Der optimale Einsatz von Antibiotika

Prof. Dr. Jan R. Ortlepp.
 
Volles Haus bei der Fortbildungsveranstaltung der Asklepios Kliniken Schildautal.

Fortbildungsveranstaltung in den Asklepios Kliniken Schildautal regte fachliche Diskussionen an

An den Asklepios Kliniken Schildautal beschäftigt man sich seit mehreren Jahren intensiv mit der Frage des optimalen Einsatzes von Antibiotika. Seit Urzeiten sterben Menschen an Infektionserkrankungen. Erst seit einigen Generationen ist der eigentliche Zusammenhang mit den jeweiligen Erregern erkannt.

Durch Hygiene, Asepsis und Antibiotika haben in der westlichen Welt diese Erkrankungen ihren Schrecken verloren. Bei schweren Infektionen wie Lungenentzündung und Blutvergiftung (Sepsis) retten Antibiotika weiterhin unbestritten das Leben. Bei anderen Erkrankungen wie Bronchitis oder örtlich begrenzten Entzündungen jedoch nicht. Die unkritische Verordnung führte zu einer Selektion von immer resistenteren Erregern.
Auf einer vom Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Jan R. Ortlepp organisierten Fortbildungsveranstaltung wurde das Für und Wider des Antibiotikaeinsatzes diskutiert. Vorgestellt wurden neue Therapiekonzepte, welche unter anderem die Indikation wie auch die Dauer des Antibiotikaeinsatzes begrenzen. Insgesamt gibt es seit letztem Jahr neun neue Antibiotika-Präparate, die vor allem bei multiresistenten Erregern helfen, noch nicht alle davon sind in Deutschland zugelassen. Professor Ortlepp warnte jedoch gerade bei diesen Präparaten vor einem unkritischen Einsatz. „Neben Antibiotikaauswahl sind bei der Therapie der Sepsis viele unterschiedliche intensivmedizinische Maßnahmen notwendig. Diese richtig durchzuführen ist häufig wichtiger als nur ein absolut neues Präparat zu verordnen“, so der Experte.
Die Asklepios-Kliniken Schildautal sind in ihrem Engagement für Hygiene und Antibiotikasteuerung recht weit vorne. Das Antibiotikaprogramm der Schildautalklinik erfährt nun eine besondere Würdigung. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung unter Leitung von Seesen gemeinsam mit den Universitäten Göttingen und der RWTH Aachen werden die Ergebnisse demnächst als wissenschaftliche Originalarbeit im renommierten Deutschen Ärzteblatt publiziert. Die Erkenntnisse dieser Untersuchungen wurden nach einer ausführlichen Begutachtung für so essentiell gehalten, dass sie der deutschen Ärzteschaft bekannt gegeben werden.
Die Gruppe um Professor Ortlepp und Karen Scholze (Ärztin des Teams Krankenhaushygiene und Antibiotic Stewardship) konnte zeigen, dass eine deutliche Reduktion des Antibiotikaeinsatzes im Krankenhaus möglich ist und dabei die Prognose der Patienten sogar besser wird.
Ein weiteres Kooperationsprojekt federführend durch die Universität Göttingen zeigte, dass der Durchfallerreger Clostridium difficile in Seesen deutlich resistenter ist als derselbe Erreger zum Beispiel in Afrika, was an der häufigen Verordnung von Antibiotika liegt. Diese Ergebnisse werden im September dieses Jahres durch Professor Groß von der Uni Göttingen in San Diego auf einer internationalen Fachtagung vorgestellt.
Abschließend wurden die Empfehlungen des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes zur Diagnostik und Behandlung der Harnwegsinfekte, Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen vorgestellt. Am Ende der Veranstaltung gab es Gelegenheit, in fachlichen Diskussionen dieses wichtige Thema zu vertiefen.