Das große Schweigen

Auch nach der zweiten Gesprächsrunde zwischen Seesen und Lutter verpasst sich die Verwaltungsspitze einen Maulkorb

Als am Dienstagabend die Verwaltungsausschüsse der Stadt Seesen und der Samtgemeinde Lutter ihre Köpfe zusammensteckten, um zu überlegen, ob und wie man zueinander finden könnte, da wurde am Ende einmal mehr Stillschweigen vereinbart. Stillschweigen gegenüber der Presse, den Medien und überhaupt allen, die wissen wollten, wie es um die Zukunft der beiden Kommunen bestellt ist und ob die Hochzeitspläne am Ende in die Tat umgesetzt werden könnten.
Sowohl Seesens Bürgermeister Erik Homann als auch Lutters Verwaltungschef Peter Kühlewindt hatten sich selbst einen Maulkorb verpasst und waren am gestrigen Mittwoch auf „Beobachter“-Nachfrage auch nicht zu einem Statement bereit, was denn den Inhalt der avisierten Fusionsgespräche betrifft.
Das wiederum lässt einzig Spielraum für Spekulationen oder nicht verifizierte Nachrichten. Ein Umstand, der die Berichterstatter nicht zufriedenstellen kann, denn wo sonst die Öffentlichkeit gern für die eigene Position genutzt wird, herrscht nun auf einmal das große Schweigen. Warum eigentlich? Ein echter Grund ist nicht zu erkennen, denn soviel Geheimniskrämerei ist selten gut.
Peter Kühlewindt beantwortete die Frage nach dem „Warum?“ vor dem Hintergrund, dass in Sachen Gemeindefusion noch überhaupt nichts spruchreif sei. Man habe zwar nichts zu verheimlichen, aber auch noch nichts vorzubringen, was Substanz habe. Jeder habe nach den zwei informellen Gesprächen nun seine Hausaufgaben zu machen, sprich Daten und Zahlen zusammenzuschaffen. Bekanntlich führt die Samtgemeinde Lutter parallel auch Gespräche mit den Gemeinden Liebenburg und Langelsheim. „Und wir können noch überhaupt nicht sagen, wohin die Reise führt“, so Kühlewindt im Gespräch mit unserer Zeitung.
Seesens Bürgermeister Erik Homann erklärte, dass man sich zusammen und auf seine Nachfrage, wie dieses Thema in der Öffentlichkeit denn zu kommunizieren sei, auf ein Stillschweigen geeinigt hätte, und er dieses nicht brechen wolle. „Die meisten Anwesenden waren der Meinung, dass das nur Unruhe bringen würde.“
Erst im Juli sollen nun weitere Gespräche zwischen den beiden Kommunen geführt werden. Und bis dahin wird die Geheimniskrämerei wohl weitergehen, wenngleich bereits in der vergangenen Woche zunächst signalisiert worden war, nach der neuerlichen Sitzung am Dienstagabend erste Details bekannt geben zu wollen. Ein Stil, der merkwürdig anmutet, schließlich steht doch das Wort „Transparenz“ immer vorne an, wenn es darum geht, die Bürger an Prozessen teilhaben zu lassen. Warum das den Protagonisten in diesem Fall so schwer fällt, ist wenig nachvollziehbar.