Der Apfelkultur zu neuer Blüte verhelfen

Auch Rudolf Götz warf einen interessierten Blick auf die neue Ausstellung.
 
Das Museum hatte zu einem leckeren Gläschen Cidre eingeladen.

Neue Ausstellung im Städtischen Museum eröffnet / Noch bis zum 15. Januar 2013 zu sehen

Frucht des Wissens, der Verführung, sogar des Verderbens: Der Apfel kann vieles bedeuten. Er war es, der Eva in Versuchung führte und Isaac Newton zu neuen Erkenntnissen brachte. Der Apfel ist der Inbegriff und das Symbol für Sünde, Sex und Zauberkraft. Nicht zuletzt durch einen großen Hersteller für Unterhaltungselektronik, der das Symbol zum Unternehmenslogo machte, steht der Apfel bis heute für den Sündenfall.
Das gesunde Obst ist also etwas ganz Besonderes. Jedoch ist das nicht der einzige Grund, der Kurator Stephan Sauerland dazu bewog, das Thema Apfel auch längerfristig, und zwar in Form einer Ausstellung, auf den Tisch zu bringen. Grund für ihn war auch der drastische Rückgang an Obstbäumen in unserer Region. Denn fast unmerklich verschwinden seit Jahrzehnten die hochstämmigen Obstbäume aus den Gärten, von den Wegrändern und Wiesen der heimischen Landschaft. Und mit ihnen verschwinden viele der alten Sorten, die von den Vorfahren während vieler Jahrhunderte genutzt, sorgsam gehütet und vermehrt worden waren.
1991 wurde der Pomologen-Verein in der Tradition des „Deutschen Pomologenvereins“ als gesamtdeutsches Vorhaben gegründet. Die Pomologie ist die Lehre der Obstarten und Obstsorten. Der Verein fördert die Bestimmung, Empfehlung und Erhaltung der alten Obstsorten. Dazu werden unter anderem regionale Obstsortenverzeichnisse und Sortenbeschreibungen angelegt und Seminare zur Baupflege organisiert. Auch das Apfel- und Birnenfest in Duderstadt wurde ins Leben gerufen, um das Interesse am Apfel bei der Bevölkerung wieder zu wecken. Gemeinsam mit dem Museumsverbund Südniedersachsen und dem Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen entstand später auch die Idee, das Thema mit der Ausstellung „Apfelkultur – Vielfalt neu erleben“ für das breite Publikum längerfristig zugänglich zu machen.
Die Ausstellung „Apfelkultur – Vielfalt neu erleben“ befasst sich mit den Ursprüngen der verschiedenen Apfelsorten und verfolgt ihren Weg bis in die heutige Zeit. Im Mittelpunkt steht die Streuobstkultur, die einmal sehr wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft war, heute jedoch stark bedroht ist. Maßnahmen zur Nutzung und Erhaltung der Streuobstwiesen werden vorgestellt und laden zur aktiven Teilnahme ein. Abgerundet wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Begleitprogramm.
Die Vernissage fand am Dienstagabend in den neugestalteten Räumlichkeiten des Städtischen Museums in Seesen statt. Dabei konnte Seesens Bürgermeister Erik Homann, der die neue Ausstellung offiziell eröffnete, neben zahlreichen Gästen auch den Landtagsabgeordneten Rudolf Götz und die Stellvertretende Landrätin Claudia Schmalz begrüßen. Nach einer Einführung durch Stephan Sauerland als Kurator war es schließlich so weit: Die ersten Gäste durften die Ausstellung erkunden, die verschiedensten Apfelsorten riechen und anfassen und mit einem Gläschen Cidre in der Hand Wissenswertes über die Herkunft, die Geschichte und die Weiterverarbeitung von Äpfeln erfahren.
Vom heutigen Donnerstag an bis zum 15. Januar 2013 ist die Ausstellung im Städtischen Museum zu sehen.