Auf falschen Notruf folgt Haftstrafe

Ein 35-jähriger Seesener hatte im November zusammen mit einem Freund gewettet, umsonst nach Göttingen zu gelangen. Die beiden setzten einen Notruf ab. (Foto: pixelio)

35-Jähriger Seesener wegen Missbrauchs von Notrufen verurteilt

Seesen. Wegen des Missbrauchs von Notrufen wurde ein 35-jähriger Seesener gestern von Amtsrichter Frank Rüger zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Der Angeklagte musste sich bereits vergangene Woche vor Gericht wegen Körperverletzung verantworten (der „Beobachter“ berichtete).
In der gestrigen Verhandlung wurde dem notorischen Straftäter zur Last gelegt zusammen mit einem Freund in der Nacht des 19. November vergangenen Jahres einen Rettungswagen mit der Absicht gerufen zu haben, sich umsonst nach Göttingen transportieren zu lassen. Die Idee den Notruf zu alarmieren, soll auf eine Wette der beiden Saufkumpanen zurückgegangen sein. Der zweite Angeklagte ist zum Verhandlungstermin nicht erschienen. Deshalb wurde gestern nur die Verhandlung gegen den 35-Jährigen durchgeführt. Sein Mittäter wird in den nächsten Tagen einen Strafbefehl in seinem Briefkasten finden.
Der anwesende Angeklagte, der bereits 32 Voreintragungen auf dem Kerbholz hat und die Hälfte seines bisherigen Lebens hinter schwedischen Gardinen verbrachte, konnte Richter und Staatsanwalt freilich eine ganz andere Version der Geschichte präsentieren.
Der 35-Jährige gab zu Protokoll, dass er und sein Kumpel an diesem Tag ordentlich einen über den Durst getrunken hatten. Zudem konsumierte der Angeklagte nach eigenen Angaben unerlaubte Betäubungsmittel. Zu späterer Stunde soll den beiden Saufnasen dann die Erleuchtung gekommen sein, dass sie etwas an ihrem Lebensstil ändern müssten. Deshalb überlegten sie sich, einen Rettungswagen zu alarmieren, der sie nach Göttingen zur Entgiftung bringt. Gleich im Anschluss an die erfolgte Entgiftung wollten die beiden Freunde einen Entzug starten um ihr Leben endlich in den Griff zu bekommen. Die beiden wählten die 112 und bestellten einen Rettungswagen. Vor Ort spielten die Rettungssanitäter dann aber nicht so mit, wie es sich die beiden vorgestellt hatten. Der Angeklagte beteuerte vor Gericht, dass sich die Krankenwagenbesatzung weigerte ihnen und seinen Kumpel nach Göttingen zu chauffieren.
Die Geschichte stieß bei Richter Rüger verständlicherweise auf Misstrauen. Zeugenaussagen förderten dann den wahren Verlauf des nächtlichen Notrufs zu Tage.
So erklärten die beiden Rettungsassistenten, die in besagter Nacht Dienst in der Rettungsleitstelle des Landkreises schoben, dass bei ihnen gegen 23 Uhr ein Notruf einging. Beim Anrufer handelte es sich um den 35-Jährigen. Dieser sagte am Telefon, dass ein Rettungswagen benötigt wird um ihn und seinen Freund zur Entgiftung nach Göttingen ins Krankenhaus zu bringen. Der Leitstellendisponent erklärte dem Anrufer, dass ein Rettungswagen geschickt werde, die Anfahrt aber ein wenig länger dauert, da der Wagen aus Goslar kommt. Der Seesener Rettungswagen war zu diesem Zeitpunkt bereits zu einem anderen Einsatz unterwegs.
Nur wenige Minuten später nach dem ersten Notruf erfolgte Anruf Nummer zwei. Der 35-Jährige wollte sich nach Aussage des Rettungsassistenten erkundigen, wo der Krankenwagen denn bleibe.
In der Zwischenzeit war auch der Seesener Notarzt wieder frei und wurde von der Leitstelle beauftragt ebenfalls zum vermeintlichen Einsatzort zu fahren.
Rettungswagen und Notarzt trafen etwa zeitgleich bei der Wohnung der beiden Kumpels ein. Als die Rettungssanitäter an der Tür klingelten und klopften aber keine Reaktion bekamen, riefen sie die Polizei.
Die Beamten der Seesener Polizei machten sich also auf den Weg zum Einsatzort und standen zusammen mit der Besatzung des Rettungswagen und dem Notarzt vor verschlossenen Türen. Nach einigem Klopfen und Klingeln bequemte sich schließlich der Freund des 35-Jährigen vor die Tür und erklärte den Polizisten, dass alles nur ein Spaß gewesen wäre. Die beiden hatten gewettet ob sie es schaffen, dass sie ein Rettungswagen umsonst in die Universitätsstadt karrt. Von einer etwaigen Entgiftung oder einem akuten Notfall war nicht die Rede. Alle vier geladenen Zeugen bestätigten diesen Vorgang. Der Rettungswagen und Notarzt rückten also unvollrichteter Dinge wieder ab.
Die Staatsanwältin resümierte in ihrem Plädoyer, dass sich die Tat genauso abgespielt hat, wie es bereits in der Anklageschrift zu Papier gebracht wurde. Aufgrund der massiven Voreintragungen, der Angeklagte wurde unter anderem zweimal wegen des Missbrauchs von Notrufnummern verurteilt, forderte die Staatsanwältin eine fünfmonatige Haftstrafe, die nicht zur Bewährung auszusetzen sei.
Richter Rüger folgte dieser Forderung in vollem Umfang und sagte in seiner Urteilsbegründung, dass die Version des Angeklagten absolut unglaubwürdig sei. Der 35-Jährige wird gegen dieses Urteil in Berufung gehen. Das kündigte er nach Abschluss der Verhandlung an.