Das Tor für mehr Diakonie weit aufgestoßen

Im Rahmen des Festaktes wurden die Räume gesegnet: Janis Sika (Vorsitzender des Kirchenvorstandes), Edijs Kalins (Pfarrer in Rauna), Propst Didzis Kreicbergs, Erzbischof Janis Vanags (von links).
 
Mit kühnem Schnitt durchtrennen der Erzbischof und Anita Lubuze das Band und machten damit den Weg in die neuen Räume frei.

Altenbegegnungsstätte in Rauna im Rahmen eines Festaktes eingeweiht – Überlegungen für Anschluss-Projekt

Seesen (poe). Wann immer die Sprache auf den 1. Mai des Jahres 2012 kommt, gerät der 1. Vorsitzende der „Kirchlichen Lettlandhilfe“, Pastor i.R. Kurt Hoppe, ins Schwärmen. Und das nicht von ungefähr, geht es doch dann stets um jenen Dienstag vor gut zwei Wochen, an dem in der lettischen Partnerstadt Rauna ein neues Kapitel in der diakonischen Arbeit aufgeschlagen wurde. Sicherlich kein „historischer Tag“, aber ein Tag, der das Leben vieler Menschen in Rauna verändern dürfte.
Unter strahlend blauem Himmel wurde am 1. Mai die neue Altenbegegnungsstätte im Gemeindehaus offiziell eingeweiht. Und das in Anwesenheit einer Vielzahl von Bürgern aus Rauna, des höchsten geistlichen Würdenträgers der evangelischen Kirche in Lettland, Erzbischof Janis Vanags, der Repräsentanten der politischen Gemeinde sowie einer Abordnung der „Kirchlichen Lettlandhilfe“ aus Seesen.
„Es war ein Fest wie aus dem Bilderbuch“, erinnert sich Kurt Hoppe, und meinte damit nicht nur die Rahmenbedingungen, in die die Feierstunde eingebettet war, und in deren Verlauf ein Projekt seiner Bestimmung übergeben wurde. Ein Projekt, welches – wie Erzbischof Vanags gleich mehrfach betonte – „nicht nur Mut, Weitsicht, Entschlossenheit und die Bereitschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen, widerspiegelt, sondern mit dem zugleich auch das Fundament für eine zielführende Entwicklung gelegt wurde“. Für eine Entwicklung, auf die im weiteren Verlauf des Festaktes noch detaillierter eingegangen wurde.
Zunächst jedoch galt es, unmittelbar neben dem Gemeindehaus eine Eiche – seit jeher das lettische Symbol für Stärke – zu pflanzen. Und nur wenig später durchtrennten Erzbischof Janis Vanags und die Vorsitzende der „Stiftung der evangelisch-lutherischen Gemeinde Rauna – Diakonisches Zentrum“, Anita Lubuze, mit einem Schnitt das dunkelviolette Band, das den Gästen bis dahin den Zutritt zu den neuen Räumen verwehrt hatte.
Ob es die Mitglieder des Kirchenvorstandes oder die des Stiftungsrates waren; das geistliche Oberhaupt der lettischen Kirche oder der Propst der Propstei Cesis, Didzis Kreicbergs; die Diakoniebeauftragte der lettischen evangelischen Kirche in Riga oder der Bürgermeister der Gemeinde Rauna, Andres Neimanis – ihnen allen war auf dem ersten Rundgang durch die Altenbegegnungsstätte die Überraschung angesichts des gelungenen Werkes deutlich anzumerken. Zumal die letzten Arbeiten erst am Abend zuvor abgeschlossen werden konnten.
„Wir hatten bis zur letzten Minute alle Hände voll zu tun, um den Zeitplan einzuhalten“, merkte Anita Lubuze an und nahm die Gelegenheit wahr, all denen Dank zu sagen, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten „mit ungebremster Tatkraft in das ehrgeizige Unterfangen einbrachten“. In ein mit Mitteln der EU gefördertes Projekt, dessen Realisierung erst Anfang Dezember vergangenen Jahres in Angriff genommen werden konnte, und zeitlich befristet war.
Helle freundliche Räume, eine geschmackvolle Möblierung, die gezielt auf die Belange der älteren Bürgerinnen und Bürger abgestimmt ist, Bilder, die Motive aus der Harzstadt Seesen zeigen, und eine kleine aber feine Küche: „Die Räume sind nicht mehr wiederzuerkennen“, freute sich auch der Vorsitzende der „Kirchlichen Lettlandhilfe“, Kurt Hoppe. Er überbrachte nicht nur die Grüße und besten Wünsche der „Lettlandhilfe“, sondern sagte darüber hinaus zu, die Menschen in Rauna auf ihrem so erfolgreich eingeschlagenen Weg weiterhin begleiten zu wollen.
Sicher ist: Besonders die Worte von Erzbischof Janis Vanags dürften den Weg für einen Ausbau der diakonischen Arbeit in der Seesener Partnergemeinde nachhaltig geebnet haben. Er, der gemeinsam mit Propst Didzis Kreicbergs und dem Pastor aus Rauna, Edijs Kalins, jeden einzelnen Raum der neuen Begegnungsstätte gesegnet hatte, sparte mit Blick auf die neue Einrichtung nicht mit Lob und Anerkennung. Es habe ihn, so bekannte Vanags, überrascht, dass das Projekt auf eine so positive Resonanz in der Gemeinde stoße, dass es so stark von der Gemeinde getragen werde, und dass sich so viele Menschen mit Rat und Tat in den Dienst der guten Sache gestellt hätten. „Ich denke, dass damit der diakonische Gedanke, und die daraus basierende, uneigennützige Arbeit zum Wohle des Nächsten eine neue Qualität erhält“, so Vanags. Und damit dürfte das Oberhaupt der evangelisch-lutherischen Kirche in Lettland fast schon ein wenig „prophetisch“ in die Zukunft geschaut haben. Denn noch während der Einweihung der Altenbegegnungsstätte wurde bereits ein neben dem Gemeindehaus stehendes Blockhaus sorgfältig begutachtet. Hier könnten, wie es mutig hieß, durchaus drei, vier oder fünf Räume für „Betreutes Wohnen“ ausgewiesen werden. Derzeit „nur“ eine Vision, aber – wie lange noch?