Das Handwerk hat mit Imageproblemen zu kämpfen

Kreishandwerksmeister Jürgen Wolf leistete Kreisrätin Kathrin Weiher zu Beginn ein wenig „Schützenhilfe“. Der stellvertretende Landrat Horst Brennecke schaut interessiert zu. (Foto: Strache)
 
Bei Goslars Bürgermeisterin Gudrun Pfeiffer passten die beiden Rohrteile zusammen. (Foto: Strache)

Rund 80 Teilnehmer besuchten den 47. Wurstmontag der Kreishandwerkerschaft

Bereits zum 47. Mal hatte die Kreishandwerkerschaft Süd-Ost-Niedersachsen zum traditionellen Wurstmontag geladen. Diesmal traf sich die Kreishandwerkerschaft in den Berufsbildenden Schulen Goslar-Baßgeige/Seesen. Die Kreishandwerkerschaft nutzt das lockere Treffen, um sich bei einem großen Wurst-Büfett auszutauschen und Kontakte zu pflegen.

Von Maximilian Strache

Goslar. Zum obligatorischen „Kräftemessen“ in einer handwerklichen Disziplin hatte Kreishandwerksmeister Jürgen Wolf diesmal Frauke Keck-Pergner, Schulleiterin der BBS, Kreisrätin Kathrin Weiher und Goslars Bürgermeisterin Gudrun Pfeiffer ausgewählt. Die drei Damen, die ihrer Arbeit sonst eher hinter einem Schreibtisch im hübschen Kostüm nachkommen, mussten zunächst in blaue Arbeitskittel schlüpfen. Unter den Augen der fast ausschließlich männlichen Teilnehmer hatte das Trio die Aufgabe, ein Stahlrohr zu zersägen, und zwar so, dass die beiden Stücke am Ende in einem Winkel von 45 Grad zusammenpassen. Obermeister Frank Hasse merkte dazu an, dass es sich dabei um eine Aufgabe handele, die Auszubildende der Innung Sanitär, Heizung und Klima bereits im ersten Lehrjahr fehlerfrei erledigen müssen. Kreisrätin Kathrin Weiher gelang es als Erste, das Stahlrohr in die geforderten Hälften zu zersägen. „Handwerklich“ attestierte Jürgen Wolf den Damen „gute Arbeit“.
Zu Beginn der Veranstaltung ging Jürgen Wolf, nach der Begrüßung der Gäste durch Schulleiterin Keck-Pergner, auf die aktuelle Situation der Handwerkerschaft ein. Wolf dankte einleitend allen Ausbildungsbetrieben, die in den meisten Fällen über den eigenen Bedarf hinausgehend ausbilden. „Jahr für Jahr bilden unsere Betriebe bundesweit rund ein Drittel aller Lehrlinge aus. Für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist es eine Selbstverständlichkeit“, so Wolf. In diesem Zusammenhang lobte der Kreishandwerksmeister vor allem das in Deutschland bestehende „Duale System“, das die Auszubildenden praktisch und theoretisch hervorragend auf den beruflichen Alltag vorbereitet.
Probleme sieht Jürgen Wolf indes beim Image des Handwerks: „Entscheiden sich junge Leute heute für das Handwerk, dann ist das viel zu oft eine Entscheidung aus der Not heraus. Handwerk wird weniger als „Weg zum Erfolg“, sondern „als ein Ausweg“ empfunden. Vor allem dann, wenn aufgrund mangelnder Kenntnisse und Fähigkeiten die Türen zu anderen Berufsbereichen versperrt sind.“
Die Handwerksbetriebe hätten zudem große Schwierigkeiten, Realschulabsolventen für eine Ausbildung zu gewinnen. „Eine Lehre im Handwerk wird von vielen Schulabgängern immer noch als schlechtere Option mit harter körperlicher Arbeit, geringer Bezahlung und geringem sozialen Prestige assoziiert“, sagte Wolf. Und bei Abiturienten und Akademikern löse eine berufliche Zukunft im Handwerk schon gar keine Begeisterung aus.
Aufgrund dieser Probleme forderte Wolf eine zukunftsweisende Weichenstellung, damit die Betriebe der Kreishandwerkerschaft auch künftig auf Fachkräfte in ausreichender Zahl zurückgreifen können.
Doch trotz aller negativen Komponenten, gehe es dem Handwerk in Goslar nicht schlecht. Gegenwärtig sind rund 6200 Mitarbeiter in Betrieben des Handwerks beschäftigt.