Bärenhatz und Adlerschuss

Am Sonntagvormittag zog es weit mehr als Hundert Zuschauer auf die Wiese am Stadtwall vis à vis Schloss­park. Auf dem Terrain hatten sich die Schutten versammelt, um vor den Augen von Herzog Otto dem Einäugigen und dessen liebreizender Gemahlin zu Pfeil und Bogen zu greifen und beim Adlerschießen den „Bestmann“ zu ermitteln. Wenn auch nicht jeder Schuss gleich ins Schwarze traf, so zeigte sich der Herzog mit den Schießkünsten seiner Truppe zufrieden. Er knauserte denn auch nicht mit Lob – und ebenfalls nicht mit den begehrten „Göttinger Silberlingen“.
Lange währte die Freude allerdings nicht, hatte doch eine Schar eifriger Beerensammler Meister Petz im Wald erspäht; möglicherweise gar jenen Bären, der erst wenige Tage zuvor mit einem Tatzenhieb einem alten Mütterlein den Tod brachte.
Also machten sich die Schutten – anfangs verständlicherweise recht zögerlich – auf und kehrten mit dem erlegten Bären zurück. Nur ein jämmerlich anzusehener Verletzter war zu beklagen. Auch hier zeigte sich die Herzogin großzügig und entlohnte Amtmann Pfeil und den Schützenvogt stellvertretend für die tapferen Mannen.