Die andern Bäume färbste, was färbste nicht mal mich?

Moderierte: Marianne Wadsack.
 
Salvatore LoRe hatte bei der Bewirtung der Gäste gut zu tun.

Herbstlyrik meets Klaviermusik – Musikcafé im Markthaus bei Schwager

Seesen (bo). Am 1. November war das Wetter nicht grau und regnerisch wie sonst im November, sondern sonnig und für die Jahreszeit ziemlich mild. Dazu passte auch das Programm dieses Musikcafés, das Marianne Wadsack zusammen mit Maria Emilia Zamfir zusammengestellt hatte. Im Rahmen der Woche „Steinway für Jedermann“ hatte der Arbeitskreis „Jung und Alt“ in Kooperation mit der Stadtmarketing Seesen eG, der AWO und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband am 1. November um 15 Uhr zum Musikcafé eingeladen. Zur Einstimmung spielte Maria Emilia Zamfir „Comptine d’un autre été – L’après-midi“ von Yann Tiersen aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Dieses Stück passt sehr gut zur Stimmung des Herbstes, und man stellt sich beim Hören dieser Musik vor, wie man an einem sonnigen Tag im Wald spazieren geht und die bunten Blätter fallen sieht. Da diese Jahreszeit so abwechslungsreich und vielseitig ist, hat sie zahlreiche Dichter und Musiker inspiriert. Marianne Wadsack, die den Nachmittag moderierte, hat die Gedichte und Klavierstücke so zusammengestellt, dass die Zuhörer alles, was zum Herbst gehört, nacherleben können – von der Ernte, dem „goldenen“ Frühherbst, der besinnlichen Vorweihnachtszeit bis hin zur Zeit des Abschiednehmens – mit der Perspektive auf den Neubeginn. Zu hören gab es auch viele unterschiedliche Gedichte wie zum Beispiel den „Septembermorgen“ von Eduard Mörike, die „Goldene Welt“ von Georg Britting, Friedrich Hebbels „Herbstbild“, „Herbst“ von Theodor Storm und „Frühherbst“ von Agnes Miegel – Gedichte zum Thema Herbst als die goldene Jahreszeit und Zeit der Ernte. Das „Herbstlied“ von Luise Büchner, der „Herbsttag“ und „Herbst“ von Rainer Maria Rilke stimmen auf den Abschied vom Sommer ein – im übertragenen Sinne auch auf den Abschied von Vertrautem und Liebgewonnenem, das man loslassen sollte, um sich auf Neues einzulassen. Ein Gedicht, das dieses Thema auf humorvolle Weise behandelt, ist „Der Herbst steht auf der Leiter“ von Peter Hacks. Der Herbst wird als Maler dargestellt, der fleißig „pinselt und kleckst“, doch dabei die Tanne vergisst, die sich lautstark beschwert: „Das ist ja fürchterlich, die andern Bäume färbste, was färbste nicht mal mich?“ Dafür durfte sie allerdings auch ihre Nadeln behalten. Themen wie Trauer und Abschied stimmen melancholisch, wozu Gedichte wie „Der November“ von Erich Kästner, „November 1914“ von Hermann Hesse und „November“ von Elisabeth Borchers passen, wobei Elisabeth Borchers’ Gedicht auf den Advent einstimmt. Über den Herbst als Lesezeit hat sich Eugen Roth mit seinem Gedicht „Letteritis“ mit ein wenig Selbstironie Gedanken gemacht. Wer kennt das nicht – das Wetter draußen ist schlecht, und eigentlich könnte man mal wieder lesen. Dann steht man ratlos vor dem Bücherregal, und nichts will einem als passend erscheinen.
Zu den Gedichten, die Marianne Wadsack, Charlotte Freyer, Gerda Thiele und Hanneheide Mielinski vorgelesen hatten, gesellten sich klassische und modernere Klavierstücke von Beethoven und Schubert bis Enya und Daniel Hellbach, die die Stimmung der Gedichte auf den Punkt trafen. Gespielt wurden sie von Maria Emilia Zamfir und Marianne Wadsack, und obwohl es nicht so einfach war, gegen die Geräuschkulisse der Rolltreppe anzuspielen, ist das beiden Klavierspielerinnen ganz hervorragend gelungen.
Das Publikum war allerdings nicht nur zum Zuhören eingeladen, sondern durfte auch ein Volkslied mit Klavierbegleitung mitsingen, nämlich „Bunt sind schon die Wälder“, was dank des ausgeteilten Liedtextes auch prima gelang. Versüßt wurde der Nachmittag mit einer Tasse Kaffee und einer großen Kugel Eis für jeden, was die Stadtmarketing Seesen eG spendierte. Auch Marianne Wadsack hatte einen hübschen Herbstkorb zurechtgemacht, aus dem sich am Schluss der Veranstaltung jeder einen Apfel, eine Quitte oder eine andere Herbstfrucht nehmen konnte. Den Mitwirkenden im Programm überreichte sie als kleines Dankeschön eine Rose.
Möglich gemacht hat die „Steinway für Jedermann“-Woche das Klavierhaus Döll, das Flügel an drei Standorten in der Seesener Innenstadt aufstellte und zu einem Preisausschreiben einlud. Zu gewinnen gab als ersten Preis ein Leihklavier für drei Monate.
Auch im nächsten Jahr plant der Arbeitskreis „Jung und Alt“ ein Lesecafé am 24. Januar 2012 in der Grundschule am Schildberg zum Thema „Phaeno – Wissenschaft zum Anfassen“ und freut sich auf zahlreiches Erscheinen. Bei Fragen oder für weitere Informationen stehen dessen Mitglieder Ute Albrecht, Telefon (05381) 491807, und Christiane Berndt-Knop, Telefon (05381) 948064, zur Verfügung.