„Das muss aber eine intensive Party gewesen sein!“

Nach Feier mit über drei Promille mittags gegen Ampel gefahren / 40-jährige Seesenerin erhält Geldstrafe

Eine 40-jährige Seesenerin wurde am Mittwoch dieser Woche zu einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro verurteilt. Außerdem wurde ihr für zwölf Monate die Fahrerlaubnis entzogen. Was war geschehen? Am 30. Oktober des vergangenen Jahres, gegen 11.30 Uhr, war die derzeit arbeitslose Steuerfachgehilfin im Anschluss an eine „Gezeitenparty“ eines Motorradclubs in Seesen mit ihrem Seat beim Abbiegen gegen eine Ampel im Kreuzungsbereich der Lautenthalter Straße / Harzstraße gefahren und hatte anschließend ihre Fahrt fortgesetzt. Kurz danach stieß sie wenige hundert Meter in der Bis­marckstraße weiter gegen einen parkenden VWPolo. Sie verließ das Fahrzeug und wurde kurze Zeit später von den alarmierten Polizeibeamten in der Nähe des Unfallortes aufgegriffen. Wie sich herausstellte, stand die 40-Jährige unter erheblichem Alkoholeinfluss. Ein Atemalkoholtest ergab zunächst 3,7 Promille, die im Blut festgestellte Konzentrationsmenge betrug letztendlich 3,01 Promille.
Am Mittwoch nun musste sich die zweifache Mutter wegen Trunkenheit im Straßenverkehr, Unfallflucht und Straßenverkehrsgefährdung vor Gericht verantworten. Aus seiner Verwunderung über den doch recht außergewöhnlichen Vorfall machte Richter Frank Rüger keinen Hehl. Bislang war die Angeklagte noch nicht ein einziges Mal in Erscheinung getreten.
„Das muss aber eine intensive Party gewesen sein, auf der Sie gefeiert haben“, mutmaßte der Richter. Die Angeklagte selbst konnte sich nicht erklären, wie es zu der hohen Promillezahl gekommen sei. Sie sei abends um 22 Uhr zu der Party gefahren und habe zunächst fünf bis sechs Bier getrunken. Danach sei sie auf Cola umgestiegen. Irgendwann habe sie die Erinnerung verloren. Eigentlich habe sie in Seesen bei Bekannten übernachten wollen, warum sie sich dann aber hinters Steuer gesetzt habe, wisse sie nicht mehr.
Dass sie trotz mehr als drei Promille das Auto überhaupt noch führen konnte, erstaunte den Richter außerdem. „Das geht nur, wenn man an Alkohol gewöhnt ist“, erklärte Rüger. Mit Bier allein könne nicht ein solcher Wert erreicht werden. „Für eine Frau ist das schon ein echter Hammer!“ Also müsse auch Hochprozentiges im Spiel gewesen sein. Sie habe trotzdem noch zielgerichtet gehandelt, habe nach dem Zusammenstoß mit der Ampel zurückgesetzt und wollte ihre Fahrt fortsetzen.
Als Zeuge zu demVorfall wurde ein Polizeibeamter des Polizeikommissariats Seesen befragt, der an besagtem 30. Oktober im Einsatz war. Er gab an, dass man der Frau ihren Alkoholkonsum deutlich angemerkt hätte, allerdings habe ihn das Ergebnis beim Pus­ten dann auch sehr überrascht. Er führte aus, dass die Angeklagte auf der Wache den Tränen nahe war und angegeben hatte, dass sie sehr unter Stress stand.“
Die Angeklagte selbst räumte die Tat in vollem Umfang ein und zeigte sich reuig. „Ich bin entsetzt über mich selbst!“ Sie sei froh, dass nicht mehr passiert sei.
Das wurde ihr letztlich beim Urteil auch zugute gehalten, die Staatsanwaltschaft hatte für eine Geldstrafe von 3.000 Euro und dem Führerscheinentzug von zwölf Monaten plädiert. Auch aufgrund der finanziellen Verhältnisse der Frau, die von Hartz IV lebt, fiel das Urteil mit der Geldstrafe von 800 Euro relativ milde aus. Bevor die Frau ihren Führerschein zurückerhält, wird also mindestens ein Jahr vergehen, und die Führerscheinstelle wird außerdem einen MPU-Test verlangen, erklärte Richter Rüger abschließend.