Der Eimer und die Krankheit

(Foto: bo)

Ice Bucket Challenge in Seesen angekommen: Warum sich immer mehr Menschen mit Eiswasser überschütten

Sie ist derzeit in aller Munde und verbreitet sich im sozialen Netzwerk in atemberaubender Geschwindigkeit: die Ice Bucket Challenge (zu deutsch etwa: „Eistonnen-Herausforderung“). Es geht um Menschen, die sich vor der Handy-Kamera mit Eiswasser übergießen. Am Anfang waren es vor allem Prominente, die nominiert wurden. Jetzt geht es vielen ums „Dazugehören“. Auch der „Beobachter“, besser gesagt, diverse Mitarbeiter unserer Tageszeitung sind inzwischen nominiert.
Sicher ist: Man kann sehr lange und sehr ausführlich über den Sinn und Zweck schreiben, was Menschen dazu bringt, sich kaltes Wasser über den Kopf zu schütten, und andere zu nominieren, um Gleiches zu tun. Dabei hat die Ice Bucket Challenge einen sehr ernsten Hintergrund. Mit diesem Artikel und dem unten aufgeführten Interview will der „Beobachter“ über ALS informieren – die Krankheit. Die Idee, die Challenge für eine Spendenkampagne zu Gunsten der ALS Association zu nutzen, stammt vom selbst an ALS erkrankten ehemaligen Baseball-Star Peter Frates, der sich bereits seit Jahren für die ALS-Forschung engagiert. Der inzwischen vollständig gelähmte Frates übergoss sich nicht mit Eiswasser, nominierte aber zahlreiche Bekannte, darunter viele aktive US-Sportler, an der Challenge teilzunehmen.
Der breiten Öffentlichkeit ist der britische Physiker Stephan Hawking als eine der herausragenden Persönlichkeiten unserer Zeit bekannt. Immer wieder verblüfft er mit neuen herausragenden Werken und Denkanstößen. Alles das erreichte er, obwohl er seit Jahrzehnten an einer seltenen Variation der schweren Nervenkrankheit „ALS“ erkrankt ist.
Bei der Amyotrophen Lateralsklerose, kurz „ALS“ handelt es sich dabei um eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, wobei fortschreitend eine irreversible Schädigung der Nervenzellen eintritt, die vorwiegend für Muskelbewegung zuständig sind.
Entsprechend kommt es bei Betroffenen zu zunehmenden Lähmungen, Muskelschwund und erhöhtem Muskeltonus, auch Spasmen. Gang, Sprech- und Schluckstörungen sowie eingeschränkte Koordination und Mobilität sind die Folge.
Die definitive Ursache der Erkrankung ist immer noch unklar, genetische Faktoren spielen bei den meisten Betroffenen eine Rolle. Zum ersten Mal ins öffentliche Interesse gelangte die Krankheit als 1939 Baseball-Legende Lou Gehrig, den New York Yankees angehörig, mit 36 wegen ihr seine Karriere überraschend beenden musste und zwei Jahre später starb, lange wurde sie daraufhin der einfachheitshalber Lou-Gehrig-Syndrom genannt.
Mitte Juli startete die ALS Association die „Ice Bucket Challenge“ in sozialen Netzwerken. Dabei gießen sich Nominierte Eiswasser über den Kopf und nominieren fleißig weitere Teilnehmer. Wer in 24 Stunden nicht mitmacht, sollte ursprünglich 100 Dollar an die Stiftung der amerikanischen Organisation spenden, es kamen schon zahlreiche Millionen durch die Aktion in sozialen Netzwerken wie „Facebook“, „Instagram“ oder „Twitter“ zusammen.
Ob Justin Timberlake, Bill Gates, Magic Johnson oder Ex-Präsident George W. Bush, viele US-Prominente wurden zu Auslösern von wahren Dominostafetten. Auch nach Deutschland schwappte der Trend schnell über: So nahmen unter anderem Reiner Calmund, Günther Jauch oder Helene Fischer begeistert an der Prozedur teil. In vielen Videos wird zusätzlich dazu aufgerufen, zu spenden.
Und auch in Seesen ist die Ice Bucket Challenge angekommen. Seesens Bürgermeister Erik Homann ließ sich bereits drei Kübel Wasser über den Kopf schütten, Tobias Euler, Musiker aus Rhüden, machte mit einem recht spaßigem Beitrag ebenfalls mit, – viele andere sind nominiert und es geht weiter und weiter. In wenigen Wochen wird die Ice Bucket Challenge der Vergangenheit angehören, die Krankheit ALS bleibt.
Gespendet wird in Deutschland in vielen Fällen an die Ambulanz für ALS und andere Motoneuronenerkrankungen in der Berliner Charité (Universitätsmedizin). Die öffentliche Hand ist derzeit nicht in der Lage, klinische Studien zur Einführung neuartiger Medikamente gegen die ALS zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund wird jede Spende dringend benötigt und ist sehr willkommen. An der Charité wurde ein Spendenkonto eingerichtet, das den Status der Gemeinnützigkeit erhalten hat.

Kasse der Charite
Berliner Sparkasse
IBAN: DE53100500001270005550
BIC: BELADEBEXXX