„Brennetage – Relikte aus grauen Vorzeiten, die abgeschafft gehören“

Leserbrief: Zum Thema „Brennetage“ (Seesener „Beobachter“ vom 5. Oktober) schreibt Franz Johannes Engelke, Rhüden:

Ein wolkenloser blauer Himmel, Sonne satt und eine zauberhafte, vom Herbst bunt verfärbte Landschaft hätten dem sprichwörtlichen „goldenen Oktober“ am vergangenen Dienstag alle Ehre machen können – wohl bemerkt „hätten“. Denn mit Bekanntgabe der sogenannten „Brennetage“ erhielten „kokelbegeisterte“ Mitbürger den alljährlichen Startschuss für die Entsorgung ihres diversen Grünabfalls. So fiel die herbstliche Idylle alsbald dicken Rauchschwaden, die sich wie Nebel über Seesen und die angrenzenden Ortschaften legten, zum Opfer. Wollte man am Morgen die Fenster öffnen, um die frische Herbstluft in die Wohnung hineinzulassen, wurde man stattdessen von einem beißenden Qualm heimgesucht, der eine Geruchsbelästigung allererster Güte darstellt und dazu führte, dass man die Fenster gleich wieder schließen musste. Für mich persönlich kommt diese Tatsache einer Nötigung gleich, denn durch diesen stinkenden Qualm wird mir das Lüften der Wohnung quasi von pyromanisch veranlagten Zeitgenossen unmöglich gemacht, und ich fühle mich dieser Geruchsbelästigung hilflos ausgesetzt.
Bereits in aller Herrgottsfrühe stehen die „Brennetag“-Begeisterten in ihren Gärten und klauben winzige Häufchen noch feuchten Laubes oder Geäst zusammen, um ihrem Zündeldrang nachzugeben, wobei auf Grund der Nässe gar kein richtiges Feuer entstehen kann, sondern lediglich ein Schwelbrand, der die Geruchsbelästigung noch um ein Vielfaches verstärkt.
Zu der Geruchsbelästigung gesellte sich, als ich mit dem Auto von Bornhausen aus in Richtung Seesen unterwegs war, noch eine erhebliche Verkehrsgefährdung hinzu, denn in Höhe der Kleingartenanlage zogen so dichte Rauchschwaden über die Straße, dass man beinahe seinen Vordermann nicht mehr sehen konnte.
In modernen und hochtechnisierten Zeiten stellt sich hier die Frage, wie sinnvoll diese „Brennetage“ eigentlich noch sind? Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich seines Grünabfalls oder Strauchschnitts zu entledigen beziehungsweise diesen zu entsorgen, sei es auf einem Recyclinghof, in der Biotonne oder auf dem altbewährten Komposthaufen. Somit ist die Genehmigung von „Brennetagen“ meiner Meinung nach völlig unnütz und absolut nicht notwendig. Da in den Jahren zuvor bereits des Öfteren Leserbriefe zu diesem Thema im Seesener „Beobachter“ erschienen sind, fände ich es allmählich an der Zeit, dass sich die Verantwortlichen, in deren Ressort die Genehmigung des Verbrennens von Grünabfall fällt, vielleicht doch endlich auch mal dahingehend Gedanken machen, dieses Relikt aus grauer Vorzeit abzuschaffen. Es ist mir ein Rätsel, weshalb diese „Brennetage“ Jahr für Jahr wieder genehmigt werden, noch dazu, wenn allerorts und weltweit vom Umweltschutz die Rede ist.
Vielleicht noch ein kurzer Hinweis an alle „Brennetag“-Fanatiker: In diesen Monaten sind nützliche Kleintiere in den Gärten wieder auf der Suche nach einem Quartier zum Überwintern. Igel, zum Beispiel, würden sich über einen kleinen Laubhaufen als Winterbehausung sehr freuen. Ein Garten, der lebt und sich in einem ökologischen Gleichgewicht befindet, ist ein weitaus erstrebenswerterer und nützlicherer Garten als einer, aus dem jedes noch so kleine Blättchen oder Zweiglein akribisch entfernt und verbrannt worden ist.
Würde man eine Unterschriftensammlung gegen die „Brennetage“ initiieren, bin ich mir sicher, dass sich eine deutliche Tendenz zur Abschaffung dieser heute nicht mehr zeitgemäßen Grünabfallentsorgungsmethode, die überdies mit einer erheblichen Geruchsbelästigung einhergeht, erkennen ließe.