Die Buschtrommel: „Entspannen Sie auch schon bei feinsten Düften?“

Die „Beobachter“-Kolumne zum Wochenende

Von Maximilian Strache

Kennen Sie das auch? Diese Frage an der Supermarkt-Kasse. „Das macht 14,32 Euro. Haben Sie eine Deutschland- oder Payback-Karte?“ Sicher kennen Sie das, denn es gibt ja inzwischen keinen Super-, Bau- oder Möbelmarkt mehr, indem nicht diese obligatorische Frage gestellt wird. Ich habe keine Payback- oder Deutschlandkarte, und ich werde mit Sicherheit auch nie eine besitzen. Denn bei diesen Kundenbindungsinitiativen handelt es sich um nichts anderes als um eine weitere Masche der Marktforschungsunternehmen, um an wertvolle persönliche Daten zu gelangen. Zahlen Sie lieber mit Karte oder in Bar? Die Marktforschungsunternehmen wissen das. Und die wissen auch, um welche Zeit Sie einkaufen. Die wissen auch, ob Sie lieber Kondome oder Bananen kaufen. Die wissen im Endeffekt alles, was Sie so im Supermarkt umtreibt. Natürlich werden all diese Daten vertraulich behandelt. Ist doch klar. Deshalb gibt es ja auch so wenige Datenskandale. Und wenn ich dann an der Supermarkt-Kasse stehe und die Frage der Kassiererin verneinen muss, komme ich mir wie ein Außenseiter vor. Da ich ja kein Interesse an dieser offensichtlich großartigen Erfindung habe. Ich habe demnach auch kein Interesse an wertvollen Prämien, starken Partnern, tollen Angeboten und persönlichem Service, wie es mir auf der Internetseite der „Deutschlandcard“ schmackhaft gemacht wird. Natürlich habe ich Interesse an diesen Dingen. Aber nicht zu dem Preis, den ich dafür zahlen soll. Schauen wir uns doch einfach mal den Begriff „Payback“ an. „Payback“ ist Englisch, logisch. Doch was bedeutet „Payback“ eigentlich? Geht es um Finanzen, wird der Begriff mit „Rückzahlung“, „Amortisation“ oder „Rückerstattung“ übersetzt. Der Begriff ist also durchweg positiv besetzt. Ich kriege was zurück, wenn ich beim Einkauf meine „Payback-Karte“ vorlege. Doch es gibt auch eine andere Übersetzung. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird „Payback“ mit Begriffen wie „Rache“ oder „Heimzahlen“ übersetzt. Soll das also heißen: Wenn ich meine „Payback-Karte“ benutze, habe ich etwas Schlimmes zu befürchten? Ich würde das bejahen. Denn mit der Nutzung von Deutschland- oder Payback-Karte gebe ich unglaublich viele persönliche Informationen von mir preis, die genutzt werden, um mir noch mehr Geld aus den Rippen zu leiern. Es ist noch gar nicht so lange her, da sind die Leute auf die Straße gegangen und haben um die Wahrung ihrer persönlichen Daten gebangt. Das war Anfang der 80er Jahre. Da wurde zu einer großen Volkszählung und Befragung aufgerufen. Die Menschen wollten das nicht, weil sie Angst davor hatten, dass zu viel über sie publik wird. Heute regt sich da keiner mehr darüber auf. Heute geben wir unsere persönlichen Daten gerne bekannt. Es reicht aus, uns mit billigem Nippes zu locken, den wir für unsere gesammelten Punkte erhalten. Für nur 799 gesammelte Punkte bekomme ich bei der Deutschland-Card ein Aroma-Therapie-Set, das es mir endlich ermöglicht, bei „feinsten Düften“ zu entspannen. Wow! Endlich! Das hat mir bisher gefehlt. Und wenn ich jetzt nicht diese tolle Prämie bekommen würde, hätte ich mir dieses Therapie-Set bestimmt ganz bald gekauft.
Wir scheinen tatsächlich zu glauben, dass wir durch die Nutzung der Deutschland-oder Payback-Card einen echten geldwerten Vorteil genießen. Einkaufen muss ja sowieso jeder. Und warum dabei nicht noch gleich fleißig Punkte sammeln und Prämien einheimsen? Diese vermeintlich logische Kausalkette ist absoluter Blödsinn. Und deshalb brauchen wir auch keine Deutschland- oder Payback-Karte.