Der Traum vom schnell verdienten Geld ...

...platzte für eine junge Seesenerin gestern vor dem Amtsgericht aufgrund des Vorwurfs der Produktpiraterie

Wer wünscht es sich nicht, eine Geschäftsidee zu haben und damit in kurzer Zeit großen Erfolg zu haben. Diesen Wunsch hegte auch eine 27-jährige Frau aus Seesen. Sie machte sich mit einem Onlineshop selbständig, verkaufte T-Shirts von renommierten Markenherstellern und machte in kurzer Zeit den großen Reibach.

Der Haken an ihrer Geschäftsidee war eigentlich nur, dass es sich bei den Bekleidungsstücken um Fälschungen handelte. Gestern, und zudem noch an ihrem Geburtstag, wurde der Fall vor dem Amtsgericht wegen Markenrechtsverletzungen in Seesen verhandelt. Nach dem Abitur begann die 28-jährige Seesenerin eine Ausbildung in der Medienbranche wurde schwanger und brach die Lehre vorzeitig ab. Vom Kindsvater verlassen ohne eigenes Einkommen suchte die junge Frau eine Möglichkeit Geld zu verdienen. Dank der grenzenlosen Möglichkeiten, die das Internet heute bietet, war eine Geschäftsidee schnell gefunden. Die Seesenerin machte sich mit einem Onlineshop beim Auktionshaus Ebay selbständig.
Durch den Einkauf bei einer Restpostenplattform knüpfte die Angeklagte erste unternehmerische Verbindungen. Über diese Plattform bezog die 27-Jährige in der Folge Bekleidungsstücke von renommierten Herstellern wie Ed Hardy und La Martina zu unglaublich günstigen Konditionen. Für Einkaufspreise zwischen 20 und 35 Euro erstand sie beispielsweise T-Shirts von Ed Hardy. In einem regulären Einzelhandelsgeschäft werden für ein angesagtes Ed Hardy T-Shirt bis zu 150 Euro fällig. Beim Internetauktionshaus Ebay stellte die Jungunternehmerin die T-Shirts ein und erzielte innerhalb kürzester Zeit enorme Verkaufserfolge. Die Kunden steigerten wie wild bei den Angeboten mit, was auch die Angeklagte zunächst stutzig machte. Doch vom Erfolg angestachelt und in dem Glauben eine super Geschäftsidee gefunden zu haben, verstärkte sie ihr Engagement und deckte sich mit großen Mengen an Oberbekleidung ein.
Innerhalb nur eines Jahres, genauer in der Zeit vom 8. August 2008 bis 5. Mai 2009, stellte die junge Frau Waren im Wert von 158.951,60 Euro in ihrem Onlineshop auf Ebay ein. Allein von der Marke Ed Hardy verkaufte die junge Frau 1076 Einheiten für insgesamt 76352 Euro.
Eigentlich wäre dies eine Geschichte von einer unglaublichen Karriere, würde nicht der Vorwurf der Produktpiraterie im Raum stehen. Bei der über die Restpostenplattform erstandenen Waren handelte es sich nämlich um gefälschte Ware. Die Angeklagte beteuerte vor Gericht, dass sie nichts von den Fälschungen gewusst habe. Sogar ein lizenzierter Händler aus Zürich hätte ihr die Echtheit der Ware bestätigt.
Auf die Frage des Richters und des Staatsanwaltes, ob sie bei den unglaublich günstigen Einkaufspreisen nicht skeptisch geworden sei, antwortete die Angeklagte immer wieder, sie sei nicht davon ausgegangen, dass es sich um gefälschte Ware handelte.
Trotz der Beteuerungen der Angeklagten, nichts von den Plakiaten gewusst zu haben, unterstellte ihr die Staatsan- waltschaft vorsätzlich gehandelt zu haben. Sie habe die Tatsache, dass es sich um Fälschungen handelte, billigend in Kauf genommen, um ihr eigenes Unternehmen in die Erfolgsspur zu bringen. Des Weiteren gelte auch in diesem Zusammenhang der Grundsatz „Unwissenheit schütze vor Strafe nicht“. Auch, wenn die Angeklagte angeblich nichts von den Fälschungen gewusst hat, muss sie sich für ihr Verhalten verantworten. Richter und Staatsanwalt räumten der Angeklagten jedoch die Möglichkeit ein, den Vorsatz einzugestehen, und somit einem langwierigen und vor allem sehr kostenintensiven Verfahren zu entgehen. Nach eingigem Zögern nahm die Angeklagte nach Rücksprache mit ihrem Verteidiger das „Angebot“ der Staatsanwaltschaft und des Gerichts, eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die für drei Jahre auf Bewährung auszusetzen ist, an. Richter Rüger schloss die Sitzung mit der Bemerkung, dass sich die junge Frau um eine seriöse Arbeit kümmern sollte. Weiter fügte er hinzu, dass es doch von Anfang an sehr unwahrscheinlich sei, ohne Ausbildung und profundes Wissen, ein erfolgreiches Unternehmen aus dem Boden zu stampfen. Die naive Herangehensweise hätte sie nämlich fast ruiniert.