Der Luchs M5 zieht seine Kreise bei Seesen

Luchsforscher unterwegs im Harz / Mobilität, Flexibilität und Schnelligkeit sind gefragt

Der besenderte Luchs M 4 sendet seine GPS-Signale aus einem rund 150 Quadratkilometer großen Streifgebiet vom Brocken. Das Männchen M 5 hingegen zieht seine Kreise bei Seesen. Luchsforscher müssen mobil und flexibel sein, um mit Ihren Studienobjekten Schritt zu halten. So richtig aktiv werden die Pinselohren erst, wenn der normale Mensch schon längst den Feierabend genießt und nicht selten ist dies auch die Zeit, in der Jäger und Förster im Harz interessante Beobachtungen machen, berichtet Ole Anders vom Luchsprojekt Harz.

Forscher sind dem Luchs auf der Spur

Das Handy klingelt, ein gerissenes Hirschkalb wurde gefunden und nun muss alles schnell gehen. Schon fliegen ein paar Rucksäcke mit der nötigen Ausrüstung auf die Ladefläche des Pickup-Lastwagens. In Einzelteile zerlegt ist dort bereits eine tragbare Luchsfalle fest verzurrt. Nach halbstündiger Fahrt holpert der Pickup die letzten hundert Meter einen steilen Holzrückeweg hinauf. Da liegt – wie beschrieben – das Beutetier des Luchses. Jeden Moment kann die große Katze zurückkehren. Im letzten Licht des Tages wird im Eiltempo, aber so leise wie möglich die Kastenfalle zusammengeschraubt und mit dem Riss präpariert. Binnen einer Stunde ist alles bereit. Rückzug. Und nun heißt es warten.
Wird der Luchs in die Falle tappen? Meist entscheidet sich dies binnen ein oder zwei Nächten. Wenn es geschieht, meldet ein Satellitensender das Schließen der Falle innerhalb weniger Minuten per SMS auf das Handy des Forschers. Und wieder geht es sofort raus in die Nacht, um den gefangenen Luchs zu narkotisieren, zu untersuchen und schließlich ausgestattet mit einem Halsbandsender wieder in die Freiheit zu entlassen. Besonders im Herbst und Winter läuft die Fangsaison. Nur mit Hilfe der GPS-Telemetrie können wichtige Informationen zu den Streifgebietsgrößen und den Nahrungsgewohnheiten der Harzer Luchse gesammelt werden.

Gutes Material und gutes Team von Nöten

Diese Art der Arbeit braucht hervorragendes Material, ein gutes Team und starke Partner. Die Nationalparkverwaltung Harz freut sich, dass es mit Hilfe der Klara-Samariter-Stiftung vor dem Beginn des Herbstes gelungen ist, die Fangausrüstung zu verbessern. Ein neuer Projekt-Pickup ersetzt das alte Luchsmobil, das schon reichlich Kilometer auf dem Buckel hatte. Das Projektteam hofft außerdem, unter anderem mit einer speziell angefertigten, zerlegbaren Kastenfalle noch mobiler zu sein und den einen oder anderen Luchs überlisten zu können.