Der Anwalt und die Landwirtin

Bernd Preuth (37) aus Hamburg ist Anwalt, parteilos und hat „unbändige Lust“ auf dieses herausfordernde Amt.
 
Almut Broihan (48) aus Vienenburg betreibt einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Selbstvermarktung und will mit ihrer politischen Erfahrung punkten.

CDU-Landratskandidaten stellen sich den Seesener Bürgern vor / Entscheidung am Freitag

Von Maximilian Strache
Seesen. Bernd Preuth (37), Rechtsanwalt aus Hamburg, und Almut Broihan (48), Landwirtin aus Vienenburg, sind die Kandidaten, die von der CDU in das innerparteiliche Rennen um die Landtagskandidatur geschickt wurden. Wer letztlich für das Amt kandidieren wird, entscheidet der Kreisverband am kommenden Freitag, 12. April, auf einer Mitgliederversammlung im Goslarer Lindenhof. Aktuell sind Preuth und Broihan auf Vorstellungsreise im Landkreis. Nach Stationen in Bad Harzburg und Goslar stellten sich die beiden Bewerber am Dienstag in Seesen vor.
Im Vorfeld der Veranstaltung im Hotel „Wilhelmsbad“, die von rund 50 Gästen besucht wurde, traf sich der „Beobachter“ mit den beiden Kandidaten und dem Kreisverbands-Vorsitzenden Rudolf Götz um mit ihnen über den beruflichen Werdegang, ihre politischen Ideen und die Motive für die Kandidatur zu sprechen.
Bernd Preuth vermittelt auf den ersten Blick den Eindruck eines smarten Rechtsanwalts, der weiß was er kann, und auch weiß wo er hin will. Der 37-jährige Steuerrechtler kann zwar nicht auf Erfahrungen in Bezug auf das Führen einer Kreisverwaltung verweisen, punktet im Gespräch aber vor allem mit seiner entwaffnenden Ehrlichkeit und der Zuversicht jede Herausforderung meistern zu können. Preuth hat Visionen und unbändige Lust, Nachfolger von Stephan Manke zu werden. Der gebürtige Niedersachse ist weder Mitglied der CDU noch ist er politisch engagiert. Er ist aber überzeugt das Landratsamt mit Hilfe seines juristischen Fachwissens, seiner Kommunikationsstärke und seiner sozialen Kompetenz ausfüllen zu können. Ins Spiel gebracht wurde Preuth übrigens von Seesens Bürgermeister Erik Homann, der den Steuerexperten noch aus seiner Zeit aus Hamburg kennt.
Almut Broihan aus Vienenburg ist in der politischen Landschaft des Landkreises keine Unbekannte. Erst im Januar zierte ihr Gesicht die CDU-Wahlkampfplakate in Goslar, Langelsheim, Liebenburg und Vienenburg. Broihan wollte für die Christdemokraten in den Niedersächsischen Landtag einziehen, scheiterte aber knapp. Das Rennen machte am Ende der SPD-Kandidat Alexander Saipa.
Doch trotz dieser mit Sicherheit schmerzhaften Niederlage ist Almut Broihan nicht „klein zu kriegen“, wie sie es selber formuliert. „Ich bin eine Kämpfernatur und kann mir einer breiten Unterstützung im Landkreis sicher sein. Das hat das knappe Ergebnis bei der Landtagswahl gezeigt“, so Broihan.
In der Kommunalpolitik ist die Vienenburgerin schon seit zwölf Jahren aktiv. Sie sitzt für die CDU im Kreistag und war bis 2011 insgesamt fünf Jahre als stellvertretende Landrätin tätig. Sie beschreibt sich selber als „gut vernetzt“ und sie wisse welche Probleme aktuell höchste Priorität im Landkreis genießen sollten.
Inhaltlich sind Preuth und Broihan aber nicht weit voneinander entfernt. Der smarte Anwalt will seinen Schwerpunkt im Fall einer Wahl auf die Förderung der Wirtschaft setzten. „Die wirtschaftliche Entwicklung ist der Schlüssel um Probleme wie beispielsweise den demografischen Wandel in den Griff zu bekommen. Nur, wenn ausreichend qualifizierte Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, kann es uns gelingen, die Menschen in der Region zu halten und neue Einwohner zu gewinnen“, so die Überzeugung des 37-Jährigen.
Almut Broihan sieht das ähnlich, will aber vor allem auf die Förderung des Tourismus setzen, da sie in diesem Bereich die größten Chancen für die Region vermutet.
In puncto Fusion unterscheiden sich die Ansichten von Broihan und Preuth vor allem im Hinblick auf den Zeitpunkt. Ist die Vienenburgerin überzeugt, dass eine Fusion innerhalb der nächsten fünf Jahre auf den Weg gebracht werden muss, um sie dann ab 2020/21 umzusetzen, mahnt Preuth auf diesem Feld zur Besonnenheit. „Eine Fusion kann und darf für die nähere Zukunft natürlich nicht ausgeschlossen werden, wir dürfen aber nicht glauben, dass damit alle Probleme zu lösen sind.“ Der Rechtsanwalt sieht Chancen in der Verstärkung der Interkommunalen Zusammenarbeit und will auch einzelne Gemeinden im Kreis dabei unterstützen derartige Projekte auf den Weg zu bringen.
Die 48-jährige Landwirtin favorisiert in der Fusionsfrage übrigens nicht unbedingt einen Zusammenschluss mit der Stadt Salzgitter oder dem Landkreis Wolfenbüttel. Sie setzt ihre Hoffnungen auf ein anderes Modell, den Anschluss einzelner Gemeinde aus dem Bereich Osterode an den Landkreis Goslar. Der Gesetzgeber verbietet einen solchen Vorgang zwar aktuell, die CDU-Frau ist sich aber sicher, dass in diesen Prozess Bewegung kommen wird. Damit liegt sie auch auf der Linie von Rudolf Götz, der sagt: „Ein Anschluss einzelner Gemeinden aus dem Landkreis Osterode an den Landkreis Goslar ist zurzeit der einzig realistische Weg. Die Fusionsbereitschaft der Stadt Salzgitter und des Landkreises Wolfenbüttel ist weiterhin als gering einzustufen.“
Wichtig ist beiden Bewerbern ein Landrat für den gesamten Kreis zu sein und dies auch zu leben. Preuth sowie Broihan wollen auf eine eng vernetzte Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern und den Entscheidungsträgern in den Kommunen setzen. Ein guter Draht zu Seesens Bürgermeister wäre Bernd Preuth schon jetzt sicher.