Den Meistern des Klavierbaus über die Schultern schauen

In Hamburg können die Teilnehmer der Exkursion hinter die Kulissen des Klavierbaus blicken.
 
Die Besucher erfahren auch, was es mit der Rimbearbeitung auf sich hat.

„Steinway & Sons“ ist das Ziel: Freundeskreis Städtisches Museum lädt zu Exkursion ein

Seesen (poe). Als der Seesener Ehrenbürger Heinrich Engelhard Steinweg im Jahre 1836 seinen ersten Flügel fertig stellte, da dürfte für ihn sicherlich ein Traum in Erfüllung gegangen sein. Der unermüdliche Tüftler und Perfektionist hatte dabei mehrere bahnbrechende Ideen verwirklicht, die die Klavierwelt in Erstaunen versetzten. Ideen, die zu Meilensteinen des „Steinway“- Klavierbaus wurden. Der Mythos „Steinway“, und mit ihm der Anspruch, das bestmögliche Klavier zu bauen, waren damit in der kleinen Stadt am Harzrand geboren.
Als Chris Maene, autorisierter Steinway-Händler für Belgien und passionierter und international anerkannter Klavierbauer und Restaurator historischer Instrumente, im November 2006 das Replikat dieses legendären „Seesener Küchenflügels“ fertig stellte, da ging auch für ihn ein Traum in Erfüllung. Denn schon seit seiner Kindheit hatte ihn die Geschichte des Unternehmens „Steinway & Sons“, besonders aber der erste, in Seesen gebaute Flügel interessiert.
Und nachdem ihm im Jahre 2004 „Steinway & Sons“ als erstem Klavierbauer die Genehmigung für die Rekonstruktion dieses Instruments erteilt hatte, machte er sich sofort ans Werk. Er begutachtete das Original, das bei „Steinway“ in New York steht, war aber auch – begleitet von einem Kamera-Team des Senders „ARTE“ – mehr als ein nur ein interessierter Besucher im Städtischen Museum Seesen, in dem er die dort ausgestellten Klaviere, die mit zu den ersten aus der Steinway-Produktion zählen, sorgfältig unter die Lupe nahm.
Nach 2000 Stunden war das Werk vollendet – wie schon anno 1836 in größter Perfektion und Liebe zum Detail. Stolz konnte Chris Maene seinen ersten Nachbau präsentieren, der technisch und äußerlich dem Original entspricht, und der erstmalig im Rahmen eines großen Eröffnungskonzertes in Brügge im November 2006 von Maestro Abdel Rahman El Bacha gespielt wurde.
170 Jahre lagen zwischen dem Seesener „Küchenflügel“ von Heinrich Engelhard Steinweg und der Rekonstruktion der „No. 1“ durch Chris Maene – Jahre und Jahrzehnte, in denen der Markename „Steinway & Sons“ seinen Siegeszug rund um die Welt antrat, und das Unternehmen seine Spitzen-Position zu festigen verstand: mit Flügeln und Klavieren, die nach wie vor an zwei Produktionsstätten gefertigt werden – seit 1853 in New York und seit 1880 in Hamburg. Im Verlauf der Unternehmensgeschichte wurden zudem Niederlassungen in London, Tokio und Shanghai gegründet, die von ihren Standorten aus als Importeur das Händlernetz mit Instrumenten von „Steinway & Sons“ bedienen.
Eine dieser Produktionsstätte nun, und zwar „Steinway & Sons“ in Hamburg, wird in diesem Jahr das Ziel einer der Exkursionen sein, zu der der Freundeskreis Städtisches Museum alle interessierten Bürger schon jetzt recht herzlich einlädt. Der Startschuss fällt am Donnerstag, 23. Juni, um 6.30 Uhr am Rathaus. In der Freien und Hansestadt angekommen, steht dann zunächst einmal ein geführter Rundgang durch das Unternehmen auf dem Programm. Die Besucher werden das Holzlager besichtigen und erfahren, was es mit der so genannten Rimbearbeitung (Fertigung des Integralgehäuses) auf sich hat. Weitere Stationen sind unter anderem die Teile- und Resonanzbodenfertigung, der Gehäusebau sowie die Bereiche „Gussplatte, Saiten und Mechanik“. Mit dem Besuch des Auswahlsaales, in dem die gesamte Produktionspalette präsentiert wird, endet schließlich der Rundgang durch ein Unternehmen, das so eng mit der Geschichte der Stadt Seesen verbunden ist.
Damit nicht genug, ist an besagtem Donnerstag darüber hinaus auch noch ein Abstecher zur Binnenalster vorgesehen. Hier kann – beispielsweise im Alster-Pavillon – zu Mittag gegessen werden; und es besteht die Möglichkeit zu einem maritimen Bummel.
Verbindliche Anmeldungen nimmt ab sofort (bis Ende März) die 1. Vorsitzende des Freundeskreises Städtisches Museum, Renata Jahns, Telefon (05381) 2479, entgegen. Anmelden kann man sich ferner im Städtischen Museum, Telefon (05381) 48891.