„Bomber vom Pandelbach“ dreimal in Niedersachsenauswahl

„Tilly“erinnert sich noch gern an das Bezirkspokalhalbfinale gegen den VfL Seesen: Der TSV Münchehof gewann auf dem alten Sportplatz („Distelecke“) gegen den seinerzeit klaren Favoriten vor einer Riesenkulisse mit 2:0 Toren. Wer die beiden Treffer erzielte? Jürgen Röbbel natürlich. Foto: Jung

Lebende Sportlegenden – heute: Jürgen („Tilly“) Röbbel

Von Gerd Jung, Münchehof

Den Spitznamen „Tilly“ verpasste ihm sein Sportlehrer in der Grundschule. Bereits als 6-jähriger Knabe war er offensichtlich so „angriffslustig“ wie weiland der Oberkommandierende des kaiserlichen Heeres. Nun, die Rede ist vom Münchehöfer Jürgen Röbbel, der bis heute unter diesem Spitznamen bekannt ist – und das nicht nur in Münchehof. „Tilly“ kennt man halt, vor allem in Fußballerkreisen – denn: Das runde Leder dominierte sein Leben und bescherte ihm ungezählte Freunde und Bekannte – auch Ex-Nationalspieler Lothar Matthäus gehört dazu.
Seine „Angriffslust“ lebte Röbbel beim TSV Münchehof – sein Vater, Kurt Röbbel, war in den „Sechzigern“ einige Jahre rühriger Vorsitzender – aus, und davon profitierten die Kicker vom Pandelbach nachhaltig.
„Tilly“ machte sich in der 1. Herren des TSV im Handumdrehen einen Namen als Torjäger, der die Abwehrreihen mit superschnellem Antritt düpierte und es beidfüßig krachen ließ. Aber auch per Kopf war der lange Jürgen überaus erfolgreich. Als „Bomber vom Pandelbach“ verbreitete Röbbel sowohl bei Heim- als auch bei Auswärtsspielen Angst und Schrecken. Die gegnerischen Torhüter konnten davon ein Lied singen. „Ein Schluss­mann des MTV Gittelde“, erinnert sich Röbbel, „verließ das Gehäuse als ich einen Elfmeter ausführen wollte. Er hatte wohl Angst, dass ich ihn abschieße.“ Wie gesagt, „Tillys“ Schussgewalt war weit über die Grenzen Münchehofs hinaus gefürchtet und sorgte auf den Sportplätzen für so manche Kapriolen...
Viele Jahre spielte der TSV in der 1. Kreisklasse, doch immer wieder schrammte das Team knapp am Aufstieg in die Bezirksklasse vorbei – trotz des „Goalgetters“ Jürgen Röbbel. Dann kam die Saison 1964/65 und mit ihr der lang ersehnte Aufstieg in den Bezirk. Es war eine spannende und sehr gut besuchte Punktspielrunde – von den damaligen Zuschauerzahlen können die Vereine heute nur träumen – , die erst auf der Zielgeraden entschieden wurde. Großer Mitbewerber um den Meistertitel war der SC Greene, der aber beim 3:3 in Bornum einen wichtigen Zähler abgab und dann im Revanchespiel gegen den TSV Münchehof richtig vorgeführt wurde: Mit 4:1 hatten die Pandelbacher die Nase vorn – entscheidende Punkte auf dem Weg in die Bezirksklasse. Zwar bekleckerten sich die Münchehöfer gegen den MTV Gittelde (4:3) nicht mit Ruhm, doch in den restlichen Rückrundenspielen lief’s wie ge­­schmiert: Beim SV Harriehausen beispielsweise schlug ein 4:0-Erfolg zu Buche, und der FC Rhüden II wurde gar mit 8:2 in Grund und Boden gespielt. Und immer wieder trug sich „Tilly“ in die Liste der Torschützen des TSV ein – Röbbel: „Ich hatte natürlich tolle Mitspieler, die mich prächtig anspielten, und da hatte dann ich leichtes Spiel“.
Auch im letzten Saisonspiel „röbbelte“ es kräftig: Mit 8:2 gewann Münchehof beim VfL Badenhausen und feierte die Meisterschaft wie einen WM-Titel. Die gesamte Mannschaft ließ die Autos vorsorglich am Sportplatz stehen und steuerte zu vorgerückter Stunde per pedes heimatliche Gefilde an – und das alles andere als nüchtern. Jürgen Röbbel könnte stundenlang über Eskapaden außerhalb des Spielfeldes plaudern; auch die privaten Feten sollen nicht von schlechten Eltern gewesen sein...
Der TSV Münchehof wurde schließlich mit sage und schreibe 173:36 Toren und 56:4 Punkten Meister – „Tillys“ Torbilanz: 66 Treffer; inder Bezirksklasse war’s dann mit dem „Knipsen“ nicht mehr so einfach. Die Mannschaft brachte es in der Saison 1965/66 auf 68 „Buden“.
„Tillys“ besonderes Talent blieb den Fußballfunktionären nicht verborgen: Dreimal stand Jürgen Röbbel, der nach eigenem Bekunden mit den Schiedsrichtern stets gut klar kam und nie „rot“ sah, in der Niedersachsenauswahl, und nicht zuletzt zeigte Bundesligist Eintracht Braunschweig Interesse. Aber: Vater Kurt, seines Zeichens Landwirt, „verhinderte“ eine mögliche Karriere seines Sohnes bei den „Löwen“: „Du bleibst hier, du wirst bei uns im Dorf gebraucht!“ Und „Tilly“ parierte...