„Behalten einen edlen Menschen in Erinnerung“

SPD-Ortsvereinsvorsitzende Michaela Meyer und Stellvertreter Michael Conzen legten am gestrigen Sonntag am Jasper-Gedenkstein einen Kranz nieder. Foto: Knoblich (Foto: Knoblich)
 

Mitglieder der SPD Seesen gedenken des ehemaligen Regierungschefs des Landes Braunschweig, Dr. Heinrich Jasper

Von Karsten Knoblich
Seesen

Auch in diesem Jahr war eine Abordnung Seesener Sozialdemokraten auf dem „Jasperplatz“ zusammengekommen, um des ehemaligen Regierungschefs des Landes Braunschweig, Dr. Heinrich Jasper, zu gedenken und an dem Gedenkstein ein Blumengebinde niederzulegen. Die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Michaela Meyer, erinnerte mit Jasper an einen Mann, der am 19. Februar des Jahres 1945 völlig entkräftet im Konzentrationslager Bergen-Belsen verstarb und der damit das Schicksal tausender Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten teilte. Am gestrigen Sonntag jährte sich sein Todestag somit zum 67. Mal.
Auch Dr. Heinrich Jasper gehörte zu den geschundenen und gequälten Menschen, für die die Befreiung durch die Alliierten zu spät kam. Michaela Meyer ließ noch einmal die wichtigsten Stationen seines Lebens Revue passieren. Geboren wurde Jasper am 21. August des Jahres 1875 in Dingelbe im Kreis Hildesheim als Sohn vermögender Eltern. Der Vater besaß in Bornhausen einen großen Wirtschaftsbetrieb. Schon recht früh verließ er sein Elternhaus. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Hildesheim schloss er das sich anschließende Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in München, Leipzig und Berlin ab. Bereits im Alter von 25 Jahren promovierte er und legte die große juristische Staatsprüfung ab. 1901 ließ er sich in Braunschweig als Rechtsanwalt nieder. „Sein besonderes Anliegen war der Aufbau von Wohlfahrts- und Fürsorgeeinrichtungen“, so Michaela Meyer. Der verstorbene Vater hatte Heinrich Jasper ein beträchtliches Vermögen hinterlassen. Dadurch sei er finanziell in die Lage versetzt worden, sich derer anzunehmen, die sich wirtschaftlich und sozial in Not befanden. Dieses Engagement habe ihn dann auch zu den Sozialdemokraten geführt. Bereits im Jahr 1903 sei er als sozialdemokratischer Abgeordneter in das Stadtverordnetenparlament gewählt worden.
Nach dem Ersten Weltkrieg, so die SPD-Ortsvereinsvorsitzende weiter, war Heinrich Jasper von Januar 1919 bis 1920 Mitglied der Nationalversammlung und wirkte an der Weimarer Verfassung mit. Am 10. Februar 1919 wurde er einstimmig zum Präsidenten der Landesversammlung gewählt. Jasper blieb von 1919 bis 1933 Abgeordneter des Braunschweigischen Landtages. In den Jahren 1919/1920, 1922 bis 1924 und schließlich 1927 bis 1930 war Jasper Ministerpräsident des Freistaates Braunschweig, fast immer war er dabei auch gleichzeitig Finanzminister des Landes. Von 1930 bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten in Braunschweig war Jasper zudem SPD-Fraktionsvorsitzender im Landtag.
„Dann nahm auch für ihn der Schrecken des Nationalsozialismus seinen grausamen Verlauf“, erinnerte Michaela Meyer. Im März 1933 sei Jasper verhaftet, gefoltert und im Kreisgefängnis „Rennelberg“ in sogenannte „Schutzhaft“ genommen worden. Trotz schwerer Misshandlungen habe er die Unterschrift für den Mandatsverzicht verweigert.
Gefängnis und das Konzentrationslager Dachau folgten. Erneut verhaftet wurde Jasper dann im August 1944 – wie übrigens fast alle sozialdemokratischen Funktionäre, die noch in Freiheit waren. Als Vorwand diente das Attentat auf Adolf Hitler. Er kam zunächst in das KZ Sachsenhausen und dann in das KZ Bergen-Belsen, wo er am 19. Februar verstarb. Michaela Meyer abschließend: „Damit ging das Leben eines Staatsmannes von umfangreichem Wissen und seiner unbestechlichen Persönlichkeit unter großen Qualen zu Ende. Wir behalten einen tapferen Sozialdemokraten und einen edlen Menschen in Erinnerung.“