Deutsch-polnische Schulpartnerschaft vertieft

Schüler der „Kurpark-Schule“ waren „Weihnachts“-Gäste in Kozmin – Positiv-Bilanz gezogen

Tränen zum Abschied, das Versprechen, sich möglichst bald wiederzusehen, und die über­einstimmende Feststellung, dass sich die deutsch-polnische Schulpartnerschaft immer mehr festigt – die Bilanz, die noch im „alten“ Jahr mit Blick auf die Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen der „Specjalny Osrodek Szkolno Wychowawczy“, einer Schule mit angegliedertem Internat im Kozminer Stadtteil Borzeciczki, und der „Kurpark-Schule“ der „Lebenshilfe Bad Gandersheim – Seesen“ gezogen werden konnte, fiel – erwartungsgemäß – positiv aus. Diese Partnerschaft, die bekanntlich erst Ende März vergangenen Jahres begründet wurde, sei „weiterhin auf einem sehr guten Weg“, verlautete denn auch von polnischer und von deutscher Seite; eine Einschätzung, die sich nicht nur auf die jüngste Begegnung von Schülern beider Einrichtungen erstreckte.
Nicht von ungefähr hatten sich die verantwortlichen Pädagogen beider Schulen vor einigen Wochen darauf verständigt, den Schüleraustausch, zu dem sich kurz vor Weihnachten sieben Jungen und Mädchen der Klassenstufe II der „Kurpark-Schule“ im Alter von elf bis 14 Jahren mit ihren Betreuern auf den Weg in die polnische Stadt Kozmin machten, für die Adventszeit zu terminieren. „Wir wollten damit sicherstellen, dass sich die Schüler ohne Leistungsdruck und in einer lockeren und entspannten Atmosphäre begegnen“, hieß es, und: „Ebenso wichtig war uns aber auch, den Schülern aus Deutschland einmal hautnah zu vermitteln, wie sich polnische Familien auf das Weihnachtsfest vorbereiten.“
Dass dieses Konzept von der ersten Minute des Zusammentreffens an aufgegangen sei, das bestätigte unter anderem die Dolmetscherin, Ewa Zgierski, Leiterin des Integrationskindergartens in Bad Gan­dersheim, in einem Gespräch mit dem „Beobachter“. Gemeinsam mit einer Klasse polnischer Schülerinnen und Schüler, deren Lehrern sowie einem Förster hätte man beispielsweise bereits am ersten Tag in einem nahe gelegenen Wald einen Weihnachtsbaum ausgesucht und gefällt, an­schließend Tiere im Rahmen einer Wildfütterung beobachtet und am Lagerfeuer viel Wissenswertes über die Flora und Fauna in den polnischen Wäldern erfahren.
Besagter Weihnachtsbaum nun stand in den darauf folgenden Tagen immer wieder im Mittelpunkt kreativer Aktivitäten. Da wurden zunächst einmal aus einfachsten Materialien und mit viel Liebe zum Detail Blumen, Sterne und lange Ketten aus farbigem Papier gebastet, galt es später dann, die Tanne zu schmücken. Darüber hinaus traf man sich in der Küche, um gemeinsam Kekse zu backen.
In den „Pausen“ wiederum sorgten Kennenlern-Spiele in der großen Aula des historischen Schlosses, die Besichtigung eines benachbarten Reiterhofes, Kutschfahrten durch die Felder und Wälder rund um Kozmin und der Besuch einer Fabrik, in der Tannenbaumkugeln hergestellt werden, für viel Abwechslung – „Langeweile“, so erinnert sich Ewa Zgierski, „konnte da nicht aufkommen“.
Was Wunder, wenn der Besuch der Fabrik, und dann auch noch in der Vorweihnachtszeit, auf das besondere Interesse bei den Jungen und Mädchen stieß, zumal jeder Schüler die Möglichkeit hatte, (s)eine Weihnachtsbaumkugel individuell zu verzieren – mit Glimmer, Glitter oder aber dem eigenen Namen.
Am letzten Abend des mehrtägigen Aufenthaltes schließlich wurde – wenngleich einige Tage zu früh – Weihnachten in bester polnischer Tradition gefeiert. Mit Heu, das die Krippe symbolisierte, auf den weißen Tischtüchern, mit gemeinsam gesungenen Weihnachtsliedern, mit der Bescherung, die natürlich ebenfalls nicht fehlen durfte, und – mit immerhin sechs Gerichten. „Eigentlich serviert man am Heiligen Abend zwölf verschiedene Gänge“, wusste Ewa Zgierski zu berichten, denn schließlich würde es auch zwölf Apostel geben. Doch selbst mit dem „halbierten“ Angebot an kulinarischen Köstlichkeiten hatten die Schüler arg zu kämpfen.
Kein Problem dagegen hatten sie mit der nonverbalen Kommunikation. „Die Jungen und Mädchen“ – so freuten sich die Betreuer – „gingen ohne jedes Vorurteil aus sich heraus und aufeinander zu. Und das mit der Folge, dass die Verständigung trotz der Sprachbarrieren hervorragend klappte.“
Sicher ist: Die allgegenwärtige Selbstverständlichkeit, mit der die polnischen und deutschen Schüler auch auf für sie neue und ungewohnte Situationen reagierten, macht den Pädagogen beider Schulen nach eigenem Bekunden Mut, auf diesem erfolgreichen Weg weitergehen zu wollen.
Und so wurde denn auch schon am ersten Tag nach den Weihnachtsferien im Kollegium der „Kurpark-Schule“ darüber diskutiert, wie die Schulpartnerschaft nicht nur gefestigt, sondern noch ausgebaut werden könnte. Dass die Begegnung von Schülern auch künftig im Mittelpunkt stehen wird, steht dabei außer Frage; flexibler will man allerdings bei der Wahl der Orte sein, an denen man sich trifft. „Es muss ja nicht immer Seesen oder Kozmin“ sein, hieß es dazu.