Vereinszeitung er Karikaturen und Texte verfasste, wodurch Verleger Kaspar Braun auf ihn aufmerksam wurde. Für dessen Satirezeitungen „Münchener Bilderbogen“ und „Fliegende Blätter“ schrieb Wilhelm Busch als freier Mitarbeiter. In die 17-jährige Kaufmannstochter Anna Richter verliebte er sich und hätte sie wohl auch geheiratet, wenn ihr Vater nicht dagegen gewesen wäre – als „Habenichts“ könne er seine Tochter ja nicht ernähren.
Wilhelm Buschs Verhältnis zu Frauen war übrigens so wie das zu seinen Kunststudien. Eigentlich mochte er sie, aber er konnte auch ohne sie auskommen. Später bemühte er sich um verheiratete Frauen, da er wusste, dass er sie nicht bekommen kann, weil ihm das Familienleben als verheirateter Mann wohl doch zu heikel war. Das Gehässige an Frauen hat er treffend im Gedicht „Die erste alte Tante sprach“ aus „Kritik des Herzens“ verarbeitet: In diesem Gedicht haben drei alte Tanten darüber sinniert, was sie „dem guten Sophiechen“ zum Namenstag schenken. Ein Kleid „in Erbsengrün … mit gelben Ranken“ sollte es sein. Über ein solch hässliches Kleid würde Sophie sich nämlich ärgern, müsste aber dennoch als die Beschenkte Dankbarkeit zeigen. Hildegard Reinecke, die dieses Gedicht vorlas, hat den Ton besonders gut getroffen.
Der Erfolg des bekanntesten Werks, „Max und Moritz“, ließ lange auf sich warten. Verleger Heinrich Richter hat das Manuskript wegen geringer Verkaufsaussichten abgelehnt, und Buschs alter Verleger Kaspar Braun erwarb die Rechte an der Bildergeschichte für 1000 Gulden, was zwei Jahreslöhnen eines Handwerkers entsprach. Finanziell hatte Wilhelm Busch erstmal ausgesorgt. Das Buch verkaufte sich ab der 2. Auflage recht gut und 1908, im Todesjahr Buschs, wurden in der 56. Auflage bereits 430.000 Exemplare verkauft.
1896 gab Wilhelm Busch das Malen endgültig auf und trat gegen eine Abfindung von 50.000 Goldmark alle Rechte an seinen Veröffentlichungen an den Verlag Bassermann ab. Busch fühlte sich zu alt zum Schreiben und Malen und schrieb nur noch Briefe und Gedichte. Da seine Schwester Fanny Nöldeke gesundheitlich auch nicht mehr so gut beieinander war, nahmen sie die Einladung Otto Nöldekes an, zu ihm ins große Pfarrhaus in Mechtshausen zu ziehen. Dort entstanden die meisten seiner Gedichte in den Sammlungen „Schein und Sein“ und „Zu guter Letzt“.
Im Wilhelm-Busch-Haus kam es dank der Moderation Hildegard Reineckes zu einem Dialog zwischen den Schülern und den Senioren – abwechselnd lasen sie Busch-Gedichte vor – von „Ich weiß ein Märchen hübsch und tief“ bis zu „Die Freunde“ und natürlich den ersten Streich von Max und Moritz. Darüber hinaus erfanden die Schüler noch vier Zukunftsstreiche, in denen ein Computer gehackt wurde, eine Katze dran glauben musste und in der Schule Feueralarm ausgelöst wurde. Einer ging allerdings schief. Die Übeltäter wurden erwischt und zum Direktor gebracht. Besonders beeindruckte F. Weiner, die zu allen Buchstaben, die ihr die Schüler zuriefen, die passenden Strophen des „naturgeschichtlichen Alphabets“ auswendig konnte – dank des Gedächtnistrainings bei Christiane Berndt. Eingeladen zu diesem Lesecafé hatte der Arbeitskreis „Jung und Alt“ mit dem Förderkreis Wilhelm-Busch-Haus Mechtshausen, die AWO und der Paritätische. F. Hoffmann gestaltete mit ihrer Klasse 7a das Programm.
Am 26. Juni findet um 16 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Herrhausen ein Lesecafé zum Thema „Dörfliches Leben – früher und heute“ statt.
Bei Fragen oder für weitere Informationen stehen Ute Albrecht, Telefon (05381) 491807, und Christiane Berndt, Telefon (05381) 948064, zur Verfügung.