Der Zirkus verabschiedet sich

Der große Tag: Zur Entlassfeier für den Abiturjahrgang 2015 kamen viele Angehörige und Gäste in die Aula des Schulzentrums.

Entlassfeier für Abiturjahrgang 2015 des Jacobson-Gymnasiums / 54 Absolventen nehmen Reifezeugnis in Empfang

Abschied nehmen von einem der „heißesten“ Abitur-Jahrgänge seit Bestehen des Jacobson-Gymnasiums hieß es am vergangenen Freitag. Bei Außentemperaturen um die 33 Grad Celsius wurde die Aula des Schulzentrums zum Glutofen. Doch es gab während der zwei Stunden währenden Entlassfeier Linderung für alle Beteiligten. Die gehaltenen Reden hatten hohen Unterhaltungswert und waren vor allen Dingen eines – erfrischend!

Den Anfang machte nach dem musikalischen Auftakt durch Alexandra Hegemann am Klavier wie gewohnt Oberstufenkoordinator Gerd Stegemann. Er konnte neben den Abiturienten und deren Angehörigen unter anderem auch den 2. stellvertretenden Bürgermeister der Stadt, Norbert Stephan, sowie den stellvertretenden Bürgermeister der Samtgemeinde Lutter, Bernd-Dieter Günther, willkommen heißen. Stegemann hielt seine Ansprache bewusst kurz und nutzte das als Aufhänger für die Feststellung, dass Kürze auch ein Markenzeichen dieses Abijahrgangs gewesen sei. So hätten beispielsweise die individuellen Vorbereitungen auf die Prüfungen auch erst kurz vor selbigen begonnen, und die Bitte um Grußworte für die Abizeitung sei erst unmittelbar vor deren Erscheinen auf den Weg gebracht worden. Das letztlich bei 16,1 Prozent der Absolventen eine 1 vor dem Komma stehe, sei erfreulich.
Schulleiter Stefan Bungert thematisierte anschließend den Sinn von Schule und die Frage nach Unterrichtsinhalten. Eine entsprechende bundesweite Debatte sei durch eine Kölner Abiturientin ausgelöst worden, die angab, zwar eine Gedichtanalyse in vier Sprachen schreiben zu können, aber mit 18 Jahren keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen zu haben. Bungert warf einen Blick in das Niedersächsische Schulgesetz und fand dort die beiden zentralen Begriffe „Persönlichkeitsbildung“ und „Vermittlung von Wertvorstellungen“ als Aufgabe von Schule. „Damit leistet sie einen Beitrag zur Selbstbildung des Menschen, zur Formung und Entfaltung von Körper, Geist und Seele, von Talenten und Begabungen, die den einzelnen zu einer entwickelten Individualität und zu einer selbstbewussten Teilnahme am Gemeinwesen und seiner Kultur führen sollen“, so der Oberstudiendirektor. Es gehe darum, den Wunsch zu entwickeln, Dinge um ihrer selbst willen verstehen zu wollen, es gehe um die Frage nach dem Wesen der Dinge und nicht um die Frage, wozu sie gut sind. Es gehe nicht darum, mehr oder weniger praktisches Alltagswissen zu vermitteln, sondern vielmehr darum, eine Haltung zur Welt und zu sich selbst zu erwerben. Daher hoffe er, Bungert, dass es die Absolventen ihrer Schule nachsehen, wenn sie ihnen nicht beigebracht habe, „wie man einen Schrank zusammenbaut, eine Steuererklärung macht oder einen Mietvertrag abschließt“.

Im Beobachter vom 6. Juli gibt es den Beitrag in voller Länge.