Autismus-Zentrum wird am 25. August offiziell eröffnet

Das neue Autismus-Therapiezentrum der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen in der Kampstraße 34 wird am Sonnabend, 25. August, im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ offiziell eröffnet. (Foto: Poerschke)

Ambulant angebotenes Leistungsspektrum reicht von Therapie über Anleitung bis Beratung / „Offene Türen“ in der Kampstraße 34

Seesen (poe). Man schrieb das Jahr 2007, als sich die so genannten „Mittelzentren“ in Goslar, Bad Harzburg, Clausthal-Zellerfeld und Seesen zu einem mittelzentralen Verbund mit oberzentralen Teilfunktionen zusammenschlossen. Diesem neuen Verbund wurde sowohl im regionalen Raumordnungsprogramm als auch im Landesraumordnungsprogramm „für den Harz und das Harzvorland eine besondere regionale Bedeutung“ zuerkannt. Seither ist – nicht zuletzt im Blick auf die Gesundheitsinfrastruktur – gar von einer „landesweiten Relevanz“ die Rede.
Auch in Seesen wurde in den Folgejahren verstärkt in den Ausbau des Standortes investiert. Da erweiterten die Asklepios Kliniken Schildautal beispielsweise ihre Kapazitäten durch die Erweiterung bei gleichzeitiger Konzentration des Bettenangebotes, installierte man modernste Qualitätsmanagementsysteme, um allen Patienten die bestmögliche Versorgung zu sichern, erfolgte eine von den Bürgern immer wieder geforderte Arrondierung des Fachärzte-Angebotes, stockte schließlich – und zwar in erster Linie die Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen – ihr ohnehin schon immer breit gefächertes Betreuungs- und Therapieangebot erheblich auf.
Das „jüngste Kind“ der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ nun soll noch in diesem Monat offiziell aus der Taufe gehoben werden, am Sonnabend, 25. August, ab 11 Uhr. Im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ wird dann in der Kampstraße 34 das neue Autismus-Therapiezentrum Süd-Ost Niedersachsen seiner Bestimmung übergeben. Offiziell wohlgemerkt, denn wie die Leiterin der neuen Abteilung, Ilona Fuchs, gegenüber dem „Beobachter“ einräumte, würden die ersten Klienten schon seit einigen Monaten in dem neuen Zentrum betreut, therapiert und gefördert.
„Damit“, so freute sich Ilona Fuchs, „ist die Lebenshilfe nunmehr in der Lage, all jenen Menschen, bei denen Autismus-Spektrumstörungen diagnostiziert wurden, durch ein auf die Art und Komplexität ihrer Besonderheiten spezialisiertes, umfassendes und flexibles Therapie- und Förderangebot anzubieten.“ Und das in einer im Südosten Niedersachsens zentral gelegenen Einrichtung, die, wie sie nachdrücklich anmerkte, „alters- und wohnortunabhängig allen Betroffenen offen steht.“
Rückblick: Als im Jahre 1988 das US-amerikanische, und mit mehreren Oscars prämierte, Filmdrama „Rain Man“ von Barry Levinson, in dem Dustin Hoffman den autistischen Raymond, der von seinem Bruder Charlie (Tom Cruise) aus einer Klinik auf eine lange Reise durch die USA mitgenommen wird, in die Kinos kam, da rückte der Begriff „Autismus – Leben in einer anderen Welt“ stärker denn je zuvor ins öffentliche Interesse. Das war vor knapp 25 Jahren.
Zwischenzeitlich, so weiß Ilona Fuchs nur zu gut, werden Autismus-Spektrumstörungen immer häufiger diagnostiziert. Nach neuesten bundesweiten Studien dürften von 200 Menschen jeden Alters einer von einer Form des Autismus betroffen sein; von jeweils zehntausend Schülern sind es etwa 15.
Experten machen die steigende Zahl autistischer Schüler in Deutschland vor allem daran fest, dass Kinder heute weit häufiger als früher einen Kindergarten besuchen, in dem mögliche „Auffälligkeiten“ entdeckt werden. Sie verweisen zugleich aber auch auf das teilweise vorgezogene Einschulungsalter, attestieren den Eltern, ihre Kinder aufmerksamer als in der Vergangenheit zu beobachten und stellen letztlich fest, dass sich immer mehr Menschen mit dem Thema „Autismus“ beschäftigen.
Vor diesem Hintergrund, aber auch angesichts weiter steigender Zahlen, fiel es dem Vorstand der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen nicht schwer, zunächst einmal intern die Weichen für die Realisierung des Projektes Autismus-Therapiezentrum Süd-Ost Niedersachsen zu stellen, sich auf den „langen Weg durch die Genehmigungsinstanzen zu machen“, so der 1. Vorsitzende der Lebenshilfe, Hans-Werner Ohlsen, und dann auch die Mitgliedschaft im Bundesverband „Autismus Deutschland“ zu beantragen, um als Fördermitglied anerkannt zu werden.
„Unser ambulant angebotenes Leistungsspektrum erstreckt sich auf die Hilfestellung beim Erkennen von Autismus; es erstreckt sich darüber hinaus auf die Einzel- und Gruppentherapien, auf die Anleitung der Eltern und des sozialen Umfeldes der Betroffenen, auf deren Beratung sowie die Koordination und Kooperation mit dem Umfeld und nicht zuletzt auf die Anleitung, Schulung und Beratung von Bezugspersonen und Inklusionshelfern – beispielsweise auf die der eingesetzten Schulassistenten aus den Reihen des Familienunterstützenden Dienstes“, umriss Autismus-Therapeutin Jeannette Truderung die Bandbreite der Aufgabenstellung.
Das alles mit der Zielsetzung einer größtmöglichen Integration in das soziale Umfeld, also in die Familie, den Kindergarten, die Schule, den Beruf und die Freizeit, der Erweiterung der sozial-kommunikativen Fähigkeiten, der Handlungsspielräume und der Selbstständigkeit, ergänzte sie. „Im Fokus steht dabei die Steigerung der Lebenszufriedenheit durch die Hilfe bei der Identitätsfindung“, sagt Jeannette Truderung, zu deren Klienten bereits jetzt Betroffene aus den Landkreisen Northeim und Goslar zählen.
Jeannette Truderung ist übrigens für den Erstkontakt zuständig. Erreichbar ist sie im Autismus-Therapiezentrum Süd-Ost Niedersachsen in Seesen, Kampstraße 34, Telefon (05381) 4925931.
Die Leiterin der neuen „Lebenshilfe“-Abteilung, Ilona Fuchs, nahm schließlich noch einmal die Gelegenheit wahr, alle interessierten Bürger zu dem „Tag der offenen Tür“ auf das Areal des Therapiezentrums einzuladen – für Sonnabend, 25. August, ab 11 Uhr.