Deutsch-polnische Partnerschaft „macht Schule“

Die Direktorin der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“, Barbara Zakrzewska, „Lebenshilfe“-Vorsitzender Hans-Werner Ohlsen (beide Foto links): Kleiner Empfang zum Auftakt der mehrtägigen Begegnung in Seesen.
 
Im Rahmen des „Aktionstages 50 Jahre Lebenshilfe Niedersachsen“ in Hannover schauten die polnischen Gäste auch am Cocktail-Stand vorbei, mit dem sich die „Lebenshilfe Bad Gandersheim – Seesen“ an der Großveranstaltung beteiligt hatte. (Foto: Klemme)

„Lebenshilfe“- Projekt erweist sich als Wegbereiter – Begegnung in Seesen mit Teilnahme am Hannoveraner Aktionstag

Diese Partnerschaft scheint auf dem allerbesten Wege, im wahrsten Sinne des Wortes „Schule zu machen“. Denn die zunächst eher lockeren freundschaftlichen Kontakte, die zwischen der „Kurparkschule“ der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ und der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“ in dem rund 650 Kilometer entfernten Kozminer Stadtteil Borzeciczki am 30. März vergangenen Jahres im Rahmen eines Festaktes offiziell in eine Schulpartnerschaft einmündeten, und die sich seither prächtig entwickeln, stoßen auch bei anderen auf ein immer größeres Interesse. Da hatte es sich beispielsweise Inka Gerke, Vorstandsmitglied der „Lebenshilfe Alfeld“, nicht nehmen lassen, im Rahmen der jüngsten Begegnung von Schülerinnen und Schülern beider Einrichtungen in der vergangenen Woche in Seesen, die sich bietenden Möglichkeiten mit dem Ziel auszuloten, die Weichen für eine Partnerschaft zwischen einer polnischen Schule für geistig und lernbehinderte Schüler und einer entsprechenden Schule in Alfeld zu stellen; zeichnet sich ab, dass es auch zwischen einer Seesener Stadtteil-Grundschule sowie einer polnischen Grundschule im Bereich von Oppeln zur Begründung einer Schulpartnerschaft kommen könnte.
Für den Vorsitzenden der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“, Hans-Werner Ohlsen, den Geschäftsführer, Bernward Steinkraus, sowie die Direktorin der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“, Barbara Zakrzewska, Anlass genug, eine erfreuliche Bilanz zu ziehen. Und das – wie sie im Rahmen eines kleinen Empfangs in den Räumen des „Lebenshilfe“-Kindergartens in Bad Gandersheim zum Auftakt des mehrtägigen Aufenthaltes betonten – „offensichtlich nicht nur mit Blick auf die eigene positive Entwicklung der Schulpartnerschaft“. Letzterer dürfte dabei, da sie „vor allem durch die Begegnung der Schülerinnen und Schüler untereinander, und nicht in erster Linie von den Repräsentanten auf der administrativen Ebene mit Leben erfüllt werde“, nach den Worten von Barbara Zakrzewska „eine gute Zukunft beschieden sein“.
Ein weiteres deutliches Zeichen setzten beide Schulen nun am Donnerstag vergangener Woche, als sich sechs Schülerinnen und Schüler der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“ – begleitet von Barbara Zakrzewska sowie den beiden Pädagogen Malgorzata Michalsko und Rafat Klinkosz – auf Einladung der „Lebenshilfe“ auf den Weg nach Seesen machten.
Dass die Seesener Gastgeber für ihre Gäste, die dieses Mal in der Musikakademie Altgandersheim untergebracht worden waren, erneut ein zwar kleines, dafür aber feines und abwechslungsreiches Programm vorbereitet hatten, versteht sich von selbst.
Eingeläutet mit einem Grill­abend nach der Ankunft am Donnerstag, stand am Freitag die gemeinsame Begegnung der Schülerinnen und Schüler in der Seesener „Kurparkschule“ im Mittelpunkt. Hier nahmen die polnischen Jugendlichen am Unterricht teil, bevor zu nachmittäglicher Stunde die Besichtigung eines Bergwerkes in Lautenthal angesagt war. Die Direktorin der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“ und die Spitzenvertreter der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ gaben sich bei der offiziellen Einweihung der Tagesförderstätte für Schwerst-Mehrfachbehinderte in den „Lammetal-Werkstätten“ in Lamspringe – einem in der Tat ehrgeizigen Millionen-Projekt – die Ehre.
Ganz im Zeichen des „Aktionstages 50 Jahre Lebenshilfe Niedersachsen“ dürfte schließlich der Sonnabend gestanden haben. Rund um die „Marktkirche“ in Hannover hatten nahezu 40 Gruppen aus zahlreichen niedersächsischen „Lebenshilfe“-Vereinen ein vielfältiges Programm gestaltet; zogen unter anderem die Musik-, Tanz- und Theateraufführungen auf drei Bühnen, eine Kunstausstellung in der „Marktkirche“, das attraktive Kinderprogramm sowie die Informationsstände der Mitgliedsorganisationen viele tausend Besucher in ihren Bann. Zu ihnen zählten auch die sechs polnischen Schüler und deren Lehrer.
Sie hatten am frühen Vormittag von Altgandersheim aus die niedersächsische Landeshauptstadt angesteuert, sich dort beherzt in das bunte Treiben gestürzt, und natürlich auch einmal an jenem Cocktail-Stand vorbeigeschaut, mit dem sich die „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ am Aktionstag der „Lebenshilfe“ aktiv beteiligte. Ihr besonderes Interesse galt den Musik- und Theateraufführungen, von denen sie „restlos begeistert waren“.
„Gar nicht so begeistert“ waren sie dagegen davon, sich bereits am frühen Sonntagmorgen wieder auf den Rückweg nach Kozmin machen zu müssen. „Wir wären gern noch etwas länger geblieben, um die Kontakte, die wir knüpfen konnten, noch ein bisschen zu vertiefen“, ließen sie ihre Gastgeber denn auch durch Ewa Zgierski, die Leiterin des Integrations-Kindergartens in Bad Gandersheim, wissen, die – wie schon in der Vergangenheit – abermals für die Überwindung der sprachlichen Barrieren verantwortlich zeichnete.