„Der Papst wird respektiert und geachtet“

Bischof Friedrich Weber.

Braunschweiger Bischof Friedrich Weber zur Einführung des neuen Papstes

Der neue Papst Franziskus hat mit einer feierlichen Messe in Rom am Dienstag sein Amt angetreten. Hunderttausende Gläubige hatten sich dazu im Vatikan versammelt. In den Medien ist die Papstwahl seit Wochen prominentes Thema mit weltweitem Echo. Evangelische Christen müssen dennoch nicht neidisch darauf sein, dass ihnen eine so zentrale Gestalt fehlt, sagt der Braunschweiger Bischof Friedrich Weber im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Der evangelische Bischof ist Catholica-Beauftragter und damit der Ökumene-Experte der deutschen Lutheraner.

Welche Funktion hat der Papst eigentlich für evangelische Christen?

Friedrich Weber: Der Papst ist das Oberhaupt einer befreundeten und mit uns verbundenen Kirche. Er wird respektiert, wie ein angesehenes Familienmitglied. Als solches achten wir ihn, und lassen uns auch anregen vom dem, was er sagt. Aber er ist nicht Sprecher der evangelischen Kirche. In der Öffentlichkeit wird er manchmal aber als Sprecher wahrgenommen, so dass er ohne Mandat etwas für uns mitsagt. Manchmal ist das sogar gut, etwa als es um deutliche Worte zum Irak-Krieg ging oder in Zukunft möglicherweise in der Armutsfrage.

Ist denn eine Papstwahl auch für die evangelischen Kirche wichtig?

Friedrich Weber: Es ist sehr wichtig für die Kultur des Miteinanders, wer an der Spitze steht und dort Signale setzen kann. Johannes XXIII. etwa hat in seiner kurzen Amtszeit mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahr 1962 die Öffnung in die Ökumene eingeleitet und viel bewirkt. Das ist etwas anderes, als wenn jemand sagt, die anderen Kirchen sind nicht Kirche im eigentlichen Sinne, wie es Benedikt XVI. getan hat. Die Person ist wichtig für das Miteinander und auch für die öffentliche Wahrnehmung. Es kommt auch darauf an, wie jemand die Haltung der Menschen wahrnimmt und damit umgeht.

Die heutige Einführung des Papstes ist nur eine Episode von weltweit in den Medien begleiteteten Ereignissen rund um die Papstwahl mit zumeist positivem Grundton. Kann das die evangelische Kirche neidisch machen?

Friedrich Weber: Eindeutig nein. Die katholische Kirche hat so viel Mühe gehabt und hat sie immer noch, besonders auch in Deutschland, wo sie unter anderem wegen der Missbrauchsfälle in die Kritik geraten war. Das betrübt uns mit, denn wir gehören ja irgendwo zusammen. Genauso gibt es auch Situationen, da freuen wir uns mit, und so sollte es auch in umgekehrter Richtung unter Geschwistern sein.