Die Asklepios Kliniken Schildautal bleiben Akademisches Lehrkrankenhaus

Heranführung an die Berufspraxis eines Assistenzarztes: PJ-Studierende (v.l.) Johann Kulikovski und Jonas Jautz mit PJ-Beauftragten Dr. med. Rudolf Brodhun im Unterricht.

Medizinstudenten lernen ihr Handwerk weiterhin auch in Seesen. Am 25. September 2013 wurde ein neuer Kooperationsvertrag mit der Universität Göttingen abgeschlossen.

In Deutschland müssen Medizinstudenten im letzten Studienjahr in einer Universitätsklinik oder in einem akademischen Lehrkrankenhaus tätig sein. Praktischer und theoretischer Unterricht sind durch definierte Unterrichtspläne festgelegt. Die Auswahl und Kontrolle der Lehrkrankenhäuser obliegt der Medizinischen Fakultät einer Universität. Die Klinik Schildautal in Seesen wurde 1978 von der Universität Göttingen zum Akademischen Lehrkrankenhaus für die Fächer Neurologie und Neurochirurgie ernannt. Später kamen die Innere Medizin und aktuell die Chirurgie hinzu. Von den Studierenden wurden die Asklepios Kliniken Schildautal stets mit guten Noten für die Betreuung bedacht.

Anfang 2013 wurden die bestehenden Kooperationsverträge mit den Akademischen Lehrkrankenhäusern von der Universität Göttingen, mit dem Ziel einer Neuausrichtung der Zusammenarbeit, gekündigt. Die Neuanträge zur zukünftigen Zusammenarbeit verlangen eine detaillierte Darstellung der Krankenversorgung, der klinischen Forschung und der Lehr- und hochschuldidaktischen Konzepte.

Die Asklepios Kliniken Schildautal konnten mit ihrem Neuantrag die Medizinische Fakultät der Universität Göttingen überzeugen. Auch erkannte die Universitätsklinik Göttingen die bisher vor allem in der Neurologie geleistete Arbeit an, denn die mit Abstand meisten Studenten wurden bisher in Seesen in der Neurologie ausgebildet. Auch waren die Studenten aufgrund von Evaluationsergebnissen mit der Ausbildung in Seesen besonders zufrieden. Entsprechend schloss die Universitätsklinik Göttingen mit den Asklepios Kliniken Schildautal am 25.9.2013 einen neuen Kooperationsvertrag für 3 Jahre ab. Für eine Verlängerung ist wieder ein Neuantrag notwendig.

Jedes Akademische Lehrkrankenhaus benennt einen PJ-Beauftragten. Dieses ist seit 2002 der Chefarzt der Neurologischen Klinik, Herr Dr. med. Rudolf Brodhun. Als PJ-Beauftragter der Asklepios Kliniken Schildautal ist er maßgeblich für die Ausbildung verantwortlich. Er stand für Fragen zum Thema praktisches Jahr, akademische Lehrkrankhäuser und dem neuen Kooperationsvertrag mit der Universitätsklinik Göttingen dem „Beobachter“ Rede und Antwort.

Was genau sind Akademische Lehrkrankenhäuser?

Akademische Lehrkrankenhäuser sind Krankenhäuser, die von den Universitätskliniken einen Teil der Medizinausbildung übernehmen, das sogenannte Praktische Jahr. Akademische Lehrkrankenhäuser leisten einen wichtigen Beitrag in die fundierte Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses.

Seit wann genießen die Asklepios Kliniken Schildautal den Status eines akademischen Lehrkrankenhauses?

Die Asklepios Kliniken Schildautal sind seit 1978 akademisches Lehrkrankenhaus der Universitätsklink Göttingen. Damals noch als Fachkrankenhaus Klinik Schildautal unter der Trägerschaft der AWO mit den Abteilungen Neurologie und Neuropsychiatrie, Neurochirurgie, Gefäßchirurgie und Anästhesiologie, also ohne Innere Medizin und Chirurgie. Entsprechend wurden früher auch nur die Wahlfächer Neurologie und Neurochirurgie angeboten. Es war damals nicht einfach mit reinen Wahlfächern Lehrkrankenhaus zu werden. Zu verdanken ist dies meinem Vorgänger Herrn Prof. Volles, der vor seiner hiesigen Tätigkeit an den Göttinger Universitätskliniken arbeitete. Als das Städtische Krankenhaus in die Asklepios Kliniken Schildautal integriert wurde, konnten auch die Pflichtfächer Innere Medizin und jetzt aktuell auch Chirurgie angeboten werden.

„PJ“ steht für das Praktische Jahr. Was versteht man darunter?

Das praktische Jahr findet im letzten Ausbildungsjahr des Medizinstudiums statt. In dieser Zeit sollen die Studierenden, als Vorbereitung auf eine spätere selbstständige Tätigkeit, die im bisherigen Studium erworbenen ärztlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vertiefen und erweitern. Im Mittelpunkt steht nun die Ausbildung am Patienten durch einen praxisbezogenen Unterricht am Krankenbett. Das Praktische Jahr gliedert sich in drei Ausbildungsabschnitte von je 16 Wochen (Tertiale). Zwei Tertiale umfassen die Pflichtfächer Innere Medizin und Chirurgie, das dritte Tertial, das sogenannte Wahlfach, umfasst die anderen medizinischen Fächer und wird von den Medizinstudenten selbst gewählt. Hier in Seesen werden neben den Pflichtfächern Innere Medizin und Chirurgie die Wahlfächer Neurologie und Neurochirurgie angeboten.

Sind PJ-Studierende im täglichen Umgang mit den Patienten eingebunden?

Ja, selbstverständlich. Nach einer Einarbeitungszeit versorgen sie in der Neurologie selbständig bis zu 5 Patienten unter Anleitung und Supervision der Stations- und Oberärzte sowie des Chefarztes.

Was ist ein PJ-Beauftragter und seit wann sind Sie PJ-Beauftragter der Klinik?

Der PJ- Beauftragte, früher hieß er Vertrauensdozent, ist ständiger Ansprechpartner der Medizinischen Fakultät Göttingen und hat die studentische Ausbildung mit der Universität abzustimmen. Ich bin seit 2002 als Chefarzt der Neurologischen Klinik PJ-Beauftragter. Mein Vorgänger in dieser Funktion war Herr Prof. Volles, ehemals Leitender Arzt der Neurologie.

Bekommen die Studenten im Praktischen Jahr ein Gehalt oder andere Zuwendungen?

Den PJ-Studierenden wird an unserer Klinik ein Wohnraum zur Verfügung gestellt und es wird ihnen eine vergünstigte Verpflegung gewährleistet. Auch bekommen sie ein Ausbildungsgeld, das üblicherweise 400 Euro pro Monat beträgt.

War es selbstverständlich, dass Seesen den Status eines Akademischen Lehrkrankenhauses behält?

Das war es sicherlich nicht. Von den bisher 39 Akademischen Lehrkrankenhäusern der Universitätsklinik Göttingen konnten diesen Status aufgrund der Neuanträge nur 19 behalten. Wir freuen uns, dass wir die Universität mit unseren Konzepten und der bisher geleisteten Arbeit überzeugen konnten. Die Asklepios Kliniken Schildautal bleiben damit weiter ein Akademisches Lehrkrankenhaus.