„Demenzerkrankungen aus der Ecke holen“

Das Ensemble „Elke auf dem Holzweg“ sorgte beim Frühschoppen musikalisch für Stimmung.
 
Chronologisch geordnete Zeitungsartikel informierten die Besucher über die mittlerweile zehn Jahre währende „HilDe-Geschichte“.

Rückblick und Musik im Kochschen Hof: Mit sommerlichem Frühschoppen „Zehn Jahre HilDe“ gefeiert

Bei bestem Sommerwetter konnte der runde Geburtstag „10 Jahre HilDe (Hilfen bei Demenz) im Paritätischen Sozialzentrum Seesen“ am Samstag im Kochschen Hof gefeiert werden. Schon zu Beginn des sommerlichen Frühschoppens war an den hübsch dekorierten Sitzgarnituren nur noch schwer ein Plätzchen zu finden. Eine Resonanz, die besonders den Geschäftsführer des Paritätischen Seesen, Sven Dickfeld, freute. Er appellierte in seiner Begrüßung daran, Menschen mit Alzheimer und deren Angehörigen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen. „Sie sind mitten in der Gesellschaft“, so Dickfeld. Begrüßen konnte er unter anderem die Erste Kreisrätin Kathrin Weiher. Sie wies darauf hin, dass der Landkreis Goslar hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur der zweitälteste in Niedersachsen sei. Oft werde das Thema Demenz totgeschwiegen, daher sei die Arbeit von HilDe, die der Landkreis auch weiter unterstützen werde, umso wichtiger. Ähnlich äußerte sich Bürgmeister Erik Homann. Demenz sei längst keine Ausnahmeerscheinung mehr. „Es handelt sich hier um ein gesamtgesellschaftliches Problem; daher gilt es, die Erkrankung aus der Ecke zu holen, aufzuklären und zu sensibilisieren“, sagte Homann. Aus diesem Grunde habe sich Seesen auch zur demenzfreundlichen Stadt erklärt, wandte sich Homann an alle Kritiker. Das HilDe-Team leiste bei Information und Begleitung Betroffener Vorbildliches und könne zu Recht stolz auf seine Arbeit sein.
Im weiteren Verlauf des Festes trug Andrea Freistein-Schade eine Geschichte über das Vergessen vor und las aus einem Brief von Alois Alzheimer an jene Patientin Auguste Deter, die ihn später berühmt machen sollte.
Im Mittelpunkt stand aber der Rückblick, für den die „Mutter“ des HilDe-Angebotes, Christiane Berndt, verantwortlich zeichnete. Viele Unterstützer habe es in all den Jahren gegeben. Sie lobte die Weitsicht der damaligen Geschäftsführerin des Paritätischen Seesen, Roswitha Voß, als diese im Jahr 2004 das Thema Demenz aufgriff, dankte dem gesamten HilDe-Team, das „gut eingebettet“ sei im Sozialzentrum, bezeichnete den Verein „ambet“ Braunschweig als „Großmutter“ von HilDe und die Damen des Lions Clubs Seesen-Osterode „Roswitha von Gandersheim“ vor dem Hintergrund der langjährigen finanziellen und ideellen Unterstützung als die „Tanten“.
In ihrer Rückschau erinnerte Christiane Berndt an die ersten Info-Veranstaltungen, an die Gründung einer Selbsthilfegruppe (2004), an die Besuche des Memory-Mobils in Seesen und den Umzug vom einstigen Mütterzentrum im Bahnhof ins Alten- und Pflegezentrum St. Vitus (2005) sowie auch an das im Jahr 2006 ins Leben gerufene Gedächtnistraining, an das 2007 gestartete und bis heute fortgeführte Schülerprojekt „Apfelsinen in Omas Kleiderschrank“ und den 2008 erfolgten Umzug der HilDe-Gruppen in den Kochschen Hof. Nicht unerwähnt blieben natürlich das HilDe-Tanzcafé, das 2010 aus der Taufe gehoben wurde, das Projekt „Besuch auf vier Pfoten“ und nicht zuletzt der Start der Konzertreihe und die Bildung der 6. Gruppe (MusA). Für die Zukunft wünsche sie sich eine Wohngemeinschaft für Betroffene oder auch einen HilDe-Chor.
Einen Einblick in die tägliche Arbeit von HilDe bot Adelheid Kurbach, die von Anfang an dabei ist. „Natürlich stimmt die verantwortungsvolle Arbeit mit Betroffenen traurig, aber es ist ein gutes Gefühl, ihnen schöne Stunden gegeben zu haben“, sagte sie.
Soweit zum „offiziellen“ Teil. Für die musikalische Ausgestaltung des Frühschoppens sorgte das Ensemble „Elke auf dem Holzweg“ mit jazzig-erfrischenden Tönen, während die Besucher gerne die Gelegenheit nutzten, sich an einem üppigen Buffet zu stärken. Nicht wenige kauften außerdem bei Ursula Geudert ein, die selbstgenähte kleine Täschchen und Schlüsselanhänger anbot und für den guten (HilDe-)Zweck an den Mann und die Frau brachte.