Die Buschtrommel: Korruption, oder was?

Oliver Jung ernennt in seinem Youtube-Video die Globalisierung als Feind des Seesener EInzelhandels.
 

Die Beobachter-Kolumne zum Wochenende

Von Maximilian Strache

Der Sinn des Lebens ist das Leben. Mit dieser philosophischen Erkenntnis der Extraklasse beendet ein Herr, der sich Friesenstein nennt (bürgerlicher Name Jörg Rogall), einen kleinen Film, den er über Seesen gedreht hat. Zu finden ist dieses Meisterwerk der Filmkunst auf dem Videoportal YouTube. Das Video trägt den Titel „Seesen 21 und der (Un)Sinn des weglaufenden Geldes“. Der selbsternannte Dokumentaraktivist zeigt in seinem rund sechsminütigen Kurzfilm leerstehende Geschäftsräume in Seesen und begründet diesen Leerstand mit der Machtgeilheit und Raffgier der Stadtverwaltung und des Rates. Friesenstein ist der Auffassung, dass die Entscheidungen in den kommunalen Gremien der Stadt dazu führen werden, dass immer mehr Geschäfte schließen müssen. Nach seinen Informationen soll im ehemaligen Kaufhaus Meinecke neues Leben einziehen. Der „Filmemacher“ meint überdies zu wissen, dass sich dort in naher Zukunft eine Großapotheke, eine Großbäckerei und ein großes Optikerunternehmen niederlassen werden. Unternehmen, die den ortsanssäsigen Geschäften das Wasser abgraben werden und somit zur Schließung zwingen. Das Geld, was gegenwärtig noch in der Stadt umgesetzt wird und bei den lokalen Wirtschaftstreibenden verbleibt, würde so in die Kassen der Großunternehmen fließen und zu einer weiteren Bevölkerungsabwanderung führen. Den Grund für diese Entwicklung sieht der Filmemacher, wie schon angedeutet, in den Handlungsweisen der Kommunalpolitiker. Der Film und die Essenz, die der Dokumentarist am Ende aus den Leerständen in der Stadt zieht, erweckt den Eindruck, dass die Stadt Seesen in einem Sumpf der Korruption steckt. Friesenstein, und damit schließt sich der Kreis, meint, dass Kapital und Geld nicht alles sind, was das Leben lebenswert machen. Zumindest damit hat er recht. Oliver Jung, der jüngst mit seinem „Seesen Lied“ für Aufsehen sorgte, produzierte eine Antwort auf das Video unter dem Namen „Seesen 20“. In dem rund zehnminütigen Film geht der 31-Jährige den Aussagen des Dokumentaraktivisten auf den Grund. Jung sagt zu Beginn seines Filmes, dass ihn das Video schon nachdenklich gestimmt habe, er sich jedoch nicht vorstellen könne, dass sämtliche negativen Entwicklungen der vergangenen Jahren aus Fehlern des Rates oder aus etwaiger Korruption resultieren. Vielmehr sucht der engagierte Filmemacher und Musiker die Gründe für den zunehmenden Leerstand in der Innenstadt und den Verlust von Industriearbeitsplätzen in der Globalisierung – der fotschreitenden Vernetzung der internationalen Wirtschaft. Als eindrückliches Beispiel führt Oliver Jung den Handel über das Internet an. Ein Großteil unserer Konsumbedürfnisse werden heute nicht mehr im Laden um die Ecke, sondern über das Internet befriedigt. Firmen wie „Amazon“ oder „Zalando“ sind heute für viele der Inbegriff des modernen Konsums geworden. Selbst Kaufhausriesen wie Karstadt und Kaufhof haben einen Großteil ihrer Marktmacht eingebüßt. Jung fordert in seinem Video keine uneingeschränkte Solidarisierung mit dem lokalen Einzelhandel, sondern macht vielmehr auf die zahlreichen Initiativen aufmerksam, die bereits seit längerem in der Stadt Seesen laufen. Zu finden sind die Videos bei YouTube unter den Stichwörtern „Seesen 20“ und „Seesen 21“.