Beziehungskrieg vor der Ehe

Der gekränkte Major von Tellheim.

Kulturwerk MSH Schauspiel Lutherstadt Eisleben brachte „Minna von Barnhelm“ nach Seesen

„Ich bin Tellheim, der in seiner Würde gekränkte.” Unehrenhaft wurde Major von Tellheim (Andreas Klopp) aus der preußischen Armee entlassen, die ihm Korruption vorwirft. Mittellos kommt er aus dem Krieg zurück, in seiner Ehre verletzt und von Selbstmitleid geplagt.

Den Briefkontakt zu seiner Verlobten Minna von Barnhelm (Yvonne Döring) hat er auf Grund seiner finanziellen Lage abgebrochen. Und nun sitzt er da, auf der Bühne in der Aula des Seesener Schulzentrums, die einen Berliner Gasthof darstellen soll, und wartet auf seinen Prozess. Am Dienstag war das Kulturwerk Mansfeld-Südharz (MSH) Schauspiel Lutherstadt Eisleben mit einem Klassiker zu Gast in Seesen. Oberspielleiterin Martina Bode hat Gotthold Ephraim Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“ inszeniert – eines der meist gespielten Werke an deutschen Theatern.
Neben dem ernsten politischen Hintergrund des Werkes, dessen Handlung nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) spielt, gelang es den Schauspielern durchaus einen von Humor geprägten Beziehungskrieg vor der Ehe zwischen Minna von Barnhelm und Major von Tellheim auf die Bühne zu bringen. Yvonne Döring verkörperte eine Minna der heutigen Zeit – mit viel Witz und Gerissenheit. Die Sprache war alles andere als alltäglich. Anfangs doch etwas gewöhnungsbedürftig aber keinesfalls unverständlich, trug sie ihren Teil zur Eindringlichkeit der Inszenierung bei.
Für viele komische Situationen, die das Stück wahrhaftig zum Lustspiel machten, sorgte Kammerzofe Franziska (Michaela Dazian). Sie brachte das Publikum des Öfteren mit ihrer heiteren und aufgeweckten Art zum lachen. Aber auch Charaktere wie der Wirt (Patrick Oliver Schulz) oder der Bediente Just (Christopher Wartig) bestachen durch ihre Lebendigkeit. Für weitere Auflockerung sorgte die von Sebastian Undisz eigens für die Inszenierung komponierte Musik.
Der Charme der sächsischen Minna war erfrischend. Das ewige Gequengel von Major von Tellheim lächerlich. „Minna von Barnhelm“, inszeniert vom Kulturwerk MSH, bestach nicht nur durch Komik und Scharfsinn sondern regte in einer heutigen kriegerischen Zeit auch hier und da zum Nachdenken an.