„Bleiben Sie, wo Sie sind!“

Annika Gleis (Hygienebeauftragte Rettungsdienst Lk GS), Dr. Jutta Dlubis-Dach (Amts- und Fachärztin Gesundheitsamt SZ-GS), Hedda Kempe (Hygienefachkraft Asklepios Harzkliniken),Frau Mittendorf-Oberbeck (Hygienefachkraft Asklepios Kliniken Schildautal), Prof. Dr. Jörn Heine (Ärztl. Direktor Asklepios Harzkliniken GS), Karen Scholze (Fachärztin Hygieneteam Asklepios Kliniken Schildautal), Dr. Steffen (Ärztl. Leiter Rettungsdienst Lk GS) Prof. Dr. Jan R. Ortlepp (Ärztl. Direktor Asklepios Kliniken Schildautal)

Der Landkreis Goslar bereitet sich für Patienten mit Ebolaverdacht vor

Für Patienten mit ansteckendem mit inneren Blutungen einhergehendem Fieber zu dem auch die Erkrankung an Ebola zählt, gibt es in Deutschland bereits spezielle Behandlungszentren, unter anderem in Hamburg, Leipzig, Berlin und Frankfurt.
Auch wenn es extrem unwahrscheinlich ist, dass der Landkreis Goslar mit Menschen mit Ebola konfrontiert wird, so ist er doch für Verdachtsfälle gut vorbereitet. Aktuell als von Ebola betroffene Gebiete gelten Kongo, Guinea, Sierra Leone und Liberia. Wer aus diesen Ländern kommt und innerhalb von 21 Tagen Fieber über 38,5 Grad Celsius entwickelt oder aber bei nur leicht erhöhter Temperatur Ebola-Symptome wie Durchfall, Erbrechen oder Blutungen aufweist gilt als Verdachtsfall.

In der vergangenen Woche trafen sich die Leitungen und Hygieneexperten des Rettungsdienstes, der Krankenhäuser, und des Gesundheitsamtes in den Asklepios Kliniken Schildautal in Seesen.
Verschiedene Szenarien wurden miteinander besprochen. Das Grundprinzip ist das gleiche: Sobald bei jemandem der Verdacht auf Ebola besteht, bleibt er zunächst dort wo er ist. Umgehend muss das Gesundheitsamt informiert werden, so dass geordnet alle erforderlichen weiteren Schritte eingeleitet werden können. Für die gemeinsamen Vorgehensweisen wurden neue Ablaufschemata erstellt.
Wenn sich jemand aus einem Risikoland mit Fieber meldet, so lautet die Anweisung: „Bleiben Sie, wo Sie sind!“ Zur Abklärung des Verdachtes ist eine telefonische Beratung durch das Gesundheitsamt, den Rettungsdienst, den kassenärztlichen Notdienst, oder den Krankenhäusern sinnvoll. Dann überprüfen Fachleute den Verdacht und alle erforderlichen Maßnahmen werden in Zusammenarbeit der Experten unseres Kreises und der übergeordneten Kompetenzzentren abgearbeitet.
Die Expertise für Hygiene ist sowohl bei den Krankenhäusern wie auch beim Rettungsdienst sehr hoch. Dennoch, unter Würdigung der speziellen Situation von Ebola ist der Umgang mit Verdachtsfällen doch gänzlich anders als bei Patienten mit multiresistenten Erregern wie MRSA, MRGN oder bekannten Viruserkrankungen wie HIV, Hepatitis oder Norovirus. Sowohl der Rettungsdienst wie auch die Krankenhäuser sind für den Fall aller Fälle zwar gut gerüstet, dennoch sollten solche Patienten und auch Verdachtsfälle primär in Kompetenzzentren verlegt werden. Auch der Gang in die Arztpraxis oder öffentliche Einrichtungen ist aus infektionsepidemiologischen Überlegungen primär überhaupt nicht sinnvoll.