Dagmar Kuhnke hat Kampf gegen die Pfunde gewonnen

Noch vor einem Jahr wog Dagmar Kuhnke über 150 Kilogramm. Sie war nicht mehr in der Lage zu laufen oder Auto zu fahren, ihr Sohn wurde wegen ihres Übergewichts gehänselt.
 
Nun sind es fast 70 Kilogramm weniger – Dagmar Kuhnke ist glücklich. Foto: Kiehne

Seesenerin nimmt fast 70 Kilo ab und will anderen Übergewichtigen Menschen mit ihrem Beispiel Mut machen

Anfang 2011 habe ich zum ersten Mal gedacht: So geht es nicht weiter“, erinnert sich Dagmar Kuhnke. Die 51-jährige Seesenerin konnte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr alleine laufen und Auto fahren. Sie litt unter starken Rückenschmerzen und konnte selbst einfache Hausarbeiten nur im Sitzen erledigen. „Ich habe 153 Kilo gewogen. Mein Sohn wurde in der Schule dafür gehänselt. Da habe ich beschlossen, dass er sich nicht mehr für seine Mutter schämen soll.“
Sie fand heraus, dass sie in der Helios Albert-Schweitzer-Klinik Northeim Hilfe finden könnte. „Vor meinem ersten Termin in der Klinik sollte ich vier Wochen lang ein Essprotokoll führen. Im Gespräch mit dem Arzt und nach vielen Untersuchungen stellte sich dann heraus, dass ein Schlauchmagen mir helfen könnte“, erzählt Dagmar Kuhnke.
Dr. med. Jens Kuhlgatz, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, operierte Frau Kuhnke im August 2011. „Durch die Bildung eines Schlauchmagens wurde das Magenvolumen verkleinert. Bei der Operation wird ein Großteil des Magens entfernt, so dass ein schlauchförmiger Restmagen übrig bleibt. Durch die Operation werden auch hormonproduzierende Zellen, die bei Fettleibigkeit eine wichtige Rolle spielen, entfernt“, erklärt Chefarzt Kuhlgatz sein Vorgehen. Das Magenvolumen wurde dadurch auf 150 bis 200 Milliliter reduziert. Somit kann sie nur geringe Nahrungsmengen zu sich nehmen, was zu der Gewichtsabnahme führte.
„Zehn Tage musste ich nach der Operation in der Klinik bleiben. Schon in dieser Zeit habe ich 15 Kilo verloren“, erinnert sich Dagmar Kuhnke. Danach begann für sie eine schwere Zeit: „Acht Wochen habe ich mich von Brühe und Brei ernährt. Ich hatte zwar Hunger und Appetit, aber das Sättigungsgefühl trat so schnell ein, dass ich kaum etwas essen konnte. Ich habe gelernt langsam zu essen und viel zu trinken. Das fiel mir am Anfang sehr schwer.“
Auch mit den regelmäßigen Sporteinheiten, die ihr Dr. Kuhlgatz empfahl, hatte sie anfangs Schwierigkeiten. „Inzwischen mache ich eigentlich jeden Tag Sport. Ich gehe gerne zum Zirkeltraining, zum Schwimmen oder ich walke mit meiner Nachbarin. Glücklicherweise hat sich meine Haut mit dem Gewichtsverlust von alleine zurückgebildet, sodass ich keine plastische Operation benötige. Heute wiege ich 86 Kilo und mein Sohn ist endlich stolz auf mich“, berichtet sie zufrieden. Frau Kuhnke kommt regelmäßig zu Nachuntersuchungen in die Klinik. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis und freuen uns, dass Frau Kuhnke wieder ein normales Leben führen kann“, sagt Dr. med. Jens Kuhlgatz.
Hintergrund: Das eine oder andere Pfund lässt sich mit einer Diät wieder vertreiben. Sind aber gewisse Grenzen überschritten, entwickelt sich der Kampf gegen das Übergewicht zu einem täglichen Kampf gegen Windmühlen. Zur seelischen Belastung kommen auch körperliche Probleme. Angefangen mit der reinen Last des übermäßigen Gewichts folgen mit der Zeit körperliche Schäden, die die Lebensqualität und die Gesundheit langfristig beeinträchtigen. Es ist nachgewiesen, dass Gewichtsreduktion ab einem bestimmten Punkt nicht mehr ohne professionelle Hilfe möglich ist. Sind konservative Maßnahmen wie Diät oder medikamentöse Unterstützung ausgeschöpft, stehen Operationsverfahren zur Verfügung, die die Aufnahme von Nährstoffen und Kalorien drastisch reduzieren und damit effektiv zu einer Gewichtsreduktion führen können. bo/uk