Bilder zum Hören

Das Braunschweiger Staatsorchester war in der vergangenen Woche erneut zu Gast im Jacobson-Gymnasium.
 
Die Moderation des Konzertes hatten die Schülerinnen und Schüler selbst übernommen.

Schülerkonzert des Staatsorchesters Braunschweig in der Aula des Schulzentrums

Auch in diesem Jahr war das Staatsorchester Braunschweig nach Ende der Weihnachtsferien wieder mit einem Werkstattkonzert, dem mittlerweile fünften seiner Art, zu Gast beim Jacobson-Gymnasium – dieses Mal mit dem sicherlich bekanntesten Werk des russischen Komponisten Modest Mussorgsky, seinen „Bildern einer Ausstellung“ in der Orchesterfassung von Maurice Ravel.
Eines aber war anders als in den Vorjahren. An die Stelle des kurzfristig verhinderten Orchesterdirektors Martin Weller als Moderator trat – Glück im Unglück – dieses Mal eine Gruppe von insgesamt sieben Schülern des Jacobson-Gymnasiums, denn Schulleiter und Musiklehrer Stefan Bungert hatte die Veranstaltung in Kooperation mit der Konzertpädagogin des Staatsorchesters langfristig in seinem Oberstufenkurs vorbereiten können.
Dazu gehörte nicht nur die Besprechung des Werkes im Unterricht, sondern vor allem die Erarbeitung von Hörhilfen für das Auditorium, das sich dieses Mal aus den Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 11 des Gymnasiums zusammensetzte. Diese Hörhilfen bestanden in einer kleinen Ausstellung zu Mussorgskys Werk, einem Programmheft, das über den Entstehungszusammenhang aufklärte und kurze Erläuterungen zu den in Musik gesetzten Bildern bot sowie vor allem auch der bildgestützten Einführung in das Musikstück vor seiner Aufführung. Letzteres war eine schwierige Aufgabe, ging es doch darum, den überwiegend im Umgang mit Konzertsaalmusik unerfahrenen Mitschülern zu verdeutlichen, was sich der Hörer vor seinem inneren Auge zur erklingenden Musik vorstellen könnte – und dies vor dem Hintergrund, dass von den zehn Bildern des Malers und Mussorgsky-Freundes Viktor Hartmann, auf die sich der Komponist in seinem Zyklus bezieht, die Hälfte verschollen ist. Diese Aufgabe meisterten die sieben Schülerinnen und Schüler in Zusammenarbeit mit dem Orchester, das gemäß den Vorgaben der Schüler „live“ die passenden Hörbeispiele beisteuerte, derart professionell, dass die Zuhörerschaft vor lauter gespannter Konzentration sogar das Applaudieren vergaß. Das Moderatorenteam hingegen dürfte, obwohl es ihm nicht einen Augenblick lang anzumerken war, doch recht aufgeregt gewesen sein, wenngleich es am Vortag sogar die Gelegenheit hatte, seinen Auftritt auf der Probebühne des Staatstheaters Braunschweig gemeinsam mit dem Orchester einzustudieren.
Selbstredend sorgten die sehr farbigen, zum Teil auch gemäßigt-modernen Klänge des gewohnt souverän agierenden Staatsorchesters, das dieses Mal von Christopher Hein dirigiert wurde, hier und da auch für Erheiterung und Gesprächsstoff unter der jungen Zuhörerschaft. Insgesamt schienen die meisten Schüler aber recht beeindruckt von den gewaltigen klanglichen Dimensionen, die das von Mussorgsky eigentlich für Klavier gedachte Werk in der Orchesterfassung von Maurice Ravel erhielt.
Viele Details bekamen aufgrund der schier unerschöpflichen klanglichen Palette des spätromantischen Orchesterapparates inklusive solch ungewöhnlicher Instrumente wie Kontrafagott, Bassklarinette, Celesta, Röhrenglocken und großem Gong doch wesentlich schärfere Konturen als in der Klavierfassung. Hilfreich wäre es allerdings gewesen, wenn man diese den anwesenden Schülern auch außerhalb des musikalischen Zusammenhanges hätte vorführen können.
Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Denn alle Seiten, sowohl die Schule mit ihrem Förderverein, der das Konzert wiederum finanziell unterstützt hat, und der Trägerverein von „Konzerte an St. Andreas“ in Seesen als auch die Braunschweiger, sind sich darin einig, dass sie die erfolgreiche Kooperation weiter ausbauen möchten.