„Der hat sich doch bloß Rotwein durch die Nase geblasen!“

71-jähriger Seesener wird wegen gefährlicher Körperverletzung zu neunmonatiger Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt

Seesen (hz). Weil sich zwei „Zechbrüder“ mal wieder nicht einig werden konnten, befasste sich das Seesener Amtsgericht in der vergangenen Woche mit dem Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung.
Nachdem sich der Angeklagte, ein 71-jähriger Seesener, bei einem gemeinsamen Beisammensein mit seinem Nachbarn, einem 77-jährigen Spanier, provoziert gefühlt hatte, holte er aus und schlug dem 77-Jährigen ohne langes Zögern mit der Bierflasche ins Gesicht. Der Spanier, der die deutsche Sprache zwar gut versteht, aber nicht sprechen kann, kam in Begleitung einer Dolmetscherin zu der Verhandlung im Amtsgericht und brachte etwas mehr Licht ins Dunkel – der Angeklagte wollte sich zu dem Vorwurf nicht äußern. Schon länger würden die Streitigkeiten andauern, so der 77-Jährige. Bereits bei anderen Treffen soll der Seesener stark alkoholisiert gewesen sein und sogar mit dem Wurstmesser nach ihm gestochen haben.
„Sie sind ja auch kein unbeschriebenes Blatt“, so der Vorsitzende Richter Frank Rüger, der im Anschluss den Registerauszug des Angeklagten verlas. Das erste Mal in Erscheinung getreten ist der Seesener 1956. Bis 2004 ist er kontinuierlich als Straftäter in Erscheinung getreten, insgesamt fünf Jahre saß er wegen „Kleinigkeiten“ hinter Gittern.
Erst nach der Aussage des Geschädigten bat der Rentner auf der Anklagebank darum, doch noch den eigentlichen Tathergang schildern zu dürfen – vielleicht hätte er sich das dann doch besser sparen sollen. Er war sich sicher, dass sein Nachbar bloß gemimt hat. Mit der Bierfasche habe er ihn nicht geschlagen – da sei er sich ganz sicher. „Geblutet hat der nicht! Der hat sich doch bloß Rotwein durch die Nase geblasen!“, behauptete der uneinsichtige Angeklagte und wollte sich auch auf keinen Fall bei dem Geschädigten entschuldigen.
Richter Frank Rüger verurteilte den Angeklagten zu einer neunmonatigen Freiheitsstrafe, die für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden konnte, da der 71-Jährige seit 2004 nicht mehr in Erscheinung getreten war. Außerdem hat er 300Euro Schmerzensgeld an den 77-jährigen Nachbarn zu zahlen.