Bauern sorgen sich um die Qualität der Ernte

Unbeständiges Wetter hat die Getreideernte ins Stocken gebracht. Seit dem vorläufigen Ende der sommerlichen Hitzewelle sind die Mähdrescharbeiten kaum noch vorangekommen. Lediglich kurze Aufheiterungen konnten für die Fortsetzung der Ernte genutzt werden, doch die Arbeiten werden immer wieder durch Regenfälle unterbrochen. Oft konnte das Korn nicht mehr trocken geerntet werden und erforderte eine kostenaufwendige Nachtrocknung.
Bisher wurde deshalb nur die Wintergerstenernte ganz und die Rapsernte zum größten Teil abgeschlossen, während Roggen- und vor allem die Weizenernte gerade erst begonnen haben. Bisherige Ergebnisse brachten auf den schwächeren Standorten bei der Gerste noch verhältnismäßig geringe, bei den anderen Getreidearten jedoch teilweise erhebliche Ertragseinbußen als Folge der Trockenheit. Auf den guten Böden Südniedersachsens sind die Erträge dagegen besser als zunächst befürchtet. Dennoch hat auch hier die Trockenheit zu einem erheblichen Anteil Kümmerkorn geführt. Der anschließende Regen war zwar für Mais, Rüben, Kartoffeln und Grünland willkommen, die Bauern hoffen jetzt jedoch auf ein paar Tage sonniges Erntewetter. Im südlichen Niedersachsen wären bis zum Abschluss der Ernte noch zwei Wochen nötig. Bei weiter anhaltenden Niederschlägen befürchten die Bauern Einbußen bei der Qualität, die bisher noch in Ordnung ist. Bereits jetzt werden die Weizenbestände zunehmend von Schwärzepilzen befallen. Vor allem sorgen sich die Bauern aber, dass die Körner durch das Regenwetter bereits in Keimstimmung kommen könnten und dann nur noch als Futtergetreide mit geringeren Preisen zu verwerten wären.
Prognosen einer kleineren Getreideernte haben inzwischen den Preisen einen kräftigen Schub nach oben gegeben. Verstärkt wurde die Tendenz durch den russischen Exportstopp für Getreide; dies hat an den Warenterminbörsen zu einer regelrechten Kaufpanik geführt. Aber auch die von der Trockenheit verursachte Futterknappheit der Grünlandbetriebe könnte für einen zusätzlichen Anstieg der Nachfrage sorgen. Für Backweizen erzielen die Bauern zurzeit um 180 Euro je Tonne. Das ist ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr, als Weizen gut 110 Euro je Tonne kostete. Auch Roggen und Gerste sind knapp und gefragt, sie notieren um 170 Euro pro Tonne. Nach dem rasanten Preisanstieg der vergangenen Wochen scheinen sich die Erzeugerpreise jetzt auf dem hohen Niveau zu beruhigen.
Viele Bauern überlegen deshalb, ob sich eine Einlagerung des Getreides in Erwartung noch höherer Preise lohnt oder ob zumindest Teilmengen bereits jetzt verkauft werden sollten, um die derzeit deutlich höheren Erlöse als im vergangenen Jahr auszunutzen.