Der „Laden“ hat sich zu Ort der Begegnung gemausert

Der „Second-Hand-Shop“ hat sich als feste Größe in der rund 3000 Einwohner zählenden Gemeinde etabliert.
   

Ehepaar Hoppe von Kirchlicher Lettlandhilfe Seesen kehrt mit „guten Nachrichten“ aus Rauna zurück

„Der Laden läuft, und das besser, als wir es für möglich gehalten haben“: Innerhalb von nur gut einem Jahr nach seiner offiziellen Eröffnung Anfang Februar 2010 hat sich der „Second-Hand-Shop“ – im Gebäude der Post in Rauna untergebracht – als eine feste Größe in der rund 3000 Einwohner zählenden Gemeinde etabliert.

Seesen (poe). Mit „nur“ minus 28 Grad Celsius war es fast schon „mild“; zumindest gemessen an den Temperaturen, die vor gut Jahresfrist herrschten, als die Mitglieder aus den Reihen der Kirchlichen Lettlandhilfe Seesen mit dem ersten humanitären Hilfstransport nach einer zehnjährigen Pause in der lettischen Partnergemeinde Rauna eingetroffen waren. „Immerhin fehlten noch gut sechs Grad an dem „Rekord –Minus“ von 34 Grad Ende Januar letzten Jahres“, merkte der Vorsitzende der „Kirchlichen Lettlandhilfe“, Pastor i. R. Kurt Hoppe, in einem Gespräch an.
Gerade erst waren er und seine Frau aus dem tief verschneiten Lettland wieder in Seesen angekommen. Und das „mit vielen guten Nachrichten im Gepäck “, wie Renate Hoppe bei einem Glas Tee aktuell aus Rauna zu berichten wusste.
Ein Telefonat mit der Vorsitzenden der Kirchlichen Stiftung in Rauna (Mitglieder aus Deutschland sind die Kirchliche Lettlandhilfe, der Martin-Luther-Verein und das Evangelische Altenheim St. Vitus in Seesen), Anita Lubuze, hatte den Ausschlag für eine dreitägige Exkursion mit dem Ziel Rauna gegeben. „In diesem Telefonat“, so erinnerte sich Kurt Hoppe, „hatte Anita Lubuze darum gebeten, im Rahmen einer Zusammenkunft des Stiftungsrates unter anderem eine Bilanz des abgelaufenen Jahren zu ziehen, aktuelle Themen zu erörtern, und vor allem auch Perspektiven mit Blick auf die gemeinsame Arbeit in den kommenden Monaten und Jahren auszuloten und aufzuzeigen“.
Letzteres würde keinen langen Aufschub dulden, sollen doch in Rauna insgesamt fünf Projekte aus Mitteln der Europäischen Union gefördert werden – drei Maßnahmen der politischen Gemeinde sowie jeweils eine Maßnahme der Kirchengemeinde und der Kirchlichen Stiftung. Fünf Projekte, die für die künftige Entwicklung der rund 3000 Einwohner zählenden Gemeinde überaus wichtig wären, und für die es nunmehr die entsprechenden Förderanträge zu stellen gelte.
Die anstehende Förderung eines Projektes der Kirchlichen Stiftung dürfte sicherlich ein Schwerpunkt-Thema gewesen sein, aber bei weitem nicht das einzige. In den vergangenen Wochen, so ließ Anita Lubuze nämlich Kurt und Renate Hoppe bei deren Ankunft wissen, hätte man sich in Rauna an gleich zwei Ereignisse dankbar erinnern können – und zwar an den allerersten Hilfstransport vor nunmehr 20 Jahren sowie an die Eröffnung des Ladens vor einem Jahr.
Dieser Laden nun, der seit seiner Wiedereröffnung nach der Renovierung unter der Bezeichnung „Menschen für Menschen“ firmiert, habe nach den Worten von Renate Hoppe nicht nur „sehr viel an Freundlichkeit gewonnen“, sondern sich zudem „zu einem Ort der Begegnung gemausert“.
Hellgelb gestrichene Wände, eine schneeweiße Decke und allenthalben Regale und Tische, in und auf denen sich das breit gefächerte Sortiment an Hausrat und Bekleidung optisch ansprechend präsentiert – das kommt bei den Bürgern Raunas nach wie vor an. „Am Freitag- und am Sonnabendvormittag zählte ich in nur zwei Stunden jeweils über 20 Kunden; nicht gerechnet all jene Besucher, die zunächst nur einmal schauen wollten“, freute sich Renate Hoppe – sicherlich eine Folge des attraktiven Angebotes, vor allem aber auch der individuellen Preisgestaltung. Jeder kennt jeden in Rauna, und das gilt insbesondere auch für die beiden Damen, die für den Laden verantwortlich zeichnen, und die recht genau wissen, wie es um die finanzielle Situation ihrer Kunden bestellt ist.
„Der Laden läuft prächtig“, bestätigten denn auch Anita Lubuze und der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Janis Sika, der übrigens an jedem zweiten Tag neue Ware aus dem Lager „anliefert“. Das lockt vor allem die Frauen aus Rauna in den Laden, die in dem kleineren Raum zudem gern die Gelegenheit zu einem Schwätzchen nutzen.
Was nun die Sitzung des Stiftungsrates betrifft, so stand da die von einem Wirtschaftsprüfer geprüfte Kasse – von ihm als „vorbildlich“ gelobt – ebenso auf der nachmittäglichen Agenda, wie unter anderem die geleistete Soforthilfe nach einem Wohnungsbrand. „Den Betroffenen konnte rasch und unbürokratisch mit Möbeln, Wäsche und Hausrat geholfen werden“, betonte Anita Lubuze im Verlauf ihres Rückblicks – nicht nur für sie ein Beispiel von vielen für die Ansätze einer erfolgreichen diakonischen Arbeit in Rauna.
Apropos „Diakonie“: Nach dem Willen des Stiftungsrates in Rauna sollte und müsste dieser Bereich, der bekanntlich alle Aspekte des Dienstes am Menschen umfasst, ausgebaut werden. Eine der Herausforderungen, der sich die Kirchengemeinde und der Stiftungsrat zu stellen haben werden; wohlwissend um die gern gewährte Unterstützung aus Seesen.
Noch kein abschließendes Ergebnis zeitigte schließlich die Diskussion über ein durch EU-Mittel gefördertes Projekt der Kirchlichen Stiftung Rauna. Vor dem Hintergrund eines deutlichen Bedarfs favorisiert man derzeit die Einrichtung einer Altentages- und Begegnungsstätte in dafür geeigneten Räumen – ein Treffpunkt für ältere und alte Menschen aus dem Ort, in dem diese die Möglichkeit haben, sich auszutauschen, gemeinsam etwas zu unternehmen, und – zumindest für ein paar Stunden – ein wenig Abstand vom harten Alltag zu gewinnen.
Ein Projekt mit Priorität, wie es hieß, hätten sich doch die über viele Jahre hinweg sehr guten Kontakte mit dem „Pensionat“ nach dem dort erfolgten personellen Wechsel in der Führungsspitze „recht deutlich eingetrübt“.
Es waren also wahrlich gute Nachrichten, die Renate und Kurt Hoppe im Gepäck hatten; Renate Hoppe abschließend: „Anita Lubuze und Janis Sika nahmen zudem ein weiteres Mal die Gelegenheit wahr, all denen Dank zu sagen, die den Bürgern Raunas in den vergangenen Jahren so tatkräftig geholfen haben; sei es finanziell oder aber durch Sachspenden“.