Burgwagen erstrahlt dank Bernhard Hasler in neuem Glanz

Matthias Nähring und Bernhard Hasler (von links) arbeiten bis zum letzten Moment an dem Burgwagen.
 
(Foto: Hasler)

Eigentlich wollte der gelernte Gärtner nur den Festumzug ansehen – wenige Wochen und Monate später wurde der Garten zur Werkstatt

Von Sandy Heinzel,
Seesen

Dass mit dem Besuch des Festumzuges beim letztjährigen Sehusafest soviel Arbeit verbunden ist hätte Bernhard Hasler wohl nicht gedacht. Er stand, wie viele andere Besucher auch, in der Jacobsonstraße und freute sich über den großen Umzug durch die gesamte Innenstadt – bis schließlich der Burgwagen, die Sehusa Burg, an ihm vorbeizog. Hasler bemerkte den schlechten Gesamtzustand der nunmehr 30-jährigen rollenden Kulisse und fand: „Das Ding müsste dringend mal restauriert werden!“. Dieser Ausspruch fand Gehör bei Rene Bresselschmitt. Er, selber seit vielen Jahren beim Sehusafest aktiv, motivierte Bernhard Hasler sich an die „Mutter“ des jährlichen Historienfestes zu wenden.
Bereits im Oktober traf sich der engagierte Rhüdener – übrigens gelernter Gärtner – mit Elisabeth Paetz-Kalich. Diese zeigte sich überaus erfreut über die Hilfe und verwies Hasler an den Vorsitzenden der Schutten, Eckhard Pfeil. Im November besichtigten die beiden schließlich den alten Burgwagen. Dieser sollte jedoch das letzte Mal durch Seesens Straßen gerollt sein: Die alten Spanplatten zerbröselten bereits beim bloßen Anblick. Doch was tun? Eigentlich wollte Bernhard Hasler doch helfen. Wollte er auch – und nach diesem Anblick erst recht. Hasler zögerte nicht lange und zückte den Zollstock: „Ein kompletter Neubau muss her“. Er nahm das Projekt unter seine Fittiche. Nach dem Vermessen der einzelnen Bauteile „versüßte“ Hasler sich die Schmuddel-Monate Dezember und Januar mit technischen und künstlerischen Zeichnungen sowie einer ersten Ermittlung der Baukosten.
Nach einem weiteren Treffen mit Elisabeth Paetz-Kalich, bei dem Vorschläge für den Neubau und farbliche Gestaltungsaspekte in die Planung einbezogen wurden, war Ende März das Ende für die alte Burg gekommen. Sie hatte ihren Dienst erfüllt und wurde wieder in ihre Einzelteile zerlegt.
Auf seinem Privatgrundstück in Rhüden begann Bernhard Hasler im April mit den ersten handfesten Arbeiten. Schritt für Schritt entstand das hölzerne Fahrgestell der Burg Sehusa. Langsam nahm das Projekt Formen an und Hasler wurden die Ausmaße bewusst. Die Frage, ob das überhaupt zu schaffen sei stellte sich immer häufiger. Garten und Rasenfläche des Wagenbauers verkam immer mehr als Ersatzteillager und Werkstatt – für den gelernten Gärtner ein echter Graus.
Ende Juli nahmen die Baumaßnahmen langsam überhand und Bernhard Hasler war dankbar, als sich schließlich ein bezahlbarer Unterstand auf dem Gelände der Ardagh Group, ehemals Impress, fand. Gemeinsam mit den Schutten wurde das Grundgerüst wieder auseinandergebaut und in die Lagerhalle transportiert. Doch dann ein Rückschlag, der die Fertigstellung herauszögern sollte: Da Elisabeth Paetz-Kalich noch mit der Gestaltung der neuen Bühne beschäftigt war, konnte sie sich nicht um den Anstrich des neuen Burgwagens persönlich kümmern. Doch der enorme Zeitdruck hatte auch etwas Positives: Es fanden sich die helfenden Hände von Matthias Nähring, der Bernhard Hasler unter die Arme griff und kräftig mitarbeitete. Vom Tatendrang gepackt belegte Bernhard Hasler einen Schnell-Kurs in Kunstmalerei. Das Sehusafest-Urgestein Paetz-Kalich zeigte ihm am Modell der Bühne die wichtigsten Tricks und Kniffe, um den Endanstrich am Burgwagen selbst zu bewältigen.
Auch diese Aufgabe erledigte Hasler mit Bravour. Insgesamt arbeitete er rund 360 Stunden an der fahrbaren Sehusa Burg – 550 Kilometer legte er mit dem Auto zurück, um alle Bauteile zu organisieren – und knapp 1700 Euro kostete der Neubau.