Blick ins deutsche Kaiserreich

Graf Liudolf von Sachsen, der Herr eines damals großen Gebiets.

Vortrag beim Harzklub Seesen: „Gandersheim und die Ottonen“

Mit einem Powerpoint-Vortrag über das geschichtliche Thema „Gandersheim und die Ottonen“ läutet der Harzklub-Zweigverein Seesen seine neue halbjährige Vortragsserie ein.

Der Leiter vom Bad Gandersheimer „Portal zur Geschichte“, der Kunsthistoriker Thorsten Henke, hält am Donnerstag, 19. September, um 19 Uhr im Bürgerhaus in den Räumen des Harzklubs im zweiten Stock einen Powerpoint-Vortrag zu diesem Thema, das zu den Wurzeln des deutschen Kaisertums zurückgeht.
Thorsten Henke hatte erst im März einen viel betrachteten Vortrag über die starken Frauen des Stiftes Gandersheim gehalten. Dieser neue Vortrag dient auch zu Vertiefung und zur Ergänzung des damals Gehörten. Grad Liudolf von Sachsen war der Herr eines schon damals großen Gebietes mit Brunshausen als Zentrum. Er war im frühen neunten Jahrhundert der Anherr der ottonischen Kaiser. Mit seiner Frau Oda war er zum Papst nach Rom gezogen, um für die von ihnen geplante Neugründung eines Stiftes im nahen Gandersheim Reliquien zu erbitten.
Deren um 875 geborener Sohn Heinrich zeigte sich als kluger Taktiker und erweiterte bald das markgräfliche Stammesherzogtum um Gandersheim mit Gebieten in Westfalen, Ostsachsen und Thüringen. Auch machte er mit manchem klugen Vorschlag in den deutschen Landen auf sich aufmerksam. So war es kein Wunder, dass der regierende Frankenkönig Konrad I. ihn als Gefahr für sich selbst ansah. Obgleich man sich oft zerstritten hatte, schlug ihn Konrad I. kurz vor seinem Tode im Jahre 919 als seinen Nachfolger vor. Die Versammlung der deutschen Landesfürste wählte ihn dann auch zu ihrem König.
Heinrich I. erwies sich als umsichtiger Regent, der dem werdenden deutschen Reich den Weg ebnete. Seine Frau Mathilde war ähnlich religiös wie ihre Schwiegermutter Oda eingestellt und gründete das Stift in Quedlinburg. Überhaupt verlegte König Heinrich I. seinen Lebensmittelpunkt von Gandersheim aus immer mehr in den Osten und schuf auch in Magdeburg dicht an der Grenze zu den Slawen ein großes Kloster, von dem aus weite Gebiete der Slawen christianisiert wurden.
Seinen Sohn Otto bestimmte er als Zweitgeborenen zu seinem Nachfolger, der dann 962 in Rom vom Papst zum deutschen Kaiser gekrönt wurde. Als Kaiser Otto I. erwies er sich genauso fähig wie später sein Sohn Otto II. und Großsohn Otto III. Von diesen Kaisern wird Thorsten Henke sicherlich viel zu erzählen haben. Die Zuhörer werden dabei über so manches Detail überrascht sein.
Alle Ottonenkaiser besuchten Gandersheim oft, wo viele Frauen ihrer Verwandschaft als Äbtissinen eingesetzt waren, und beschenkten das Kloster dabei reichlich. So erhielt es auch durch eine Urkunde vom 7. Juni 974 von Kaiser Otto II. dessen Eigengut Sehusa mit der dazugehörenden Burg.
Als Unkostenbeitrag werden zwei Euro erbeten. Jugendliche haben wie immer freien Eintritt.