BI „Pro Erdkabel“ fordert Moratorium des ROV

Auch keine Tabus bei der Erneuerung der Stromnetze

Seesen / Bad Gandersheim (bo). Nach der Atomkatastrophe und den apokalyptischen Bildern aus Japan zeigt sich, dass die „Brückentechnologie Atomkraft“ ein Restrisiko beinhaltet, das offensichtlich nicht beherrschbar ist. Um die Abhängigkeit von der Atomenergie zu reduzieren, gilt es, neben dem Ausstieg aus der Nuklear-Technologie insbesondere die Erneuerbaren Energien sehr zügig weiter auszubauen.
Gleichzeitig müsse dafür auch ein differenziertes Stromnetz aufgebaut werden, das nicht nur auf große Fernübertragungsleitungen setzt, sondern auch die vielen dezentralen Anlagen (Wind, Biogas und Fotovoltaik) sinnvoll vernetzt, fordert die Bürgerinitiative Pro Erdkabel. Bekanntlich erzeugen Windkraftanlagen umweltfreundlichen Strom, der ins Landesinnere zu den Verbrauchszentren Rhein-Main und Süddeutschland transportiert werden muss.
Umweltverträglich produzierter Strom brauche auch umweltfreundliche Übertragungstechnik. Hier biete sich die Gleichstromtechnik auch in der Höchstspannung (HGÜ) an, so BI-Pressesprecher Peter Gosslar. Zu den wichtigsten Vorteilen zählten, dass kaum Spannungsverluste, keine Wärmeentwicklung und keine elektromagnetischen Felder auftreten. Als isolierte Technik könne sie sogar Spannungsschwankungen des Wechselstromnetzes ausgleichen und auch bei Stromausfall sofort helfend einspringen. Vorteilhaft erweise sich weiterhin, dass eine in der Erde verlegte Stromleitung viel besser vor äußeren Einflüssen (Eisregen und Orkanwinde) geschützt ist als eine Freileitung. Damit werde auch eine wesentlich höhere Versorgungssicherheit der Bevölkerung erreicht.
„Als Gleichstrom-Erdkabel kann die Leitung schnell gebaut werden, da hier die Akzeptanz in der Bevölkerung am größten ist. Die Mehrkosten sind tragbar, besonders weil es jetzt gilt, schnell zu sein, und man es sich nicht leisten kann, lange juristische Prozesse abzuwarten, mit denen bei derzeitiger Rechtslage in unserem demokratischen Gemeinwesen zu rechnen ist,“ meinte Peter Gosslar. Daher lautet die wiederholte Forderung der BI: Aussetzung des derzeit laufenden ROV, bis eine komplette Erdverkabelungsvariante in HGÜ zur Beurteilung bei der Behörde eingereicht ist. Es bleibt abzuwarten, wie es um das Dialogverhalten der Landesregierungen auf den Ende des Monats beginnenden Erörterungsterminen bestellt ist. „Wir sind sehr gespannt, wie flexibel Politik und Behörden die neue Ausgangssituation berücksichtigt haben und wie offen sie sich gegenüber den Bürgerinteressen erweisen werden,“ fragt man sich in der Bürgerinitiative.