Bürgermeister sucht Dialog mit der Jugend

Homann betonte immer wieder, dass die finanzielle Lage keine großen Sprünge erlaube.
 
Vielversprechender Auftakt und eine interessante Diskussion. Die Jugendsprechstunde soll als neue Dialogplattform etabliert werden.

Vielversprechender Auftakt: Jugendsprechstunde könnte sich dauerhaft etablieren

Vielfältig war der Themenkatalog, der in der ersten Jugendsprechstunde mit Bürgermeister Erik Homann am Dienstag in der Jugendfreizeitstätte besprochen wurde. Homann, der als junger Bürgermeister nach seiner Wahl im Jahr 2011 auch mit dem Versprechen angetreten war, sich um die Bedürfnisse der Seesener Jugend zu kümmern, will mit der Jugendsprechstunde eine neue Dialogplattform etablieren. Unterstützung erhält er dabei von Sozialpädagoge Giovanni Graziano, der in seiner Funktion als Ratsherr der Stadt Goslar, bereits einen ähnlichen Weg in der Kaiserstadt beschritten hat.

Die Erwartungen bezüglich der Resonanz auf das Angebot waren im Vorfeld nicht sonderlich groß. Deshalb war Seesens Verwaltungschef auch besonders erfreut, dass immerhin fünf Jugendliche den Weg in die Jugendfreizeitstätte gefunden hatten um mit ihm zu diskutieren.
Die Absichten der Jugendlichen waren dabei relativ unterschiedlich. Der 17-jährige Gymnasiast Michel Voss meinte beispielsweise „es kann ja nicht schaden, mal zu hören, was der Bürgermeister so zu sagen hat“. Firat Savgat, der zwar nicht mehr wirklich als Jugendlicher gelten kann, nahm an der Sitzung als eine Art Sprachrohr teil. „Da ich mich in der Jugendarbeit engagiere, wurden mir von verschiedenen Stellen einige Themen und Vorschläge mit auf den Weg gegeben. Diese Dinge möchte ich heute ansprechen“. Der 17-jährige Schüler Issa Omeirat sah die Sache ähnlich wie Michel Voss, er wollte den Bürgermeister einmal kennenlernen.
Dem abendlichen Treffen, wohnte auch Kreisjugendpfleger Holger Fenker bei, der neugierig auf das neue Angebot war und sowieso in der Gegend zu tun hatte.
Einleitend erklärte Homann, der den Jugendlichen ganz unkompliziert das „Du“ anbot, die grundsätzlichen Schwierigkeiten, große Projekte für die Jugend umzusetzen. Der finanzielle Spielraum der Stadt lasse einfach keine großen Sprünge zu, jedoch könne mit Einsatz und cleveren Ideen, die wenig kosten, einiges erreicht werden.

Jugendliche bringen gute Ideen in Diskussion ein

Und so zeigte sich auch schnell, dass die Jugendlichen richtig gute Ideen mitbringen, die letztlich auch nicht zu hohe Kosten verursachen dürften. So meinte beispielsweise der 17-jährige Michel Voss, dass es doch sinnvoll wäre am Bahnhof Informationsschilder über das Treiben in der Stadt zu installieren. „Der Bahnhof wird täglich von rund 1.800 Reisenden passiert, da wäre es doch mal einen Versuch wert, auf den Bahnsteigen mit großen Informationstafeln auf die Sehenswürdigkeiten und Feste in der Stadt hinzuweisen“, so Michel Voss.
Erik Homann fand diese Idee Klasse und versprach, Stadtmarketingchef Thorsten Scheerer diesen Vorschlag zu unterbreiten, gab aber gleich noch zu bedenken, dass die Bahnsteige im Zuständigkeitsbereich der Deutschen Bahn liegen, und erst mit den Verantwortlichen abgeklopft werden müsste, ob die Installation von Infotafeln überhaupt möglich ist.
Firat Savgat hatte gleich ein ganzes Bündel an möglichen Maßnahmen im Gepäck. So regte er beispielsweise an, einen so genannten Fußballkäfig in zentraler Lage der Stadt zu installieren, die Sportanlagen am Schulzentrum auch am Nachmittag für Jugendliche zu öffnen oder ein riesiges Schachspielfeld im Steinway Park zu planen. Charmant auch der Vorschlag, die „sehusa wasserwelt“ durch ein großes Außenbecken zu erweitern, das im Sommer als Freibad dienen könnte.
Ebenfalls alles Ideen, die Bürgermeister Homann mit großem Interesse zur Kenntnis nahm, jedoch immer wieder auf die angespannte Haushaltslage der Stadt zu sprechen kommen musste. „Die Angebote für Jugendliche werden im Haushalt unter dem Posten „Freiwillige Leistungen“ geführt. Dieses Geld ist natürlich begrenzt. Zudem ist uns jüngst ein wichtiger Gewerbesteuerzahler ausgefallen. Die fehlenden rund 1,4 Millionen Euro müssen wir nun an anderer Stelle des Haushaltes sparen“, so der Verwaltungschef.
Auf mittelfristige Sicht werde deshalb auch kein Weg an Steuererhöhungen vorbeiführen. „Wenn wir das, was wir unseren Bürgern aktuell bieten beibehalten wollen, müssen wir unsere Einnahmen erhöhen, und das funktioniert letztlich nur über die Erhöhung der Steuern“, sagte der Verwaltungschef.
Homann hatte aber auch einige anschauliche Beispiel dabei, die zeigen sollten, was die Stadt schon heute für die Jugend bereithalte. Aushängeschild dabei ist natürlich die „sehusa wasserwelt“. Die Blockheizkraftwerk und Hallenbad GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt, und wird deshalb auch von ihr subventioniert. So erklärte Homann, dass jeder Besuch des Erlebnisbades von der Stadt mit einem Betrag von rund sechs Euro subventioniert wird. Die „sehusa wasserwelt“ ist also ein Zuschussbetrieb und ein sehr teures Vergnügen.

Seesen leistet sich gute ausgestattete Jugendpflege

Ferner, und da konnte auch Giovanni Graziano nur zustimmen, leistet sich die Stadt eine im Vergleich mit anderen Kommunen, verhältnismäßig üppig ausgestattete Stadtjugendpflege. Im benachbarten Bad Gandersheim beispielsweise ist die Jugendarbeit schon komplett dem Rotstift zum Opfer gefallen.
Im weiteren Verlauf der Sprechstunde wurden noch viele weitere Themen angesprochen. Unter anderem ging es um die Seesener Nacht, Open-Air-Kino vor dem Bürgerhaus oder einen nächtlichen Shuttleservice in umliegende größere Städte.
Aufgrund der positiven Resonanz soll schon bald eine zweite Jugendsprechstunde veranstaltet werden. Dann, so die Überlegungen, soll zu einem festgelegten Thema diskutiert werden. Die Premiere hat dem Bürgermeister und auch den anwesenden Jugendlichen Lust auf mehr gemacht.