Brandschützer proben den Ernstfall

Im Anschluss an die Übung wurde im Feuerwehrhaus Bilanz gezogen – rechts Bilderlahes Ortsbrandmeister Martin C. Milke.
 
Am Herrenhaus der Bilderläher Domäne probten die Einsatzktäfte am vergangenen Wochenende den Ernstfall.

Brand im Herrenhaus der Domäne in Bilderlahe simuliert

Eine Übung führte in der vergangenen Woche die Freiwillige Feuerwehr in Bilderlahe durch. Simuliert wurde ein Brand im Herrenhaus der Domäne in Bilderlahe. Auslöser war ein Holzofen im 2. Stockwerk, dessen ungeplant ausgetretene Funken den vor dem Ofen liegenden Teppichboden in Brand gesetzt hatten. In kürzester Zeit waren das 2. und 3. Stockwerk verraucht. „Die Sicht war so stark eingeschränkt, dass man die Hand vor Augen nicht erkennen konnte“, berichtete ein eingesetzter Atemschutztrupp.

Zur Zeit des Brandausbruchs hielten sich zirka zwei bis vier Personen in diesem Wohnungsbereich auf, davon eine Person eingeklemmt. Das Wetter an diesem Abend war alles andere als angenehm: Regen, nur zirka zehn Grad und ein leichter Windzug, der dem Feuer weiteren Aufwind bescherte. Gemäß der Ausrückeordnung wurden die Feuerwehren Bilderlahe und Seesen zeitgleich alarmiert; etwas später die Ortsfeuerwehr Engelade.
Das Löschgruppenfahrzeug LF 8 der Ortsfeuerwehr Bilderlahe wurde in Position gebracht und der Einsatzbefehl durch den Einsatzleiter Tobias Lühmann erteilt. Anschließend rüsteten sich zwei Trupps mit schwerem Atemschutz aus. Parallel wurde die Wasserversorgung zur Sicherstellung aufgebaut und ein Innenangriff zur Personenrettung begann. So einfach der Anfahrtsweg für die Bilderlaher Wehr war, so schwierig gestaltete sich die Anfahrt der Löschfahrzeuge der Feuerwehr Seesen. Auf Nachfrage bei der Einsatzleitstelle, ob denn die Kirschenallee frei sei, bekamen sie unterschiedliche Auskünfte, so dass zwei Fahrzeuge der Wehr Seesen, die bereits in die Kirschenallee eingebogen waren, wieder umdrehen mussten. „Alles unnötiger Zeitverlust, der durch eine genaue Abstimmung und Bekanntgabe durch die derzeit bestehende Bauleitung des Autobahnbaus eigentlich hätte vermieden werden sollen,“ so Ortsbrandmeister Martin Milke. „Das ist die derzeitige Realität. Heute ist diese Straße gesperrt, morgen steht dort eine Ampel. Das ist nicht befriedigend!“ Nachdem die Fahrzeuge aus Seesen zum einen über den Zubringer und zum anderen über Engelade angefahren waren, wurde durch Tobias Lühmann der Brandmeister vom Dienst aus Seesen, Franz-Peter Knopp, über die Einsatzsituation informiert und entsprechende Einsatztaktiken besprochen.
Die Feuerwehr Seesen positionierte die Drehleiter als zweiten Rettungsweg, das Tanklöschfahrzeug richtete die Wasserversorgung für die Drehleiter her und stellte weitere Atemschutzgeräteträger zur Verfügung, um die Aktiven aus Bilderlahe bei der Personensuche in den Wohnungen zu unterstützen, zu retten und parallel eine weitere Brandbekämpfung vorzunehmen.
Ein zweites Löschfahrzeug aus Seesen stellte eine Wasserversorgung aus einem naheliegenden Hydranten her und stellte ebenfalls AGT-Träger. Der Rüstwagen leuchtete die Einsatzstelle aus und brachte mit einigen Aktiven die Patientenheizung in einem nebenstehenden Gebäude außerhalb des Brandobjektes in Stellung. Die Feuerwehr Engelade stellte eine weitere Wasserentnahmestelle her und suchte mit ihren AGT-Trägern die noch nicht abgesuchten Räume nach Verletzten ab.
Etwas später wurde damit begonnen – in Abstimmung mit den noch im Gebäude befindlichen Atemschutztrupps – mittels eines Hochleistungslüfters und dem entsprechenden Vorgehen der Trupps eine kontrollierte Brandbekämpfung durchzuführen.
Dieses Gebäude ist so verwinkelt und alles besteht aus Fachwerkgebinden, so dass anfangs gleich fünf AGT-Trupps im Einsatz waren, etwas später dann noch einmal drei. Erst nachdem die ersten AGT-Trupps im Gebäude waren, stellten sie fest, dass es sich hierbei um eine Einsatzübung handelte.
Die hierbei gestellten Aufgaben waren allesamt dem im laufenden Jahr 2013 eingeübten SER-Konzept angepasst. So mussten die Feuerwehrleute einen Rauchvorhang setzen, mit dem Schlauchpaket und dem Hohlstrahlrohr in entsprechender Weise in den vermutlich brennenden Wohnungsbereich vorgehen. Ein wesentlicher Punkt stellte die Kommunikation zwischen den Trupps und der Einsatzleitung dar. Hier wurde besonderer Wert auf die festgelegte Kanaltrennung und die Führung durch den Einsatzleiter/Gruppenführer mittels zweier Funkgeräte und der unterschiedlichen Kanäle gelegt.
Ebenso wurde die Drehleiter so positioniert, wie es das Konzept und die Ausbildung vorsehen. Diese führte bei den zu rettenden Personen doch zu einem gewissen Erstaunen, da der Korb der Drehleiter nicht parallel zur Fensterfront stand, sondern bedingt durch die Bauart 45 Grad zur Wand angefahren wurde. Somit können zwar zwei Seiten eines Gebäudes mit nur einem Standort des Fahrzeuges erreicht werden. Nachteil hierbei ist jedoch, dass der Einstieg in den Drehleiterkorb erschwert wird.
Nach Beendigung der Einsatzübung wurden in Bilderlahe alle Aktiven sowie die Gäste Jürgen Ebert, Norbert Stephan und Klaus Kiehne begrüßt. Martin Milke bedanke sich für den geleisteten Einsatz sowie bei den zu rettenden Personen Maren Schiewe-Milke, Janine Mayer und Peter Broszeit. Letzterem wurde zusätzlich für einige zur Verfügung gestellten Gerätschaften gedankt. Ferner bedankte sich Milke auch bei dem Zugführer Stefan Siebers aus Seesen, mit dem er die Einsatzübung vorbereitet hatte. Ferner wurde dem Domänenbesitzer Steffen Endress für das zur Verfügung gestellte „Brandobjekt“ ein besonderer Dank ausgesprochen.
Alles in allem bescheinigten die Gäste, die Beobachter sowie die Einsatzleitenden den Wehren einen guten Ausbildungsstand. Der Erste Stellvertretende Bürgermeister Jürgen Ebert, der sich als Beobachter und zu Rettender innerhalb des Gebäudes befand, stellte fest, dass sich bei einer Neuanschaffung einer Drehleiter durchaus einmal über etwas neuere Technikraffinessen Gedanken gemacht werden sollte, nämlich über einen schwenkbaren Korb. Er bedankte sich im Namen des Bürgermeisters und der Verwaltung für die Einladung und bescheinigte eine interessante und gut funktionierte Einsatzübung.
Alles in allem, so Ortsbrandmeister Martin Milke, konnten die gestellten Aufgaben erfüllt sowie Erkenntnisse für die weitere Ausbildung gesammelt werden.