Bundesweit sammeln, weltweit helfen

„Für Wärme und Würde“: Der Leiter der Hilfsorganisation mit Sitz in Helmstedt, Ulrich Müller, referierte. (Foto: Poerschke)

„Kleiderstiftung Spangenberg“ stellte sich vor – Abgrenzung gegen unseriöse Geschäftemacher

Seesen (poe). „Wir sammeln bundesweit, um weltweit agieren zu können; bieten als Mitglied im Fachverband FairWertung durch die Einhaltung der ethischen Standards im Umgang mit gebrauchten Textilien höchste Transparenz und Glaubwürdigkeit“. Mit diesen Worten brachte der Leiter der Hilfsorganisation „Spangenberg-Sozial-Werk“, Ulrich Müller, am Dienstagabend im großen Saal des evangelisch-lutherischen Kirchenzentrums die Ziele und Aufgaben der vom „Spangenberg-Sozial-Werk“ gegründeten „Deutschen Kleiderstiftung Spangenberg“ auf den Punkt; die Ziele und Aufgaben einer Organisation, die unter dem Leitgedanken „Für Wärme und Würde“ in ganz Deutschland gebrauchte und neue Bekleidung und Schuhe sammelt, um sie dann – sorgfältig sortiert – an bedürftige Menschen in Deutschland, Ost-Europa und in Übersee zu verteilen.
Müller, der auf Einladung der „Kirchlichen Lettlandhilfe“ in die Harzstadt geeilt war, machte bereits zum Auftakt seines Referates unmissverständlich deutlich, dass sich die in der Republik gehandhabte Praxis der Kleidersammlungen immer wieder einmal in den Schlagzeilen der Printmedien wiederfinden würde. Denn längst, so beklagte er, sei der Altkleidermarkt angesichts von jährlich rund 750.000 Tonnen gebrauchter Textilien und Schuhe ein Millionengeschäft, bei dem auch unseriöse Firmen mitmischen würden. „Solche Geschäftemacher suggerieren Wohltätigkeit, behaupten etwa, Projekte zur Verhinderung und Beseitigung von Armut und Not zu unterstützen, wirtschaften tatsächlich aber in die eigene Tasche“, wusste Müller zu berichten, und ergänzte: „Zur unlauteren Strategie zählt dabei, unter falscher Flagge zu segeln“. So wären denn auch etliche Organisationen unablässig damit beschäftigt, sich von Kleidersammlungen zu distanzieren, für die ihr Name miss­braucht werde.
Die „Deutsche Kleiderstiftung Spangenberg“ nun hätte, wie andere auch, diese Gefahren rechtzeitig erkannt, und entsprechend darauf reagiert. So zählten beispielsweise rund 2500 Kirchengemeinden, kirchliche Werke sowie verschiedene diakonische Einrichtungen zu den Partnern des „Spangenberg-Sozial-Werkes“, würden die Kleider- und Schuhspenden sozusagen „vor der Haustür“ gesammelt, habe man sich wie die anderen rund 100 Vertragspartner des ge­mein­nützigen Verbandes „FairWertung“ verpflichtet, bei der Sammlung und der Vermarktung sozial und umweltverträgliche Standards einzuhalten; Ulrich Müller: „Dazu gehören unter anderem wahrheitsgemäße Angaben über den Zweck und die Verwendung der Kleidersammlungen und die Zusage, die eingesammelte Kleidung ordnungsgemäß zu sortieren und zu vermarkten“.
Sicherlich nicht von ungefähr verwies der Referent im Rahmen seiner Ausführungen gleich mehrfach darauf, dass „angemessene Kleidung das grundlegende Bedürfnis eines jeden Menschen“ sei. Und das bedeute für die „Deutsche Kleiderstiftung Spangenberg“, die eigene Arbeit an diesem selbstverständlichen Anspruch zu orientieren.
So werde die Ware in verschiedene Warengruppen sortiert, um zu garantieren, dass die Empfänger nur die Textilien erhalten, die sie auch wirklich benötigen, stelle man den Kleiderkammern und Sozialkaufhäusern in Deutschland genau die Kleidung zur Verfügung, die vor Ort fehle, führe man die in den Kleiderkammern abgegebenen, aber nicht benötigten Spenden der weiteren diakonischen Verwendung zu, unterstütze man schließlich die Kirchengemeinden und Einrichtungen in den so genannten „sozialen Brennpunkten“ dabei, den dort betreuten Kindern und Familien angemessene Kleidung anzubieten.
Ulrich Müller verschwieg bei dieser Gelegenheit nicht, dass diese Arbeit natürlich finanziert werden müsse; der Referent: „Die Finanzierung dieser Hilfe erfolgt durch Geldspenden und dem Verkauf der Waren, die wir selbst nicht verarbeiten können“. Aber auch dabei würde „peinlich genau darauf geachtet, dass mit diesen Waren kein Missbrauch getrieben werde“.
Was nun die Bandbreite der Hilfe betrifft, so engagiere man sich zum Beispiel in Rumänien und in der russischen Enklave Kalingrad; unterstütze zudem Kleiderkammern und verschiedene soziale Einrichtungen in Bulgarien, Polen, Lettland und Weißrussland; hier übrigens mit dem Schwerpunkt Tschernobyl. Man helfe ferner, und das schnell und unbürokratisch, bei Katastrophen; so wie bei den Überschwemmungen in Polen und in Albanien.
Und man verstehe sich schließlich als ein kompetenter und stets ansprechbarer Partner, wenn es darum gehe, Einrichtungen wie der „Kirchlichen Lettlandhilfe“ mit Rat und Tat unter die Arme zu greifen. Indem beispielsweise die vor Ort gesammelten Kleiderspenden sortiert werden, man das Sortiment bei Bedarf noch aus den eigenen Beständen ergänzt, zu „handlichen“ 50-Kilogramm-Ballen presst und bis zum Transport in die lettische Partnergemeinde Rauna in den Hallen auf dem Betriebsgelände in Helmstedt zwischenlagert.
Der Vorsitzende der „Kirchlichen Lettlandhilfe“, Pastor i.R. Kurt Hoppe, nahm denn auch unmittelbar nach dem Vortrag die Gelegenheit wahr, dem Leiter der Hilfsorganisation für die bisherige Zusammenarbeit Dank zu sagen. Gekoppelt mit der Bitte, der „Lettlandhilfe“ auch künftig beratend und unterstützend zur Seite zu stehen.