Autismus-Therapie-Zentrum nimmt Arbeit auf

Zum Auftakt der Zusammenkunft besichtigten die Mitglieder des Vorstandes die Räume des „Familienentlastenden Service“ sowie die der „Frühförderung“ und der „Ergotherapie“. (Foto: Poerschke)
 
(Foto: Poerschke)

Neues Angebot der „Lebenshilfe Bad Gandersheim – Seesen“ für den Bereich Südostniedersachsen

Seesen (poe). Es war Ende Februar vergangenen Jahres, als im Ostflügel des Seesener Bahnhofs in einem dem Ereignis angemessenen Rahmen der „Treffpunkt für alle“ eingeweiht wurde – ein von der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ und den „Lammetal-Werkstätten“ in Lamspringe gemeinsam getragenes Projekt, das nach den Worten der Fachbereichsleiterin, Ilona Fuchs, seine Bewährungsprobe bestanden habe. Eine Feststellung, die die Mitglieder des erweiterten Vorstandes der „Lebenshilfe“ denn auch erfreut zur Kenntnis nahmen, als sie sich im Verlauf der jüngsten Zusammenkunft über die positive Entwicklung dieser Einrichtung aus erster Hand informieren ließen.
Ilona Fuchs, die rückblickend auf die ersten Wochen und Monate nach der Eröffnung von einer „etwas verhaltenen Startphase“ sprach, machte den nunmehr deutlichen Aufwärtstrend an dem aktuellen Belegungsplan fest. Danach treffen sich einige Mitarbeiterinnen der „Lammetal-Werkstätten“ im Abstand von 14 Tagen jeweils sonnabends zum vergnüglichen Kochen; setzt der Kneipp-Verein im „Treffpunkt für alle“ ebenso seine Aktivitäten frei, wie die Freizeitgruppe aus den Reihen der „Tagesbildungsstätte“; steht die Einrichtung darüber hinaus für Seminare sowie Gesprächs- und Bastelkreise zur Verfügung.
Sie erinnerte zudem an die regelmäßigen Sprech- und Beratungsstunden. Hier hätten nicht nur Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Beeinträchtigungen, sondern auch deren Angehörige oder Betreuer die Möglichkeit, sich im persönlichen Gespräch beraten zu lassen. Darüber hinaus würde der „Familienentlastende Service“ über das gesamte Angebots-Spektrum informieren, das die „Lebenshilfe“ sowie die „Lammetal-Werkstätten“ offerieren. Als Ansprechpartnerin zeichnet Birgit Weidanz verantwortlich; sie ist immer mittwochs in der Zeit von 9 bis 11 Uhr in den Räumen im Ostflügel des Bahnhofs direkt zu erreichen.
Vor dem Hintergrund dieser erfreulichen Bilanz stimmte der Vorstand denn auch gern der Anregung des 1. Vorsitzenden der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“, Hans-Werner Ohlsen, zu, die Ausstattung des „Treffpunktes für alle“ unter anderem um ein Fernsehgerät, eine Musikanlage und Bücher aufzustocken.

Gelebte Inklusion im ehemaligen Bahnhof?

Was nun die künftige Nutzung des einstigen Bahnhofsgebäudes betrifft, das bekanntlich von einem privaten Investor aus Seesen aufgekauft wurde, so sieht Ohlsen nach eigenem Bekunden gute Chancen, dass sich die „Lebenshilfe“ und die „Lammetal-Werkstätten“ in diesem zentral gelegenen Gemäuer noch stärker als bisher engagieren.
Danach könnten nach dem vorgesehenen Rück- und Umbau des Bahnhofes beispielsweise der „Treffpunkt für alle“ im Ostflügel und die Räume der Abschlussklasse der „Kurparkschule“ im Westflügel durch das Mittelteil verbunden, und dadurch zusätzlicher Platz gewonnen werden; trage sich, wie es hieß, der Investor mit dem Gedanken, das Obergeschoss des ehemaligen Bahnhofes durch einen Fahrstuhl zu erschließen, und dort dann bis zu zehn Wohnungen auszuweisen. Dazu Hans-Werner Ohlsen: „Wenn einige dieser Wohnungen auf der Basis des betreuten Wohnens an Mitarbeiter der Lammetal-Werkstätten vermietet, und die restlichen auf dem freien Wohnungsmarkt angeboten würden, wäre das ein wichtiger Schritt auf dem Wege gelebter Inklusion“.
Das ungeteilte Interesse des Vorstandes galt jedoch nicht nur dem „Treffpunkt für alle“ sowie den Überlegungen mit Blick auf den ehemaligen Seesener Bahnhof, sondern vor allem auch dem neuen „Autismus-Therapie-Zentrum Südostniedersachsen“ in der Seesener „Kampstraße“, in dem unter der Leitung von Ilona Fuchs seit rund vier Wochen die ersten Klienten aus den Landkreisen Goslar und Northeim von einer fachkompetenten Therapeutin, nämlich Jeannette Truderung, gefördert werden. Klienten, bei denen die Diagnose „Frühkindlicher Autismus“ respektive „Asperger-Syndrom“ lautet.
Für die „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ mehr als nur ein weiteres Standbein, wie Hans-Werner Ohlsen bekundete. Die „Lebenshilfe“, so betonte er, habe damit vielmehr auf den steigenden Bedarf an Therapieplätzen reagiert – übrigens nicht zuletzt eine direkte Folge erheblich verbesserter Diagnosemöglichkeiten.
Diese würden es den Ärzten erlauben, Autismus-Spektrum-Störungen, dahinter verbergen sich tiefgreifende Entwicklungsstörungen, die sich anhand verschiedener charakteristischer Symptome aus den Bereichen soziale Interaktion, Kommunikation, Aktivitäten und Interessen definieren lassen, nicht nur gezielter, sondern vor allem auch früher zu erkennen.
Hatten diese Störungen in der Vergangenheit auf vielfältige Weise die Beziehungen zur Umwelt, die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft und die Fähigkeit zur Eingliederung in die Gesellschaft behindert, so eröffneten ganzheitliche und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Fördermaßnahmen nunmehr die Chance einer harmonischen Entwicklung der Persönlichkeit. Und das in jedem Alter, wie es ergänzend hieß.

Neues Domizil für „FELS“ seit Januar

Zum Auftakt der jüngsten Zusammenkunft des Vorstandes der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ hatten die Teilnehmer übrigens die neuen Räume besichtigt, in denen seit Januar der „Familienentlastende Service“ (FELS) untergebracht ist. Dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren nämlich zum Jahresbeginn in das Gebäude (Ecke Lange Straße / Opferstraße“) umgezogen, in der bereits die Bereiche „Frühförderung“ und „Ergotherapie“ der „Lebenshilfe“ ihren Sitz haben.