Ausbau der A7 ist eine riesige Herausforderung

Die Verkehrsführung auf dem Teilstück zwischen Derneburg und Salzgitter ist zum Teil sehr eng. Unfälle sind fast vorprogrammiert. (Foto: Strache)

Polizei bereitet sich mit Feuerwehren und der Straßenbaubehörde auf Unfall- und Stauszenarien vor

Von Maximilian Strache, Hildesheim/Seesen

Seit knapp fünf Wochen laufen die Ausbauarbeiten auf dem Autobahnteilstück der A7 zwischen der Anschlussstelle Derneburg / Salzgitter und der Anschlussstelle Bockenem / Lutter. Der Verkehrsfunk kommt inzwischen kaum noch ohne eine Staumeldung aus diesem Teilabschnitt aus.
Grund für die Polizeidirektion Hildesheim, zu einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den angrenzenden Polizeiinspektionen, den Autobahnmeistereien, den Feuerwehren und der Straßenbaubehörde Bad Gandersheim einzuladen, um die Öffentlichkeit über die geplanten Sicherungsmaßnahmen zu unterrichten.
Uwe Ippensen, Leiter der Polizeidirektion Hildesheim, spricht von einer enormen Herausforderung, die in den nächsten zwei Jahren auf alle Beteiligten zukommt. „Unser oberstes Ziel muss es sein, die Nutzung der Autobahn zu gewährleisten und für die Sicherheit der Rettungskräfte und Bauarbeiter zu sorgen. Unfälle können wir jedoch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht verhindern. Auch Staus werden in den kommenden Monaten nicht vermeidbar sein. Und auch die Bedürfnisse der Anwohner müssen wir berücksichtigen“, so der Polizeidirektor.
Jürgen Kanngießer, Leiter der Autobahndienstelle der Hildesheimer Polizei, erläutert in der Folge die Maßnahmen, die von den verschiedenen Institutionen in Kooperation erarbeitet wurden.
„In diesem Jahr sind bereits sechs Vollsperrungen unter anderem wegen des Abrisses von Brücken vorgesehen. Weitere Vollsperrungen aufgrund von Unfällen oder liegengebliebenen Fahrzeugen können wir natürlich nicht voraussehen“, so Kanngießer.
Der Ausbau der A7 auf insgesamt drei Spuren gliedert sich in drei Phasen, machte Rainer Engelhardt, Projektleiter der Straßenbaubehörde Bad Gandersheim, deutlich. Umstellungen der Verkehrsregelungen sind da nicht vermeidbar. In der so genannten „Phase 0“ werden vorbereitende Maßnahmen getroffen. Dazu gehört beispielsweise die Verbreiterung von Brücken. Die „Phase 0“ soll dieses Jahr abgeschlossen werden. In der anschließenden „Phase 1“ erfolgt der Bau der neuen Fahrbahnen. Die „Phase 3“ beginnt dann im Dezember 2012. In dieser Phase sollen die abschließenden Arbeiten an der Fahrbahn durchgeführt werden.
Ferner wird wegen der Grunderneuerung der Richtungsfahrbahn Kassel, die seit dem 1. Juni läuft, die AS Derneburg/Salzgitter zeitweilig gesperrt. Laut Erklärung der Experten von der Straßenbaubehörde muss dort eine Anhebung der Auffahrt durchgeführt werden.
Die Polizei hat sich in den vergangenen Monaten auf zahlreiche Szenarien entlang der Strecke vorbereitet. „Wir haben einen Hubschrauber bestellt, Radiodurchsagen mit weiträumigen Umleitungsempfehlungen vorbereitet und uns mit den Ortsfeuerwehren entlang der Strecke sowie der Berufsfeuerwehr Hildesheim abgestimmt“, informiert Kanngießer. Teilweise gehen die Umleitungsempfehlungen der Polizei bis runter nach Kassel oder sogar bis nach Frankfurt am Main.
Ein großes Problem sehen die Beamten in der Erreichbarkeit etwaiger Unfallstellen. „Wir haben alle 100 Meter Standorttafeln angebracht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass einige Autofahrer nach einem Unfall nicht in der Lage sind, die richtigen Positionsdaten durchzugeben. Um eine schnelle Erreichbarkeit der Unfallstellen zu gewährleisten, werden bei einem Einsatz auch gleich die Ortsfeuerwehren an der Strecke informiert, damit diese im Zweifelsfall aus beiden Richtungen anrücken können“, erklärt Kanngießerdas Rettungskonzept.
Problematisch, so Kanngießer, sei die Erreichbarkeit der Unfallstellen auch durch die Leitwände, die zur Fahrbahnabgrenzung dienen. Die Leitwände haben eine Höhe von etwa 60 Zentimetern und sind durchgängig aufgestellt. „Einzelne Elemente können auch nicht ohne Weiteres herausgenommen werden, da dies die gesamte Stabilität beinflussen würde“, fügt Polizeidirektor Ippensen hinzu. Die Besatzung eines Rettungswagens ist also in jedem Fall auf die helfenden Hände der Feuerwehr angewiesen.
„Im absoluten Notfall können die Beamten der Autobahnpolizei auf ein Geländemotorrad zurückgreifen, um sich über Felder der Unfallstelle zu nähern“ ergänzt Ippensen.
Die kommenden zwei Jahre sind für die Polizei und die Feuerwehren in jedem Fall mit einer deutlich höheren Arbeitsbelastung und einem deutlich höheren Risiko verbunden. Deshalb schließt Polizeidirektor Ippensen auch eine Personalaufstockung zum 1. Oktober nicht aus: „Wir werden das bei der Personalumsetzung besprechen und auf Grundlage der bis dahin gesammelten Erfahrungen entscheiden.“
„Unterm Strich“, so Ippensen, „bleibt der Ausbau der Autobahn für alle Beteiligten eine sehr große Herausforderung. Wir können nur hoffen, dass wir von größerem Unheil verschont bleiben und unsere Konzepte greifen.“


Vollsperrungen der Bundesautobahn 7 zwischen
der AS Derneburg/Salzgitter und der AS Rhüden

•Teilsperrung: Die Fahrt- richtung Kassel ist von Sonnabend, 9. Juli, 21 Uhr, bis Sonntag, 10. Juli, 5 Uhr, von der AS Derneburg-Salzgitter bis zur AS-Rhüden gesperrt.

•Vollsperrung: Beide Fahrtrichtungen sind von Sonnabend, 23. Juli, 20 Uhr, bis Sonntag, 24. Juli, 9 Uhr, von der AS Derneburg-Salzgitter bis zur AS-Rhüden gesperrt.

•Vollsperrung: Beide Fahrtrichtungen sind von Sonnabend, 30. Juli, 20 Uhr, bis Sonntag, 31. Juli, 9 Uhr, von der AS Derneburg-Salzgitter bis zur AS-Rhüden gesperrt.

•Teilsperrung: Die Fahrtrichtung Kassel ist von Sonnabend, 17. September, 21 Uhr, bis Sonntag, 18. September, 5 Uhr, von der AS Derneburg-Salzgitter bis zur AS-Rhüden gesperrt.

•Vollsperrung: Beide Fahrtrichtungen sind von Sonnabend, 1. Oktober, 20 Uhr, bis Sonntag, 2. Oktober, 9 Uhr, von der AS Derneburg-Salzgitter bis zur AS-Rhüden gesperrt.

•Teilsperrung: Die Fahrtrichtung Kassel ist von Sonnabend, 5. November, 21 Uhr, bis Sonntag, 6. November, 5 Uhr, von der AS Derneburg-Salzgitter bis zur AS-Rhüden gesperrt.