Die Buschtrommel: Ich bin dann mal weg

Tschüs, „Beobachter“!
Von Gerd Jung, Seesen

Eigentlich wollte ich schon vor vier Wochen meinen Schreibtisch aufräumen – besser: entsorgen – , doch: Der Geist war zwar willig, aber der Redaktionsstress und andere Imponderabilien haben mir ein ums andere Mal ein Schnippchen geschlagen. Jetzt musste ich kurz vor Ultimo die Suppe auslöffeln und ausgerechnet an meinem allerletzten offiziellen Arbeitstag beim „Observer“ klar Schiff machen. So eilte ich denn am 31. August kurz nach dem ersten Hahnenschrei pflichtbeflissen in die Redak­tion, setzte einen Pott Kaffee auf, nahm über­aus wehmütig an meinem Schreibtisch Platz und packte meine sieben bis acht Sachen.
Der „Rückbau“ – bei Atomkraftwerken kann das schon mal einige Jahrzehnte dauern – gestaltete sich freilich umfangreicher als gedacht, denn ein Schreibtisch hat – ei der Daus! – nicht nur eine mit Rechner und Tastatur möblierte Arbeitsfläche, sondern auch Schubläden, in denen sich zahlreiche (handverlesene) Relikte aus den verflossenen knapp 40 Jahren angesammelt haben. So gab es beispielsweise ein Wiedersehen mit ungezählten „Knöllchen“, die aus Parkzeitüberschreitungen und anderen unverzeihlichen Vergehen resultierten – mit diesen von mir gezahlten Verwarnungsgeldern hätte die Stadt Seesen gut und gern einen zweitägigen Betriebsausflug unternehmen können...
Zum Sammelsurium gehört auch eine Fotokiste mit alten veröffentlichten G. J.-Aufnahmen, die Erinnerungen an mehr oder weniger hochkarätige Veranstaltungen auf Stadt,- Kreis- und Bezirksebene weckten und mich vom weiterem Aufräumen stark ablenkten.
Gerade die Begegnungen mit namhaften Lokal- und Bundespolitikern, die zu Wahlkampfzeiten in die Harzregion einfielen, sind unvergesslich: Das Presse-Kaffeetrinken mit Willy Brandt, das Abendmahl mit Helmut Kohl oder die sagenumwobenen Auftritte von Oskar Lafontaine, Gerhard Schröder oder Angela Merkel – um nur einige der Polithonoratioren zu nennen. Aber auch Comedy-, Pop- und Rockstars gaben sich in Seesen und Umgebung die Türklinke in die Hand. Die Palette reichte von „Yesterdayman“ Chris Andrews über die „Hollies“ und Karl Dall bis hin zu Jürgen Drews und den Gebrüdern Blattschuss – kulturelle Sternstunden für einen Redakteur.
Weitere Highlights dieser Art wird’s nicht geben, denn: Ich habe fertig und bin dann mal weg.
Ich wünsche der Seesener Tageszeitung „Beobachter“ noch sehr viele gute Jahre und nicht zuletzt der Redaktion mit dem frisch gebackenen Chefredakteur Ulrich Kiehne an der Spitze pfiffige Ideen, spannende und informative Beiträge sowie wissbegierige Leserinnen und Leser. – Mach’s gut Ulli!