„Demenz ist nicht gleich Demenz“

Prof. Dr. Ortlepp (Ärztlicher Direktor und Chefarzt an den Asklepios Kliniken Schildautal) und Dr. med. Rudolf Brodhun (Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neuropsychiatrie) erläuterten das neurologische Krankheitsbild.

Großes Interesse am Thema der 3. Medizinischen Bürgersprechstunde im Bürgersaal der Stadt Seesen. Demenzerkrankung wird weiter zunehmen - insbesondere die Landkreise Goslar und Osterode sind aufgrund der Altersstruktur dabei besonders betroffen.

In der nunmehr dritten Medizinischen Bürgersprechstunde in Seesen ging es um das Thema Demenz. Professor Dr. Jan R. Ortlepp leitete ins Thema ein. De mens (lateinisch ohne Geist) ist häufig noch ein Tabuthema, dabei wird es immer mehr Menschen an ihrem Lebensende betreffen. Insbesondere bei der vaskulären Demenz gibt es Ansätze zur Prävention, die allerdings nicht erst am Lebensende beginnen darf. Gesunder Lebensstil und insbesondere die gute Kontrolle eines arteriellen Bluthochdruckes sind hier von entscheidender Bedeutung. Der geistige Abbau als Krankheit am Lebensende ist dabei die Kehrseite der immer höheren Lebenserwartung bei uns. So wird erwartetet, dass demnächst mindestens jede dritte Frau im hohen Alter dement werden wird. Im Fokus sollte immer ein möglichst selbstständiges Leben und eine liebevolle pflegerische Versorgung stehen. Dabei stellt die Demenz die Angehörigen vor gewaltige Herausforderungen. Das Leid der Angehörigen kann mitunter größer sein als das der Betroffenen und zu hohe idealisierte Ansprüche sollte man vermeiden. Hier muss mitunter auch früh professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden, obwohl die gesetzlichen Rahmenbedingungen sicherlich nicht jedem Patienten und nicht jeder Familie gerecht wird. Gerade vor dem Hintergrund der Demenzerkrankung wies Professor Ortlepp auf die Wichtigkeit von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht hin. Dieses Thema muss „in guten Tagen“ mit Vertrauten sehr genau besprochen werden und dies kann man nicht delegieren. Während die pflegerische und menschliche Zuwendung bis zum Lebensende enorm wichtig ist, gilt es, individuell festgelegte, einen medizinischen Aktionismus, wie zum Beispiel Ernährungssonden, operative Eingriffe u.a., zu vermeiden. Denn gerade bei schwer dementen Patienten wird dadurch häufig Leid, so unterschiedlich es auch erfahren wird, nicht gemindert.

Dr. Brodhun, Chefarzt der Klinik für Neurologie, hob die unterschiedlichen Formen der Demenz hervor. „Demenz ist nicht gleich Demenz“, erklärte der Chefarzt der Neurologie in den Asklepios Kliniken Schildautal den interessierten Zuhörern im Bürgersaal. Während bei der vaskulären Demenz die Prävention eine Rolle spielt, so gibt es auch eine Veranlagung, welche man nicht beeinflussen kann. Bei der meist schleichend verlaufenden Alzheimer Demenz gibt es einzelne Medikamente, welche die Erkrankung nicht heilen, aber zu einem gewissen Maß die Verschlechterung verlangsamen kann. Er betonte, dass gerade bei dementen Patienten die räumliche Veränderung eine große Unsicherheit hervorruft und empfahl, die Wohnung möglichst wenig zu ändern und Fotos oder Gegenstände mit biografischem Bezug zu betonen. Auch kann zur zeitlichen Orientierung eine besonders große Uhr helfen. Er wies darauf hin, dass es jedoch eine Vielzahl von auch seltenen Erkrankungen geben kann, so dass eine neurologische Diagnostik, meist unter stationären Bedingungen notwendig sein kann.