Den Opfern der Pogromnacht gedacht

Am Gedenkstein vor dem Bürgerhaus wurden in Erinnerung an die Reichspogromnacht Kränze niedergelegt. (Foto: Jung)

Bürgermeister Erik Homann spricht am Gedenkstein am Bürgerhaus

Seesen(uk). In der Reichspogromnacht 1938 kam es in Deutschland in der Nacht vom 9. auf den 10. November zu massiven Ausschreitungen gegen Synagogen und gegen jüdische Bürger. Auch inSeesen brannte in dieser Nacht die Synagoge nieder. Zum Gedenken an den Pogrom, der auch als Reichskristallnacht in den Geschichtsbüchern niedergeschrieben ist, kamen am Mittwoch rund 60 Seesener zusammen, um am Gedenkstein einenKranz niederzulegen und eine Schweigeminute abzuhalten.
Im Anschluss sprachen Bürgermeister Erik Homann, Stefan Bungert als Vertreter der Jacobsonstiftung, Propst Thomas Gleicher und Norbert Stephan von der SPD Seesen mahnende Worte. Bürger­meis­ter Homann, der erstmals die Rede anlässlich der Pogromnacht hielt, erinnerte sowohl an die Gräueltaten in Deutschland als auch an die schlimmen Geschehnisse vor Ort in Seesen, wo der Synagogenwärter Nußbaum an denFolgen einer Schussverletzung starb und in der das jüdische Geschäft Bloch und Bremer in der Nacht in Flammen aufging. Hinter den abstrakten Zahlen der vielen Opfer des Reichspogroms und der Judenverfolgung im Nazi-Regime stehen Einzelschicksale, und eben an diese erinnerte Homann in seiner Gedenkrede. Man müsse versuchen, sich in die Gefühlslage der Menschen hineinzuversetzen, die allein gelassen wurden und ihrem Schicksal ausgeliefert waren. Ausgemacht werden könne dies beispielsweise an den Befehl der SS an die Feuerwehren, brennende Synagogen nicht zu löschen, sondern schlichtweg nieberbrennen zu lassen.Lediglich deutsches Eigentum unterstand demSchutz.
Diese Verbrechen dürfen sich nie mehr wiederholen, und so mahnte der Bürger­meis­ter in seiner Rede ab­schlie­ßend, dass alle Menschen – egal welcher Parteizuge­hö­rigkeit, Religion oder Hautfarbe – nicht einfach Teil einer an­deren Gruppe, sondern Individuen mit Hoffnungen, Ängsten, Wünschen undTräu­men sind. Das mache die Menschen bei aller Unterschiedlichkeit am Ende doch wieder gleich.