Der A 7-Ausbau: Chancen für Wirtschaft und Tourismus

Jetzt wird die A 7 auf 29,2 Kilometern zwischen den Anschlussstellen Seesen und Nörten-Hardenberg ausgebaut. Zu der Bauphase bis November 2021 gehören neben dem Ausbau der Fahrbahnen zudem 170 Bauwerke (darunter zwei Großbrücken), neun Anschlussstellen (darunter Echte), zwölf Park- und WC- sowie zwei Tank- und Rastanlagen, 40.000 Quadratmeter Lärmschutzwände und -wälle, Regenrückhaltebecken und Entwässerungsanlagen, die Umverlegung der Bundesstraße 248 zwischen Oldenrode und Ildehausen. (Foto: Ehlert)

Werbung für Akzeptanz der Öfentlich-Privaten-Partnerschaft-Projekte

Die Niedersachsen-Fahne mit dem weißen Sachsenross, die Deutschland-Fahne, ein Kieshaufen mit neuen Spaten, neue weiße Schutzhelme, eine Bühne wie bei einem Rockkonzert, herbstlicher Blumenschmuck vor dem Rednerpult und auf den Tischen im Zelt: Der Rahmen für den ersten Spatenstich zum sechsstreifigen Ausbau der Bundesautobahn 7 auf dem Parkplatz Schlochau nahe Northeim.
Die Reden an diesem Vormittag werden immer mal wieder begleitet vom Hupkonzert der Brummifahrer – ob nun als „Dankeschön“ für den Ausbau der transeuropäischen Verkehrsader A 7 oder als Kritik an der Vergabe der Baumaßnahme als Projekt der Öffentlich-Privaten-Partnerschaft (ÖPP) – man weiß es nicht.
Dafür wissen die Festredner an diesem Dienstag im September 2017, welche Chancen der Ausbau auch für die Region bietet. Der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann aus dem Dobrindt-Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sieht optimale Chancen für die Ansiedlung von Unternehmen auf A 7-nahen Gewerbeflächen, auch für den Tourismus in der Region. Wenn der Staatssekretär Chancen für Unternehmensansiedlung sieht, dann hofft Jens Meyer, der Bürgermeister der Gemeinde Kalefeld, auf einen Lichtblick am Horizont. Da steht der Gewerbepark Kalefeld vor seinen Augen. Dessen Baureife ist noch immer nicht gegeben und das Landesraumordnungsprogramm bietet derzeit keine Chancen für in Kalefeld schon vorstellig gewordene Firmen für eine Ansiedlung.
Auf jeden Fall gibt es für ÖPP-Vorhaben an diesem Tag viel Werbung. Ferlemann erwartet weitere Ausbauvorhaben der Fernstraßen durch Öffentlich-Private-Partnerschaft und sieht sogar das Land Niedersachsen als „Gewinner beim Bundesverkehrswegeplan“.
Matthias Schmidt, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Via Niedersachsen (Seesen), betont seine Erfahrungen in der Umsetzung von ÖPP-Vorhaben. Der gebürtige Badenser führt als positives Beispiel den A 5-Ausbau in Baden-Württemberg an, bei dem Via Niedersachsen-Gesellschafter Vinci Concessions dabei war.
Vinci Concessions Deutschland-Geschäftsführer Arnaud Judet verweist auf die erfolgreichen Projekte des Unternehmens, welches zu 50 Prozent Gesellschafter von Via Niedersachsen ist, die anderen 50 Prozent hält Meridiam Investments SAS.
Es gibt immer wieder Beifall für die Männer am Rednerpult – in der Hoffnung, der A 7-Ausbau in diesem Bereich zwischen Seesen und Nörten-Hardenberg möge sich reibungslos realisieren lassen – ohne Einbau von „Fremdstoffen“ wie beim Ausbau der Bundesautobahn nördlich von Bockenem geschehen.
Für den A 7-Ausbau zwischen Bockenem und Göttingen, der Projektstrecke von gut 60 Kilometern, hat Via Niedersachsen GmbH & Co. KG im Februar dieses Jahres – es gab ein europaweites Verfahren – vom Bundesverkehrsministerium und der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr den Zuschlag erhalten.
Das große Bauvorhaben wird im Auftrag von Via Niedersachsen durch eine Arbeitsgemeinschaft, die CJV A 7“, der der Eurovia-Konzern und die mittelständischen Unternehmen Stutz GmbH und Rohde Tief- und Straßenbau GmbH angehören, realisiert.
Das Finanzvolumen für den Ausbau der insgesamt 60-Kilometer-Projektstrecke im südlichen Niedersachsen beträgt gut eine Milliarde Euro (über 30 Jahre), die reinen Ausbaukosten werden mit rund 330 Millionen Euro beziffert.