Babys mögen, was er ihnen auftischt

„Was heute getan wird, trägt morgen Frucht“. (Foto: Koch)

Prof.Dr.Claus Hipp begeisterte mit seinem Vortrag beim Stifterfest „Kirche in unserer Zeit“

Seesen (JK). Am Donnerstag fand das nunmehr achte Stifterfest der Stiftung „Kirche in unserer Zeit“ in Seesen statt. Der Festredner war in diesem Jahr der Unternehmer Prof. Dr. Claus Hipp. Dass Tugend nicht lehrbar ist, wusste bekanntlich schon der gute alte Plato. Dass damit aber der Lehrplan für alle, die erzieherisch tätig unterwegs sind, seither trotzdem um ein durch keine kultusministerial zu regelnde Grundaufgabe erschwert ist, war nach dem höchst kundigen Vortrag von Prof. Dr. Claus Hipp auch allen rund 120 Gästen des letzten Stifterfestes einleuchtend. Ein Trost jedoch liegt in der Erkenntnis, dass alle, die sich dieser unverzichtbaren Aufgabe jenseits von PISA stellen, mit gutem Erfolg belohnt werden können.
Zunächst trafen sich die Festgäste gemeinsam mit dem Festredner in der St.-Andreas-Kirche. Dass diese zurzeit zwecks Sanierung der Fassade eingerüstet war, konnte durchaus als passende Kulisse für die an diesem Abend anstehenden Fragen gewertet werden. Denn der gesamte Stifter-Abend stand unter dem Motto der Nachhaltigkeit und der dazu stetig notwendigen Erneuerung. Propst Gleicher widmete seine Andacht, die musikalisch durch den Propstei-Posaunenchor und Propstei-Kantor Andreas Pasemann ausgestaltet war, genau diesem zum Auftrag der Stiftung passenden Thema.
„Kirche muss in Bewegung bleiben – und zwar hin zu den Menschen.“ Oder anders gewendet: Die kostbaren Inhalte der biblischen Überlieferung, die mit Begriffen wie Liebe, Gerechtigkeit und Vergebung in Verbindung gebracht werden, müssen nachhaltig verkündet und gelebt werden. Das aber gehe nur, wenn dies auch tatsächlich geschehe. „Was heute getan wird, trägt morgen Frucht. Was heute unterlassen wird, produziert öde Landschaften in der Zukunft“, so Thomas Gleicher. Die Stiftung habe es sich zur Aufgabe gemacht, durch ihre Tätigkeit diesen Prozess auch in finanziell schwierigen Zeiten auf Dauer zu ermöglichen.
Im Kirchenzentrum nahm Claus Hipp diesen Faden gerne auf. In seinem rund einstündigen Vortrag legte er den Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit im erfolgreichen Wirtschaften und der Orientierung an tragenden Grundwerten durch äußerst eloquente Rhetorik dar. Im Grundsatz orientiere sich sein Unternehmen auch heute noch an tragenden und bewährten Grundsätzen. Prof. Dr. Claus Hipp rief den Gästen zunächst in Erinnerung, dass der christliche Glaube schon sehr früh die Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe allen ins Stammbuch geschrieben hat, die sich auf ein öffentliches Leben bleibend einlassen.
Dies, so Claus Hipp, habe auch heute noch uneingeschränkte Bedeutung – auch im wirtschaftlichen Handeln. Dass später daraus als Kardinal-Tugenden im aufklärerischen Deutschland kaleidoskopartig Begriffe wie „Tapferkeit, Freiheit, Güte und Gerechtigkeit“ abgeleitet wurden, schmälert die ursprüngliche Strahlkraft nicht. Im Gegenteil. Sie machen unter säkularisierten Bedingungen nur deutlich, dass sie nach wie vor unverzichtbar sind.
Alle Philosophie ist Schall und Rauch, wenn sie nicht mit Fleisch und Blut gefüllt wird. Prof. Dr. Claus Hipp hat diesbezüglich seine Hausaufgaben nachhaltig erledigt. Für sein Unternehmen hat er mit seinen Mitarbeitenden eine „Ethik-Charta“ aufgestellt, die ihm die Nachhaltigkeit seines Wirtschaftens für die kommenden Jahre sichern dürfte. Ganz obenan steht dabei die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Und noch ein Erfolgsgeheimnis lüftete der Festredner: Die Ehrlichkeit im Umgang miteinander vermeidet das, was manche Firma an den Ruin der Kooperation treiben kann: die zermürbende Diskussion um Gehalt, Spesen und angemessen Motorisierung. Die Arbeitszufriedenheit hängt letztendlich davon ab, ob die Mitarbeitenden sich gerecht wahrgenommen fühlen.
Nach dem Vortrag gab der Festredner die Bühne frei für Nachfragen aus dem Publikum. Zunächst bestand Skepsis darüber, ob auch andere Global-Player und auch deutsche Firmen aktuell nach ähnlich traditionsbezogenen Prinzipien handeln würden. Prof. Hipp konnte beruhigen. Nach seiner Kenntnis würde eine deutliche Mehrzahl deutscher Unternehmen den Schatz bewährter Traditionen zu schätzen wissen. Dem entsprach auch die Randbemerkung des Festredners, dass derzeit die Hörsäle, in denen Wirtschafts-Ethik doziert wird, einen deutlichen Hörer-Zuwachs erfahren.
Nach weiteren Rückfragen resümierte der Festredner, der seinerzeit über russisches Handelsrecht promoviert hatte, dass aus seiner Sicht der Atheismus leider unweigerlich dazu führt, dass Menschen letztendlich auf Kosten ihrer Mitmenschen leben. Oder anders ausgedrückt: Als Schutz-Zaun für eine vitale und nachhaltig zukunftsfähige Gesellschaft hat die christliche Tradition biblische Grundregeln aufgestellt, die den Einzelnen in die Gesellschaft einbettet, und nicht an dessen Kopfende platziert.
Damit hatte Prof. Dr. Claus Hipp den Nagel auf den Kopf – nicht nur der EU-Kommissare – getroffen. Während diese, flankiert durch weitere nationale Reglementierungen, ihre ganz Kraft daran setzten, alles (auch) wirtschaftliche Leben im Detail bis zur Undurchführbarkeit zu reglementieren, wäre bestimmt nicht nur die deutsche Wirtschaft sehr froh, wenn die Reglements eher wieder wie zu Moses Zeiten auf die schmale Zahl von 10 Handlungsgrundsätzen herabgeschmolzen werden könnte.