Betrunkener (46) droht mit Selbstmord

Angriff auf Polizisten / Richter stellt Verfahren wegen geringer Schuld ein

Ein 46-jähriger gebürtiger Seesener musste sich gestern vor dem Amtsgericht verantworten. Der Hartz IV-Empfänger wurde beschuldigt, im März des letzten Jahres in Seesen Widerstand gegen einen Polizisten geleistet zu haben. Strafrichter Frank Rüger stellte das Verfahren letztlich wegen geringer Schuld ein.
Am Tag des Angriffes auf den Beamten der Seesener Polizei hatte der Angeklagte ordentlich gebechert. Nachdem er einige Biere und etwa eine Flasche Wodka konsumiert hatte, begab sich der Mann, der inzwischen in Braunschweig lebt, in Richtung Kurpark. Auf dem Weg dorthin klingelte er an einer Haustür. Dem verdutzten Mann, der ihm die Tür öffnete, übergab er seine Habseligkeiten inklusive Portemonnaie mit den Worten: „Ich brauche diese Sachen nicht mehr. Ich gehe jetzt in den Kurpark und ertränke mich.“
Der Hausbewohner meldete diesen Vorfall unverzüglich der Polizei. Nachdem ein Seesener Polizeikommissar im Kurpark eintraf, entdeckte er den Betrunkenen, der regungslos auf dem Boden lag. Der Beamte forderte einen Krankenwagen an.
Der Polizist leuchtete dem Schlafenden mit einer Taschenlampe in die Augen, worauf dieser erschrocken erwachte. Die eingetroffenen Sanitäter diagnostizierten einen Krampf, und sahen keine Veranlassung, ihn ins Krankenhaus zu transportieren. Der Polizist bewertete die Situation jedoch anders. Da der stark angetrunkene Seesener mehrfach sagte, sich töten zu wollen, und den Polizisten in diesem Zusammenhang auch beleidigte, fasste der Gesetzeshüter den Entschluss, den 46-Jährigen mit aufs Revier zu nehmen. In der Polizeistation spitzte sich die Lage zu.
Im Untersuchungsraum erhob sich der Angeklagte mit geballten Fäusten von seinem Stuhl. Der eingeschüchterte Beamte reagierte sofort und ohrfeigte den Unruhestifter. Der 46-Jährige versuchte zu flüchten. Dem Polizeikommissar gelang es aber die Flucht zu vereiteln.
Danach leistete der Angeklagte keinen Widerstand mehr, machte einen freiwilligen Alkoholtest, der einen Wert von 2,26 Promille ergab, und wurde anschließend ins Krankenhaus gebracht. Vor dem Abtransport entschuldigte er sich aber noch für sein Verhalten.
Am Ende der Verhandlung stellte Rüger das Verfahren ein. Er begründete diesen Entschluss zum einen mit der verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten zum Zeitpunkt der Tat, und zum anderen wertete der Richter das Verhalten als „Ausrutscher“. Die Tatsache, dass sich der 46-Jährige bereits kurz nach seinem Angriff bei dem Polizisten entschuldigte, wertete Rüger ebenfalls als schuldmindernd. Der Angeklagte konnte keine Angaben zu der Tat machen.