„Das ist dramatisch für Seesen!“

Ralf Hipp: „Seesen wird auch ein Gros an Steuereinnahmen verlieren.“
 
Ehepaar Sierck: „Für eine kleine Stadt wie Seesen ist die Schließung ein dramatisches Ereignis! Ganz schlimm ist es für die Heinz-Mitarbeiter. “

Was denken die Menschen über das angekündigte Aus bei Heinz? / Erik Homann will runden Tisch einberufen

Die Nachricht der Schließung des Heinz-Werkes Seesen zum 31. Mai ist eingeschlagen wie die sprichwörtliche „Bombe“ – sie beschäftigt die Menschen in der Region weiterhin intensiv.

Während die Unternehmensspitze sich gegenüber dem „Beobachter“ weitestgehend in Schweigen hüllt – Werkleiter Sven Suhling war für ein Gespräch mit unserer Zeitung auch gestern nicht zu erreichen und lässt sich von einem externen Sprecher des Unternehmens vertreten – hat es im Umfeld vielfältige Reaktionen gegeben. Allein auf der facebook-Seite des „Beobachter“ wurde die Nachricht binnen weniger Stunden intensiv diskutiert.
Auch wenn die Stadt Seesen an dieser Stelle wohl nicht viel bewirken kann, hat Bürgermeister Erik Homann bereits angekündigt, einen runden Tisch einberufen zu wollen. Homann will versuchen, auf die weitere Entwicklung zugunsten der Mitarbeiter und der Stadt Einfluss zu nehmen. Mit dabei sein sollen auch Politiker von Landes- und Bundesebene. Unter anderem will Homann auch Vize-Kanzler Sigmar Gabriel einladen. „Wir dürfen und wollen die betroffenen Mitarbeiter nicht allein lassen und ausloten, welche Möglichkeiten wir haben.“ Außerdem soll es ein Gespräch mit dem Betriebsrat und Landrat Thomas Brych geben. Homann ist bewusst, dass die politisch Verantwortlichen wenig an der strategischen Unternehmensentscheidung von Heinz ändern können, aber man müsse die politische Aufmerksamkeit jetzt auf Seesen lenken. Homann erklärte in diesem Zusammenhang, dass man in der Vergangenheit Rahmenbedingungen für Heinz geschaffen habe, um dem Unter­-nehmen das Arbeiten vor Ort so leicht wie möglich zu machen. „Alles, was wir beeinflussen konnten, haben wir unternommen“, so Homann, der die Entwicklung bei Heinz mit Sorge betrachtet.
Noch steht in den Sternen, wie es mit der Belegschaft weitergeht. Ungeklärt ist natürlich auch, was mit dem riesigen Gebäudekomplex an der Harzstraße passiert.
Der „Beobachter“ hat sich gestern in der Stadt umgehört, um zu erfahren, was die Seesener vom Untergang eines der größten Seesener Arbeitgeber halten.
„Seesen wird durch das Aus bei Heinz immer weiter aussterben“, so lautet der Tenor der Umfrage. Ralf Hipp weist vor allem auf den hohen Steuereinnahmeverlust hin, da so eine große Summe Gewerbesteuern in der Stadtkasse fehlen werden. Einen persönlichen Bezug zur Firma Heinz habe er allerdings nicht. Abgesehen von vielen Zeitarbeitern die die Firma Heinz in der letzten Zeit beschäftigt, werde es viele Arbeitslose geben, die Seesen dann auch verlassen müssten, da es nicht ausreichend Arbeitsplätze gibt.
„Wir haben alles miterlebt, von Anfang an. Schade dass nun auch Heinz dem Ende zugeht“ – Ingrid Heppner ist betrübt über die Schließung des Seesener Traditionsbetriebes. Auch sie ist der Meinung, dass es ein riesiger wirtschaftlicher Verlust für die Stadt ist. So werde es noch mehr Arbeitslosigkeit geben und auch für die jetzigen Auszubildenden sei es bestimmt schwierig, ihre Ausbildung hier fortzuführen.
Das Ehepaar Sierck kennt sich in Seesen nicht sehr gut aus, hat aber trotzdem von der Schließung gehört. „Für eine kleine Stadt wie Seesen ist es immer ein dramatisches Ereignis wenn so ein großes Unternehmen seine Pforten schließt“, erläutert Herr Sierck. Beide sind der Meinung dass die Stadt so immer mehr an Attraktivität verlieren wird, gerade die jüngeren Menschen werden die Stadt nun in noch größeren Zahlen verlassen, denn wieder würden eine Menge Ausbildungsplätze fehlen. Die Befürchtungen könnten in der Tat alsbald real werden.
„Es war schon seit Jahren abzusehen, dass das passieren wird. Ich finde es sehr schade, es ist schließlich ein Traditionsbetrieb für unsere Stadt,“ findet Klaus Scholze. Er merkt an, was das Aus für negative Folgen für die Seesener Wirtschaft haben wird. Eine Menge Einnahmen und Arbeitsplätze gehen dabei verloren.
Larissa Bartels wohnt erst seit einem Monat in Seesen, hat aber schon seit längerem einen Arbeitsplatz in der Stadt. Auch sie weiß über die jetzt offiziellen Pläne der Firma Bescheid. Sie hält das Ende des Seesener Standortes für einen großen Verlust.
Aber nicht nur die Erwachsenen machen sich so ihre Gedanken über die Schließung, auch die Seesener Jugend hat ihre Meinung dazu. Und diese schließt sich den anderen an. Leon Kühn zeigte sich erschrocken über die Nachricht, ebenso sind auch Frank Riemer und Nam Chau alles andere als begeistert. „Das ist sehr schlecht für die Stadt, dann gibt es hier ja noch mehr Arbeitslose und viel weniger Steuereinnahmen.“ 
Alle drei Jacobson-Schüler sind sich sicher, dass Seesen nun noch uninteressanter für andere Firmen oder Menschen werden könnte. Die Stadt werde weiter an jungen Einwohnern verlieren, denn genug interessante und ansprechende Arbeitsplätze gäbe es bei weitem nicht mehr. Aber was kann man nur tun? Auf ein Wirtschaftswunder hoffen? Das wird sicherlich nicht eintreten...